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Bis zu 250.000 Besucher hatten die Veranstalter erwartet.
Bis zu 250.000 Besucher hatten die Veranstalter erwartet.(Foto: dpa)

Wegen Terrorgefahr: Braunschweig sagt Karnevalszug ab

Der größte Karnevalsumzug Norddeutschlands findet dieses Jahr nicht statt. Kurz vor Beginn blasen die Organisatoren die Veranstaltung ab. Der Grund: Eine Warnung vor einem islamistischen Anschlag.

In Braunschweig ist der für Sonntagmittag geplante Karnevalsumzug wegen Anschlagsgefahr kurzfristig abgesagt worden. Aus "zuverlässigen Staatsschutzquellen" sei bekanntgeworden, dass eine konkrete Gefährdung durch einen Anschlag mit islamistischem Hintergrund vorliege, teilte die Polizei mit. "Es handelte sich nicht um eine SMS oder einen Drohanruf", sagte ein Polizeisprecher. Bereits am Samstagabend hätten die Braunschweiger Behörden die Hinweise erhalten und daraufhin gründlich geprüft. Der Altstadtmarkt in Braunschweigs Innenstadt wurde geräumt.

Besucher wurden gebeten, die Strecke des Karnevalsumzugs nicht aufzusuchen beziehungsweise von einer Reise nach Braunschweig abzusehen. Oberbürgermeister Ulrich Markurth sprach von einem "traurigen Tag für unsere Stadt". Es sei auch "ein trauriger Tag für unsere demokratische Gesellschaft", sagte Markurth. "Die Einschätzung der Polizei ließ eine andere Entscheidung allerdings nicht zu." Die Musikzüge sollten nun in der Stadthalle auftreten. "Wir werden weiter Karneval feiern", sagte der Oberbürgermeister.

Zum Braunschweiger Karneval, dem sogenannten "Schoduvel", waren am Faschingssonntag bis zu 250.000 Besucher erwartet worden. Das Spektakel gilt als der größte Karnevalsumzug Norddeutschlands. In diesem Jahr sollten 4500 Teilnehmer aktiv dabei sein. Rund 100 Motivwagen waren geplant.

Nach Angaben von Polizeipräsident Michael Pientka gibt es in Braunschweig eine polizeibekannte Islamistenszene. "Wir sind durchaus ein Brennpunkt", sagte er. "Von dieser Art der Qualität sind wir allerdings nicht ausgegangen bislang." Zu möglichen Verdächtigen wollte er sich nicht äußern. Auch zu dem Hinweisgeber wollte er nichts sagen. Es sei "eine Person, von der wir wissen, wie wir sie einzuschätzen haben". Tatverdächtig sei sie nicht. Ein Zusammenhang zwischen der Absage und den Anschlägen von Kopenhagen bestehe nicht, sagte er dem "NDR".

Am Rosenmontag werden unter anderem in den Karnevalshochburgen in Mainz, Düsseldorf und Köln Hunderttausende Menschen bei Straßenumzügen erwartet. Diese sollen stattfinden. "Wir haben keine Hinweise auf Bedrohungen", sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Düsseldorf. Die Polizei sei aber sensibilisiert. Auch in Mainz hieß es aus dem Innenressort, es gebe keine konkreten Hinweise auf eine Terrorgefahr. "Aber wir sind sehr wachsam."

Drei Tote in Kopenhagen

Das Bundesinnenministerium hatte unmittelbar vor der Absage mitgeteilt, man sehe nach den Anschlägen von Kopenhagen derzeit keine erhöhte Terrorgefahr in Deutschland. Es gebe nach wie vor eine abstrakt hohe Gefährdung, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. "Wir haben aber keine konkreten Hinweise auf Anschlagsplanungen in Deutschland", betonte sie. Die Lage sei unverändert.

Die deutschen Sicherheitsbehörden stünden im engen Austausch mit den dänischen Kollegen, so die Sprecherin. Da die Ermittlungen in Dänemark noch liefen, sei es aber noch zu früh, um genauere Rückschlüsse für Deutschland zu ziehen. Bei den Attentaten in der dänischen Hauptstadt waren zwei Menschen getötet und fünf verletzt worden, bevor die Polizei den mutmaßlichen Täter am frühen Sonntagmorgen erschoss.

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Quelle: n-tv.de

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