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Brüder Peter Kohl (Mitte) und Walter Kohl (rechts) bei Moderator Markus Lanz.
Brüder Peter Kohl (Mitte) und Walter Kohl (rechts) bei Moderator Markus Lanz.(Foto: Zweites Deutsches Fernsehen)

Nach Vorwürfen gegen Stiefmutter: Biograf greift Kohl-Söhne an

Einen vernichtenden Text hat Peter Kohl über die neue Frau seines Vaters geschrieben. Auch der Biograf Heribert Schwan kommt darin nicht gut weg. Der wehrt sich nun. Die Kohl-Söhne hätten kein "eigenes Lebensthema" und inszenierten eine "spätkindliche Tragödie". Auch rechtliche Schritte prüft er.

Nachdem die Söhne Helmut Kohls der zweiten Frau ihres Vaters öffentlich Vorwürfe machten, werden sie nun vom Biografen des Altkanzlers persönlich angegangen. "Die Kohl-Söhne entwickeln sich in meinen Augen immer mehr zu tragischen Figuren", zitiert stern.de den Journalisten und Autor Heribert Schwan. Sie seien "bislang eher nicht durch biografische Verdienste aufgefallen" und nutzten "jede Gelegenheit, sich in der Öffentlichkeit in ihrer Rolle als die ewigen Kohl-Söhne zu präsentieren."

Der jüngere der beiden Söhne, Peter Kohl, veröffentlicht in den kommenden Tagen eine Neuauflage des Buches, das er über seine verstorbene Mutter, Hannelore Kohl, geschrieben hat. In einem neuen Text, den er dem Buch nun voranstellt, rechnet er mit Maike Richter ab, die der Witwer Helmut Kohl 2008 heiratete.

In seinem Buch beschreibt Peter Kohl unter anderem die Wohnung Richters, in der sich damals zahlreiche Bilder und Fanartikel seines Vaters fanden. Die Szene habe für ihn nach einer "Sammelleidenschaft zum Zwecke der Heldenverehrung" ausgesehen, "wie man es auch von Berichten über Stalker kennt." Die Kohl-Begeisterung Richters habe ihn mit einer "Mischung aus Scham und Peinlichkeit" erfüllt.

"Von Fragen des Anstandes unberührt"

Neben diesen persönlichen Eindrücken finden sich in dem Text auch ganz handfeste Vorwürfe. Richter blockiere den Kontakt der Söhne zu ihrem Vater. Dieser habe noch nicht einmal an der Trauerfeier zum zehnten Todestag seiner verstorbenen Frau teilgenommen. Als der Sohn einmal mit einem Trick an der Wache vorbei kam und doch seinen Vater besuchte, habe ihn Richter danach angerufen und durchs Telefon angeschrien.

Außerdem habe sie schon in den 1990er Jahren eine Beziehung zum damaligen Kanzler gehabt. Schwan kommentiert diese Aussage nun mit der Bemerkung, Peter Kohl sei "von Fragen des Anstandes unberührt" und "sich nicht zu schade, nun auch in die Schmuddelecken zu fassen."

Auch der Biografen Schwan kommt nicht gut weg. Sein Buch über Hannelore Kohl zeige "zahlreiche Übereinstimmungen" mit dem Buch, das Peter Kohl zuvor veröffentlicht hatte "hinsichtlich einzelner Wortpassagen sowie in Bezug auf den Aufbau". Schwan erklärt nun, seine Anwälte prüften "rechtliche Schritte" ­– ob sich das auf den genannten Vorwurf oder etwas anderes bezieht, wird nicht deutlich.

Zum Andenken der Mutter

In einem Talkshowauftritt erklärten die Brüder Peter und Walter Kohl ihren Gang in die Öffentlichkeit damit, dass sie eine Beschädigung des Ansehens ihrer Mutter fürchteten. Die Aufarbeitung der Familiengeschichte geschehe in ihrem Andenken.

Laut Schwan zeige der Auftritt, "wie tief die Verzweiflung sein muss, nach der leiblichen Mutter nun auch schon zu Lebzeiten den Vater verloren zu haben." Die Söhne inszenierten eine "spätkindliche Tragödie". Er wünsche ihnen, dass sie irgendwann "ein eigenes Lebensthema finden können."

Zunächst war an dieser Stelle behauptet worden, die Brüder Peter und Walter Kohl hätten gegen Dr. Schwan geklagt, weil dieser angeblich in seiner Biographie über ihre Mutter Unwahrheiten behauptet habe, wie das Gericht bestätigt habe. Diese Behauptung stellen wir hiermit richtig: Weder haben die Gebrüder Kohl gegen Dr. Schwan geklagt, noch war das Buch von Dr. Schwan Gegenstand einer Klage, noch hat das Gericht angebliche Unwahrheiten im Buch des Dr. Schwan bestätigt.

Quelle: n-tv.de

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