Panorama
Pawel Dmitrischenko.
Pawel Dmitrischenko.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Säureangriff für 1250 Euro: Bolschoi-Star bleibt in Haft

Der Solotänzer Pawel Dmitrischenko muss sich vor Gericht wegen des Säureangriffs auf den Ballettchef des Bolschoi-Theaters in Moskau verantworten. Er hatte gestanden, die Tat in Auftrag gegeben zu haben.

Nach seinem Geständnis zu dem Säureangriff auf den Ballettchef des weltberühmten Bolschoi-Theaters in Moskau bleibt der Solotänzer Pawel Dmitrischenko in Untersuchungshaft. Richterin Marina Orlowa wies einen Antrag der Verteidigung des 32-Jährigen auf Freilassung gegen Kaution ab.

Dmitrischenko wirkte müde und tauschte zu Beginn der Verhandlung nervöse Blicke mit seinem Anwalt aus. Dieser verlangte, Dmitrischenko gegen eine Kaution von 500.000 Rubel (etwa 12.500 Euro) aus der Haft zu entlassen. Das Gericht folgte allerdings dem Antrag der Staatsanwaltschaft, den Star-Tänzer nicht freizulassen.

Bolschoi-Ballettchef Sergej Filin war Mitte Januar mit Säure angegriffen worden. Der 42-Jährige erlitt dabei Verätzungen dritten Grades im Gesicht. Er wird derzeit in Deutschland behandelt. Filins Augen waren so schwer verätzt, dass deutsche und russische Ärzte lange befürchteten, er könne erblinden.

Die Polizei hatte Dmitrischenko am Dienstag festgenommen. Er gestand laut den Ermittlern, die Tat in Auftrag gegeben zu haben. Mit Dmitrischenko wurden zwei weitere Verdächtige verhaftet - der mutmaßliche Täter Juri Saruzki und der Mann, der ihn zum Tatort gefahren haben soll. Saruzki soll umgerechnet rund 1250 Euro für die Tat bekommen haben, wie ein Polizeisprecher sagte. Dem Trio drohen im Fall einer Verurteilung bis zu zwölf Jahre Haft.

Hintergründe unklar

Auf die Frage, warum er den Angriff in Auftrag gegeben habe, antwortete Dmitritschenko vor Gericht jedoch: "Sind Sie sicher, dass ich das getan habe? Zu sagen, dass ich verlangt hätte, Filin mit Säure zu überschütten, ist falsch", fügte er hinzu. Während der Verhandlung saß Dmitritschenko wie in russischen Gerichten üblich in einem Gitterkäfig.

"Ich habe mit Juri Saruzki über die Politik und die Korruption im Bolschoi gesprochen", sagte Dmitritschenko weiter. Als dieser gesagt habe, er werde Filin "auf die Fresse hauen", habe er zugestimmt. Der Tänzer meinte, dass es dabei nur um eine "Lektion" gehen sollte.  "Als ich erfahren habe, was geschehen ist, dass dabei Säure im Spiel war, war ich geschockt", sagte der Tänzer.

Die Hintergründe der Tat bleiben unklar. In Russland wird gemutmaßt, Dmitritschenkos Freundin, die Tänzerin Angelina Woronzowa, stecke hinter dem Angriff. Er sei wütend gewesen, weil Filin ihr die Hauptrolle in "Schwanensee" verweigert habe.

Filin soll die Tänzerin einst von der Provinz nach Moskau geholt und sie unter seine Fittiche genommen haben. Das war zu einer Zeit, als er Ballettchef am Stanislawski-Theater war. Woronzowa soll ihm versprochen haben, in seiner Truppe zu tanzen - und nahm dann doch ein Angebot am berühmten Bolschoi an.

Seit Filin dann selbst an das wichtigste Haus des Landes wechselte, sieht er sich dem Vorwurf ausgesetzt, er verwehre Woronzowa aus Rache Traumrollen. Zudem ist die Tänzerin Lieblingsschülerin des Startänzers und Ballettpädagogen Nikolai Ziskaridse, der mit Filin ebenfalls über Kreuz liegt.

Die Bolschoi-Balletttruppe ist mit etwa 220 Tänzern die größte der Welt. Sie gilt als Wiege klassischer russischer Ballettkunst mit makellosem Spitzentanz, streng synchronen Bewegungen und einzigartiger Körperbeherrschung. Der hausinterne Konkurrenzkampf am Bolschoi ist extrem hart.

Quelle: n-tv.de

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