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(Foto: dpa)

Leser zum Zugunglück in Bad Aibling: "Beinahe ich, unglaublich"

Die Menschen in und um Bad Aibling hat das Zugunglück tief betroffen gemacht. Einer von ihnen ist n-tv.de-Leser Johann, der erzählt, wie ein Ehestreit ums Schnarchen ihm womöglich das Leben gerettet hat.

"Beinahe wäre ich ein Teil davon geworden, beinahe ich, unglaublich"… so beginnt n-tv.de-Leser Johann aus Bruckmühl seine Geschichte, die er uns geschickt hat. Bruckmühl liegt nur wenige Kilometer von Bad Aibling entfernt. Normalerweise fährt er mit dem Zug zur Arbeit, normalerweise wäre er in den Zug eingestiegen, der am Montag mit einem entgegenkommenden Triebwagen frontal zusammenprallte. Doch es kam anders - zum Glück.

Am Anfang stand ein üblicher Ehestreit. "Vorgestern war ich sauer auf meine Frau, weil sie mein Schnarchen nicht mehr ertrug, mich in der Nacht weckte und ich mich in andere Gemächer verzog. Einschlafen war nicht mehr", schreibt er uns. Und das war sein Glück. Denn Johann überhörte den Wecker. Als er aufwachte, beschloss er, den nächsten Zug zu nehmen und frühstückte etwas länger, "um in die Puschen zu kommen."

Seine Frau sagte ihm dann, er könnte doch auch mit dem Auto zur Arbeit fahren. Im Autoradio hörte er dann die erste Meldung zur Katastrophe. Doch er sah das ganze Drama auch mit eigenen Augen, als er Richtung Kolbermoor fuhr. "Feuerwehren, Rettungsfahrzeuge, Hubschrauber waren in Mengen unterwegs, wie ich es noch nie erlebt hatte."

Am Unglücksort wurde es dann noch heftiger: "In Kolbermoor angekommen, hallte die gesamte Umgebung von Sirenen der Einsatzfahrzeuge, so wie es die Glocken der Kirchen an Feiertagen tun, wenn alle zusammen läuten. So etwas Gespenstisches habe ich noch nie wahrgenommen", schreibt er uns.

Johann hielt inne, er war tief betroffen, als er weiter die Nachrichten verfolgte. "Mir wurde heute klar, dass das Schnarchen meine Frau veranlasst hat, mir das Leben zu retten… dafür danke ich ihr, und sie hat vorhin ein paar Tränen vergossen, weil ich wieder nach Hause gekommen bin, gesund und unverletzt."

Johann und seine Frau trauern um die Opfer. "Einige Gesichter werde ich womöglich nicht mehr im Zug sehen, die mir über die Jahre vertraut geworden sind. Noch weiß ich nicht, ob Bekannte unter den Opfern sind, aber wie es so ist, irgendwie kennt jeder jeden über irgendwelche Ecken, umso schlimmer ist es."

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Quelle: n-tv.de

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