Panorama
Video

Apokalyptische Szenen in Frankreich: Blitzflut reißt 17 Menschen in den Tod

Menschen sterben, als sie ihre Autos in Sicherheit bringen wollen, Camper werden mit Hubschraubern von den Dächern ihrer Wohnmobile gerettet: An der Côte-d'Azur führen heftige Unwetter zu dramatischen Szenen.

An der französischen Mittelmeerküste, die sonst wegen ihrer spektakulären Landschaft und schicken Städten bei Touristen aus der ganzen Welt beliebt ist, haben Blitzfluten 17 Menschen in den Tod gerissen. Nach heftigen Regenfällen und Sturmböen verwüsteten Überschwemmungen die Straßen von Cannes und anderen Küstenorten. Allein sieben Menschen ertranken in Tiefgaragen beim Versuch, ihre Autos zu retten.

Innerhalb von zwei Tagen fiel so viel Regen wie sonst im ganzen Monat Oktober. In nur drei Stunden wurden 180 Millimeter Niederschlag gemessen. Der Niederschlag sei "sehr heftig und konzentriert" gewesen, sagte der Präfekt des Département Alpes-Maritimes, Adolphe Colrat, als der Himmel bereits wieder blau war. Der kleine Fluss Brague trat über die Ufer, in mehreren Orten wurde die Erdgeschosse der Häuser überflutet.

Überschwemmte Tiefgaragen und Tunnel

Vier Menschen würden noch vermisst, teilten die Behörden mit. Präsident François Hollande versicherte bei einem Besuch vor Ort den Betroffenen "die Solidarität der Nation". Zugleich warnte er, dass in der Umweltpolitik Lehren aus der Katastrophe gezogen werden müssten. "Es gab immer Katastrophen. Doch ihre Häufigkeit und ihre Intensität nehmen zu", sagte der Präsident, der im Dezember Gastgeber der UN-Klimakonferenz in Paris ist.

Helikopter mussten Camper von den Dächern ihrer Wohnmobile retten.
Helikopter mussten Camper von den Dächern ihrer Wohnmobile retten.(Foto: AP)

Drei betagte Menschen starben nach Angaben der Feuerwehr, als eine Sturzflut am Samstagabend ein Altersheim in Biot nahe Antibes überschwemmte. Drei Menschen starben in ihrem Auto in Golfe-Juan bei der Durchquerung eines überfluteten Tunnels. In Mandelieu-la-Napoule wurden sieben Tote aus zwei überschwemmten Tiefgaragen geborgen, ein Mensch wurde dort noch vermisst. Die Anwohner hatten versucht, ihre Autos vor dem Wasser zu retten.

"Es ist apokalyptisch", sagte der Bürgermeister Henri Leroy. "Der Parkplatz war halbleer, doch sind dort tausende Fahrzeuge. Es könnte noch weitere Leichen geben." Feuerwehrautos pumpten weiter Wasser aus der Tiefgarage. "Ich sah Wasser von der Veranda hereinspülen. Binnen fünf Minuten reichte es mir bis zu Hüfte. Die Türen klemmten, aber glücklicherweise kam mir ein Nachbar zu Hilfe", sagte die Rentnerin France Oberlin, deren Wohnung völlig verwüstet wurde.

Evakuierung von Campingplätzen

In Cannes starben drei Menschen, mehrere Autos wurden hunderte Meter weit bis ins Meer geschwemmt. Ein Mensch kam auf einem Campingplatz in Antibes ums Leben, Helikopter mussten andere Camper von den Dächern ihrer Wohnmobile retten. Die Behörden richteten Notunterkünfte für die Menschen ein, deren Häuser durch die Fluten zerstört wurden. Rund 15.000 Haushalte waren am Abend weiter ohne Strom, nachdem zunächst 700.000 Menschen betroffen gewesen waren.

Eine Autobahn wurde gesperrt, besonders rund um Cannes wurden die Bahnlinien schwer beschädigt. Mehrere Züge konnten wegen Überschwemmungen nicht weiterfahren, hunderte Reisende saßen in Toulon, Nizza und Cannes fest. Auch am Flughafen von Nizza strandeten mehr als 500 Fluggäste. Das Unwetter war aber nicht ganz so schlimm wie im Juni 2010, als an der Côte d'Azur 25 Menschen ums Leben kamen und Schäden von knapp einer Milliarde Euro entstanden.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen