Mixas GesprächsangebotBetroffene Heimkinder lehnen ab
Als "verlogen und unverfroren" weisen die betroffenen Heimkinder das Gesprächsangebot von Walter Mixa zurück. Der Augsburger Bischof belüge sich selbst. Unterdessen räumt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Zollitsch, Fehler im Umgang mit Opfern ein: "Es wurden Wunden gerissen, die kaum mehr zu heilen sind."
Der Augsburger Bischof Walter Mixa stößt mit seinem Gesprächsangebot an ehemalige Heimkinder, die ihm körperliche Gewalt vorgeworfen haben, auf Ablehnung. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, reagierten zwei der sechs mutmaßlichen Opfer empört auf die Stellungnahme des Bischofs zu den Vorwürfen. Mixas Äußerungen seien "verlogen und unverfroren", sagte eine der beiden Frauen. Die andere zeigte sich "geschockt" und sagte, der Bischof "belügt sich selbst". Beide Frauen könnten in den Äußerungen des Augsburger Bischofs kein annehmbares Gesprächsangebot erkennen, hieß es.
Mixa bedauerte die Zurückweisung seines Angebotes. Ein Ordinariatssprecher sagte der "Augsburger Allgemeinen", der Bischof hoffe, dass die Männer und Frauen, die Vorwürfe gegen ihn richten, ihre Antwort nochmals überdenken. Die Einladung zu einem Gespräch bleibe bestehen.
Der "Süddeutsche Zeitung" liegen nach eigenen Angaben eidesstattliche Versicherungen von sechs früheren Heimkindern vor, die Mixa bezichtigten, er habe sie in den 70er und 80er Jahren während seiner Zeit als Pfarrer im Kinder- und Jugendhilfezentrum St. Josef in Schrobenhausen geschlagen. Mixa hatte am Donnerstag alle Vorwürfe zurückgewiesen und sich "erschüttert" über die Anschuldigungen gezeigt. Er sei gerne bereit, mit den Männern und Frauen, die in ihrer Jugendzeit im Kinderheim St. Josef gelebt hatten, "über ihre Erinnerungen, Erlebnisse und Vorwürfe" zu sprechen.
Die katholische Kirche in Deutschland wird derzeit von einem Skandal über Misshandlungs- und Missbrauchsfälle in ihren Kinder- und Jugendeinrichtungen erschüttert, die meist über Jahrzehnte verschwiegen worden waren. Fälle von Missbrauch gab es darüber hinaus auch in nicht-kirchlichen Einrichtungen.
Zollitsch: Kirche hat nicht geholfen
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, räumte derweil Fehler im Umgang mit den Opfern ein und kündigte einen Neuanfang an. Die Kirche habe den Missbrauchsopfern in den vergangenen Jahrzehnten zu wenig geholfen, sagte der Freiburger Erzbischof in einer zum Karfreitag verbreiteten Erklärung seiner Diözese. Dies sei eine der wesentlichen Erkenntnisse nach den Enthüllungen zahlreicher Missbrauchsfälle. Zollitsch begründete das frühere Verhalten der Kirche unter anderem mit dem damaligen gesellschaftlichen Umfeld.
Die Kirche räume diesen Fehler ein und stelle sich ihm. Zukünftig gelte das Hauptaugenmerk der Kirche den Opfern. Es werde ihnen mehr Gehör geschenkt, unter anderem durch eine bundesweit geschaltete Telefon-Hotline für Missbrauchsopfer.
"Heute wird uns bewusst, dass in einer anderen gesellschaftlichen Situation durch die Enttäuschung über das schmerzliche Versagen der Täter und aus falsch verstandener Sorge um das Ansehen der Kirche der helfende Blick für die Opfer nicht genügend gegeben war", heißt es in der schriftlich verbreiteten Erklärung. "Auch das ist eine leidvolle Realität, der wir uns zu stellen haben."
"Wunden sind kaum zu heilen"
Zollitsch erklärte weiter: "Es wurden Wunden gerissen, die kaum mehr zu heilen sind. Umso mehr gelten unser Hauptaugenmerk, unser Mitgefühl und alle unsere mögliche Unterstützung den Opfern."
Die Nachrichten über den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Mitarbeiter der Kirche erfüllten die Kirche mit Trauer, Entsetzen und Scham. "Es erschüttert uns, welches Leid den Opfern zugefügt wurde, die oft über Jahrzehnte hinweg ihre Verletzungen nicht in Worte fassen konnten." Zu Vertuschungsvorwürfen gegenüber der Kirche äußerte sich Zollitsch nicht.
Das Osterfest, insbesondere der Karfreitag, symbolisiere für die Kirche den Neubeginn, sagte er. Dies gelte auch im Zeichen der aktuellen Debatten. Der Karfreitag "kann für die Kirche zu einem Neuanfang werden, den wir alle so dringend benötigen".