"Wie ein Campingurlaub"Berlusconi in den Abruzzen
Italiens Regierungschef Berlusconi bemüht sich um tröstende Worte für die Opfer des schweren Erdbebens. Sie sollten sich doch einfach "wie im Campingwochenende" fühlen, sagte er gegenüber n-tv.
Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat die Lage der obdachlos gewordenen Erdbebenopfer in den Abruzzen mit einem Campingurlaub verglichen. Den in Zeltlagern untergebrachten Menschen fehle es an nichts, sagte er bei einem Besuch in einer der Sammelstellen nach dem Abruzzen-Erdbeben gegenüber n-tv.
Sie hätten warmes Essen, Decken für die Nacht und medizinische Versorgung. "Natürlich" sei ihre Unterbringung "absolut provisorisch, aber man muss es eben nehmen wie ein Campingwochenende".
Am Dienstag hatte Berlusconi in L'Aquila den Menschen, deren Häuser zerstört wurden oder nicht mehr bewohnbar sind, eine "Auszeit" an der Adria-Küste auf Staatskosten empfohlen, während der Staat eine Liste der beschädigten Häuser anlege. Etwa 3000 Obdachlose sind an der nahen Küste bereits in Hotels und Pensionen untergebracht. Die linke Zeitung "L'Unit" fasste die Äußerungen des Milliardärs und Medienzars so zusammen: "Geht ans Meer, ich zahle alles."
In L'Aquila übernachteten erneut dutzende Menschen bei eisigen Temperaturen in ihren Autos. Sie waren nach eigenen Angaben nicht in den überfüllten Zeltlagern untergekommen. "Schämt euch", rief eine Überlebende den Helfern zu.
Europa darf nun doch helfen
Unterdessen bat die Regierung in Rom die EU-Kommission um finanzielle Unterstützung. Eine konkrete Summe stehe noch nicht fest, hieß es am Mittwoch in der Brüsseler Behörde. Rom hat zehn Wochen Zeit, um Hilfen aus dem EU-Solidaritätsfonds für Naturkatastrophen zu beantragen. Der Fonds ist jährlich mit einer Milliarde Euro dotiert. Vor sechs Jahren hatte Italien nach einem Erdbeben im Zentrum des Landes vom Oktober 2002 Hilfen von 47,6 Millionen Euro aus Brüssel erhalten.
Noch am Dienstag hatte Berlusconi Hilfe aus dem Ausland abgelehnt. Italien könne das Notwendige allein leisten.
272 Tote geborgen
Mittlerweile sind nach Auskunft der Polizei 272 Tote geborgen worden. Darunter sind 16 Kinder. Neun der Toten konnten noch nicht identifiziert werden. Innenminister Roberto Maroni hatte angekündigt, dass bis Ostern rund um die Abruzzen-Hauptstadt L'Aquila nach Verschütteten gesucht werde. Berlusconi hatte bei seinem zweiten Besuch in L'Aquila am Vortag eine Frist nur bis Donnerstag genannt.
Am Dienstagabend wurde eine 21-Jährige geborgen, die 42 Stunden unter den Trümmern gelegen hatte. Sie ist die bislang letzte Überlebende, die aus den Trümmern gerettet wurde. Die Studentin hatte die Rettungskräfte durch Rufe auf sich aufmerksam gemacht. Insgesamt konnten etwa 150 Erdbebenopfer lebend geborgen werden. Am Mittwoch wurden die Bergungsarbeiten durch weitere Nachbeben erschwert, die die Bewohner der Abruzzen erneut in Angst und Schrecken versetzten.
Nach Regierungsangaben wurden bei dem schwersten Erdbeben in Italien seit 30 Jahren insgesamt 1179 Menschen verletzt, rund 17.000 verloren ihr Zuhause. Die meisten wurden in Zeltlagern untergebracht.
Papst Benedikt XVI. will "so bald wie möglich" in die Erdbebenregion reisen. Er teile "den Schmerz und die Sorgen" der Erdbebenopfer, sagte das Kirchenoberhaupt bei einer Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom. Nach Angaben eines Vatikansprechers wird der Papst frühestens in der übernächsten Woche die Katastrophenregion besuchen.