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Maßgeschneiderte Türaufkleber sollen Demenzkranken helfen, sich in ihr Umgebung zurecht zu finden.
Maßgeschneiderte Türaufkleber sollen Demenzkranken helfen, sich in ihr Umgebung zurecht zu finden.(Foto: @truedoors)
Samstag, 19. November 2016

Gegen das Verlaufen: Beklebte Türen helfen Demenzkranken

Wenn der Kopf nicht mehr mitspielt, man alt und gebrechlich wird, ist das schon schlimm genug. Besonders schlimm wird es für Demenzkranke, wenn sie in ein Altersheim umziehen müssen. Dort gibt es kaum Vertrautes. Türaufkleber geben Orientierung.

"Wo bin ich?", "Welcher Tag ist heute?, "Wie finde ich wieder nach Hause?" Wenn einen das Gedächtnis immer öfter im Stich lässt, wenn Ängste immer größeren Raum einnehmen, dann können das Hinweise auf eine beginnende Demenz sein. Wer daran erkrankt, vergisst nicht nur Dinge, oft verlieren die Betroffenen auch die Orientierung.

Besonders schlimm wird es, wenn sie in ein Pflegeheim umziehen müssen. Umgeben von Unbekannten sollen sie sich zu Hause fühlen. Gerade für Demenzkranke ist das besonders schwer, weil das Fehlen von Orientierungspunkten sie verwirrt und ängstigt.

Dann suchen die Betroffenen verzweifelt nach Momenten ihres Lebens, nach Erinnerungen, nach Vertrautem. So wie einer Tür, durch die sie viele Jahre ihres Lebens tagtäglich hinein und wieder hinaus gegangen sind. Eine deutsche und eine niederländische Firma arbeiten mit dieser Erinnerung. Sie helfen Demenzkranken, sich besser zu orientieren - mit individuellen Türaufklebern.

Die Idee dahinter ist denkbar einfach: In vielen Häusern ähneln sich die Türen und in Altersheimen sehen oft alle Zimmertüren gleich aus. Die Türbilder von "Meine alte Haustür" und "True Doors" sind Türen von Wohnungen aus der Vergangenheit, manchmal sogar aus der Kindheit, nachempfunden. Jedes einzelne Türbild ist also ein Unikat und impliziert Vertrautes. Diese emotionale Bindung zu den maßgeschneiderten Türen ist es auch, die Demenzkranke leichter nach Hause finden lässt.

Marieke van Diepen und ihr Team haben in den Niederlanden und Belgien bereits mehr als 1000 Türen designt. Die Gründerin von "True Doors" erinnert sich an ihre erste Tür: "Es war ein älterer Mann, der in seinem Heim einfach nicht ankam. Immer suchte er nach dem Ausgang, er wollte fliehen. Wir haben ihm eine einfache, alte Holztür aufgeklebt, die an sein früheres Wohnhaus erinnerte. Plötzlich blieb er stehen und sagte: 'Hey, das ist mein Zuhause.' Mir traten direkt Tränen in die Augen", zitiert "Bento" die 38-Jährige.

Mehrere Studien haben gezeigt, dass der Wunsch sich zu Hause zu fühlen nicht abnimmt, auch wenn die Krankheit fortschreitet. Eine erkennbare und vertrauenswürdige Umgebung bewirkt Experten zufolge einen positiven Einfluss auf die Lebensqualität von Menschen mit Demenz.

Weltweit sind Schätzungen zufolge mehr als 35 Millionen Menschen an Demenz erkrankt, hierzulande sind rund 1,5 Millionen Menschen betroffen.

Quelle: n-tv.de

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