Dienstag, 09. November 2010
"Gestörtes Verhältnis zur Polizei": Betrunkener Schöffe ausgetauscht
Nach dem Skandal um einen betrunkenen und pöbelnden Schöffen wird der Prozess gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden mit einem Ersatz-Laienrichter fortgesetzt. Was sich der Schöffe geleistet habe, gehe "über die Grenzen des Tolerierbaren weit hinaus", sagte der Vorsitzende Richter Reiner Skujat. Der Befangenheitsantrag der Staatsanwaltschaft, dem auch mehrere Opfer- Eltern zustimmten, sei begründet, da der Schöffe offenbar "ein gestörtes Verhältnis zur Polizei" habe.
Die Polizei hatte den Schöffen in der Nacht vor dem vergangenen Prozesstag sturzbetrunken und schlafend in der Stuttgarter Innenstadt aufgegriffen. Laut Skujat hatte er auch diverse Unterlagen aus dem Prozess dabei, etwa die Anklageschrift und handschriftliche Aufzeichnungen. Später habe er die Polizisten als "Idioten" und "Scheißkerle" beschimpft. Zwar wolle er sich für seine Tat entschuldigen, sagte Skujat. Dennoch sei das Misstrauen gegen ihn begründet. Es sei nicht mehr gewährleistet, dass er unparteilich werte.
Vor Gericht muss sich der Vater des Amokläufers von Winnenden verantworten. Sein Sohn erschoss am 11. März 2009 in Winnenden und Wendlingen 15 Menschen und sich selbst. Sein Vater hatte die Tatwaffe unverschlossen aufbewahrt.
dpa
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