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"Ein einziger dieser Fehler ist einer zu viel", sagt eine Sprecherin des englischen Gesundheitsdienstes.
"Ein einziger dieser Fehler ist einer zu viel", sagt eine Sprecherin des englischen Gesundheitsdienstes.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Niere statt Eierstock entfernt: Britische Ärzte behandeln 1100 Mal falsch

Es ist die Horrorvorstellung jedes Patienten: Man wacht auf und plötzlich fehlt eine Niere obwohl eigentlich der Eierstock entfernt werden sollte. Britische Ärzte sollen in den vergangenen drei Jahren 1100 solcher Fehler gemacht. Der Gesundheitsdienst ist alarmiert.

Eileiter entfernt statt Blinddarm, Hoden abgenommen statt nur eine Zyste herausgeschnitten: Englische Ärzte haben in den vergangenen Jahren eine Vielzahl haarsträubender Fehler gemacht. Zwischen 2012 und 2015 seien alleine in England mehr als 1100 Fehler dokumentiert worden, die eigentlich nie hätten passieren dürfen, berichtete die britische Nachrichtenagentur PA.

Dazu zählten über 400 Operationen an falschen Knien, Augen oder Hüften sowie mehr als 420 Objekte, die nach OPs in den Patienten vergessen worden seien - darunter Verbandsmull, Tupfer, Skalpellklingen und Nadeln. Einer Frau hätten Ärzte eine Niere entfernt statt einen Eierstock. Diabetes-Patienten hätten kein Insulin bekommen, andere Blut der falschen Blutgruppe oder falsche Implantate. Vereinzelt seien schlicht die Patienten verwechselt worden.

"Ein einziger dieser Fehler ist einer zu viel", kommentierte eine Sprecherin des Gesundheitsdienstes NHS England. Vergangenes Jahr seien neue Richtlinien veröffentlicht worden, um sie zu verhindern. Der über Steuern finanzierte NHS steht ständig in der Kritik, etwa weil Krankenwagen zu spät kommen oder Patienten wochenlang auf Termine warten müssen. Ärzte und Pfleger klagen über chronische Unterfinanzierung und enorme Arbeitslast mit vielen Überstunden.

Auch in Deutschland kommt es immer wieder zu Behandlungsfehlern. 2014 wurden laut einer Statistik des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung rund 14.700 Fälle in Deutschland gemeldet, von denen in 75 Prozent kein Fehler nachgewiesen werden konnte. In 4300 betrachteten Beanstandungen wurde seitens der behandelnden Ärzte oder der Klinik Fehlverhalten festgestellt, das zu einem gesundheitlichen Schaden beim Patienten führte. 35 Prozent dieser Fälle wurden in ambulanter Betreuung gemacht, die restlichen 65 Prozent in stationärer. Eine aktuelle Statistik für 2015 liegt derzeit noch nicht vor.

Quelle: n-tv.de

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