Panorama
Das Facebook-Profil von Melvin Redick nutzt Bilder von Charles David Costacurta.
Das Facebook-Profil von Melvin Redick nutzt Bilder von Charles David Costacurta.(Foto: New York Times)
Donnerstag, 14. September 2017

Fotos von Facebook gestohlen: Brasilianer wird zum falschen Amerikaner

Ein brasilianischer Vertreter erkennt sich auf Fotos in einem gefälschten Facebook-Profil wieder. Das Konto ist offenbar eines von vielen, mit denen Russland die amerikanische Präsidentschaftswahl beeinflusste. Der Mann reagiert geschockt.

Auf den ersten Blick scheint Melvin Redick ein Facebook-Nutzer unter vielen zu sein. Seinem Profil zufolge lebt er in Harrisburg, im US-Bundesstaat Pennsylvania. Er besuchte die Central High School in Philadelphia und studierte an der Indiana University of Pennsylvania. Zudem hat er eine Tochter. Auf den zweiten Blick stellt sich diese unschuldige Fassade allerdings als Lüge heraus; Melvin Redick hat nie existiert. Jedenfalls nicht so, wie man glauben könnte.

Nach einem Artikel in der "New York Times", der eine Verbindung Redicks nach Brasilien andeutete, griff der brasilianische Online-Nachrichtendienst "G1" die Geschichte auf. Die Seite bat ihre Leser um Hilfe; man wollte herausfinden, woher die Bilder auf Redicks Profil stammten. Nun meldet sich ein Mann aus Jundiaí im Südosten Brasiliens. Das seien seine Tochter und er auf den Bildern, erzählt er "G1".

Charles David Costacurta heißt der Mann, der offenbar von russischen Hackern für ein falsches Facebook-Profil benutzt wurde. Die Bilder seien vor drei Jahren entstanden, erzählte der 36-Jährige. Damals war seine Tochter noch drei Jahre alt. "Ich habe Angst bekommen und meine Freundin gebeten, sich das mal anzusehen", sagt der Handelsvertreter.

"Ich verstehe nicht viel von sozialen Netzwerken und dem Internet." Dass seine Fotos gestohlen und für andere Zwecke verwendet wurden, verunsichert ihn. Vor allem, weil er die Privatsphäre-Einstellungen seines Profils stark limitiert hat – Unbekannte sollten eigentlich keinen Zugriff auf seine Bilder haben. "Wir sind völlig angreifbar", sagt er. "Da fragt man sich doch, wie viel Sicherheit es eigentlich gibt, oder?"

Als Reaktion auf den Artikel der "New York Times" gab Facebook bekannt, mehrere hundert Konten entfernt zu haben, die vermutlich von einem russischen Unternehmen angelegt worden sind. Auf Redicks Facebook-Profil, das inzwischen gelöscht wurde, gab es keine persönlichen Posts. Wie auch andere Fake-Profile verbreitete er russische Propaganda und griff die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton an. Redick war damit einer von fast 500 falschen Amerikanern, die mit ihren Posts auf Facebook die US-Präsidentschaftswahl beeinflussen sollten.

Quelle: n-tv.de

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