Sonntag, 08. Juni 2008
Amok in "Electric Town": Blutbad in Tokio
Beim blutigsten Amoklauf in Japan seit Jahren hat ein Mann in Tokio mindestens sieben Menschen mit einem Messer tödlich verletzt. Sechs Männer und eine Frau seien im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen erlegen, berichteten japanische Medien unter Berufung auf die Polizei. Der 25-jährige Japaner hatte zur Mittagszeit in Tokios weltberühmter Elektronik- Einkaufsgegend Akihabara wahllos auf Menschen eingestochen. Zehn Menschen wurden von dem Messerstecher verletzt. Der junge Mann wurde nahe des Tatortes festgenommen, hieß es.
Der Täter hatte mit einem gemieteten Zwei-Tonnen-Laster Passanten angefahren, bevor er sie laut Augenzeugen schreiend mit seinem Messer attackierte. "Ich bin nach Akihabara gekommen, um Menschen zu töten. Egal wen", sagte der 25-Jährige der Polizei nach seiner Festnahme. "Ich habe diese Welt satt", wird der Amokläufer zitiert. Ein 19 Jahre alter Augenzeuge sagte: "Der Mann hat einen Fußgänger erst angefahren, danach hat er ihn angesprungen und mit dem Messer mehrere Male auf ihn eingestochen. Dann ist er weitergegangen und hat wahllos Passanten aufgeschlitzt." Ein anderer Augenzeuge schilderte: "Es war wie ein Terrorangriff, weil alles so schnell passierte".
Touristenzentrum
Akihabara, liebevoll auch Akiba genannt, ist ein Mekka für Fans von Videospielen, Elektronikgeräten und japanischen Manga-Comics und auch Anziehungspunkt für ausländische Touristen. An diesem Sonntag jedoch spielten sich in Japans Animationsparadies Szenen wie in einem Horrorfilm ab. Ein britischer Augenzeuge, der in Japan arbeitet und kurz nach dem Amoklauf zum Tatort kam, schilderte dem Sender BBC: "Als ich die Straße runterkam, bemerkte ich viele Streifenwagen". Ein Mensch habe auf der Straße gelegen, "aus seiner Seite sickerte Blut. Ich war entsetzt". Der Brite weiter: "Ich sah ein Blutbad, überall lagen Körper". Manche der am Straßenrand und auf der Straße liegenden Menschen seien bei Bewusstsein gewesen, andere nicht.
Das japanische Fernsehen zeigte dramatische Bilder von Rettungskräften bei verzweifelten Wiederbelebungsversuchen. Sirenengeheul hallte durch die Straßen des an Wochenenden besonders belebten Viertels. Auf Bildern, die Passanten mit ihren Mobiltelefonen machten waren Polizeibeamte zu sehen, wie sie sich auf den am Boden an einer Hauswand liegenden Amokläufer stemmen. Anschließend führten sie den mit dunkler Brille und cremefarbenem Sakko bekleideten Mann ab.
Viele Schaulustige versammelten sich um den von der Polizei abgesperrten Tatort. Insgesamt 17 Menschen, darunter ein Verkehrspolizist, wurden in ein nahes Krankenhaus gebracht. Für sechs Männer und eine Frau kam jedoch jede Hilfe zu spät.
Schlimme Erinnerungen
Erst kürzlich hatte eine Serie wahlloser Morde an Passanten Japan schockiert. Im März hatte ein 18-Jähriger in einem Bahnhof in der Provinz Okayama einen zufällig ausgewählten Pendler vor einen einfahrenden Zug gestoßen. Das 38 Jahre alte Opfer starb im Krankenhaus. Kurz zuvor hatte ein 24-Jähriger in einem Bahnhof in Ibaraki auf Passanten eingestochen. Ein Mensch wurde getötet, sieben weitere verletzt.
Zwar gilt Japan im internationalen Vergleich weiterhin als ein Land mit relativ geringer Gewaltkriminalität. Doch haben in den vergangenen Jahren die Übergriffe mit Messern zugenommen. Das Blutbad in Akihabara ereignete sich am gleichen Tag wie 2001, als ein Amokläufer in einer Grundschule in der Stadt Ikeda wahllos acht Kinder mit einem Küchenmesser erstach. Die Worte des psychisch kranken Täters ähneln denen des Täters von Akihabara: Er habe "von allem die Nase voll".
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