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Lustiges Bild mit ernstem Hintergrund: Wladimir Putin und Dmitri Medwedjew als Hochzeitspaar.
Lustiges Bild mit ernstem Hintergrund: Wladimir Putin und Dmitri Medwedjew als Hochzeitspaar.(Foto: Reuters)
Sonntag, 24. Juni 2012

Themenschwerpunkt Russland: Berlins CSD ungewohnt politisch

Hier kommt der Autor hin

So viel Protest war lange nicht: Tausende Schwule und Lesben feiern in Berlin einen sehr politischen Christopher Street Day (CSD). Vor allem das homophobe Russland wird böse aufs Korn genommen. Lack, Leder, Peitsche und Federbausch treten diesmal etwas in den Hintergrund.

Sie haben sich ganz doll lieb.
Sie haben sich ganz doll lieb.(Foto: dapd)

Weniger Karneval, mehr Protest: Berlin hat einen politischen Christopher Street Day (CSD) erlebt wie lange nicht mehr. Zum 34. Mal gingen Schwule und Lesben in der deutschen Hauptstadt für mehr Toleranz auf die Straße. Spaß und Party standen bei der bunten Parade mit 700.000 Teilnehmern zwar wie üblich im Vordergrund. Doch mit einigen Aktionen erinnerte die Parade daran, dass der CSD eine politische Demonstration ist. Kritiker hatten das zuletzt mehr und mehr angezweifelt.

So wählten die Veranstalter dieses Mal explizit eine "politische Route": Vorbei am Berliner Abgeordnetenhaus, am Mahnmal für die verfolgten Homosexuellen am Potsdamer Platz, am Reichstag sowie an der russischen Botschaft. Die Teilnehmer protestierten gegen die Polizei nimmt Homosexuelle fest .

Dort schossen die Demonstranten zentnerweise bunte Papierschnipsel in die Richtung des Botschaftsgebäudes. In St. Petersburg und anderen Regionen Russlands ist seit einigen Monaten sogenannte "Homo-Propaganda" streng verboten, etwa öffentliches Händchenhalten oder die Aussage, Homosexualität sei normal.

"Das lassen wir uns nicht gefallen", rief Robert Kastl vom Berliner Verein CSD e.V. vor tausenden Teilnehmern, darunter auch etliche Aktivisten aus Osteuropa. Russland sei ein "Hort" von Diskriminierung, Menschenrechtsverletzung und Verfolgung schwuler und lesbischer Menschen, hieß es. Am Boulevard Unter den Linden zeigte ein Bild den russischen Präsidenten Wladimir Putin und Ministerpräsident Dmitri Medwedjew als Pärchen mit Hochzeitsstrauß. Nicht alle Berliner fanden das lustig. Laut Kastl gab es bei der Polizei mehrere Beschwerden.

Keine Gleichstellung in vielen Bereichen

Die machen ja nur Party, was soll der CSD überhaupt noch? Diese Frage wurde in letzter Zeit häufiger gestellt. In Deutschland habe sich so viel gesellschaftliche Akzeptanz für Lesben, Schwule, Bi- oder Transsexuelle entwickelt, dass es der alljährlichen Paraden zum Christopher Street Day eigentlich nicht mehr bedürfe, lautete ein Standpunkt.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit sah das anders. "Solange es Diskriminierung in der Gesellschaft gegen Homosexualität gibt, ist es wichtig, dagegen auf die Straße zu gehen", sagte der SPD-Politiker. In vielen Bereichen gebe es keine Gleichstellung für Schwule und Lesben - zum Beispiel in der Ehe oder im Erbrecht, kritisierte der Regierungschef.

Quelle: n-tv.de

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