"Gestörtes Verhältnis zur Polizei"Betrunkener Schöffe ausgetauscht
Der Vorsitzende Richter im Winnenden-Prozess ist nicht amüsiert. Ein Schöffe, der sturzbetrunken auf der Straße aufgegriffen worden war, wird ausgetauscht. Was sich der Schöffe geleistet habe, gehe "über die Grenzen des Tolerierbaren weit hinaus", so der Richter.
Nach dem Skandal um einen
betrunkenen und pöbelnden Schöffen wird der Prozess gegen den Vater des
von Winnenden mit einem Ersatz-Laienrichter fortgesetzt. Was sich der Schöffe geleistet
habe, gehe "über die Grenzen des Tolerierbaren weit hinaus", sagte der
Vorsitzende Richter Reiner Skujat. Der Befangenheitsantrag der Staatsanwaltschaft,
dem auch mehrere Opfer- Eltern zustimmten, sei begründet, da der Schöffe offenbar
"ein gestörtes Verhältnis zur Polizei" habe.
Die Polizei hatte den Schöffen
in der Nacht vor dem vergangenen Prozesstag sturzbetrunken und schlafend in der
Stuttgarter Innenstadt aufgegriffen. Laut Skujat hatte er auch diverse Unterlagen
aus dem Prozess dabei, etwa die Anklageschrift und handschriftliche Aufzeichnungen.
Später habe er die Polizisten als "Idioten" und "Scheißkerle"
beschimpft. Zwar wolle er sich für seine Tat entschuldigen, sagte Skujat. Dennoch
sei das Misstrauen gegen ihn begründet. Es sei nicht mehr gewährleistet, dass er
unparteilich werte.
Vor Gericht muss sich der
Vater des Amokläufers von Winnenden verantworten. Sein Sohn erschoss am 11. März
2009 in Winnenden und Wendlingen 15 Menschen und sich selbst. Sein Vater hatte die
Tatwaffe unverschlossen aufbewahrt.