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Wegen Betrug verurteilt: Norbert Moosmann
Wegen Betrug verurteilt: Norbert Moosmann(Foto: dapd)

Urteil im Schwarzwald: Bürgermeister fingiert Attentat

Das Motiv ist immer noch nicht ganz klar, doch ein Gericht sieht es als erwiesen an, dass der Bürgermeister von Rickenbach ein Attentat auf sich selbst vortäuschte. Wahrscheinlich habe er sich "mal ordentlich als Opfer darstellen" wollen, vermutet der Richter.

Weil er ein Attentat auf sich inszeniert hat, ist der Bürgermeister der Schwarzwald-Gemeinde Rickenbach zu einer Geldstrafe von 18.000 Euro verurteilt worden. Das Landgericht Waldshut-Tiengen sprach den parteilosen Politiker Norbert Moosmann (41) des Vortäuschens einer Straftat für schuldig. Sein Lebensgefährte und Komplize (37) muss 4500 Euro zahlen. Die Verteidiger wollen Rechtsmittel einlegen.

Der Vorsitzende Richter Bernhard Seyffert zeigte sich von der Schuld der beiden Männer überzeugt. Der Bürgermeister und sein Lebensgefährte hätten im Juli vergangenen Jahres im Rickenbacher Rathaus ein Attentat auf den Bürgermeister mit einer Brandbombe vorgetäuscht.

An einem Sonntag im Juli vergangenen Jahres war nach Angaben des Bürgermeisters eine mit Brennspiritus gefüllte Brandbombe durch das Fenster vor seinen Schreibtisch im Rathaus geflogen. Moosmann konnte nicht flüchten, weil die Tür von außen mit einem Holzkeil versperrt worden war. Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher, dass Moosmann und sein Lebensgefährte das Attentat fingiert haben.

Das Motiv lasse sich nicht präzise ermitteln, sagte Richter Seyffert. Es gebe aber Vermutungen. "Aufgrund seiner labilen psychischen Lage ging es dem Bürgermeister wohl darum, sich mal ordentlich als Opfer darzustellen", sagte Seyffert. Anhaltspunkte, dass er auf Dauer dienstunfähig erklärt werden und höhere Pensionsansprüche erreichen wollte, gebe es nicht. Die Staatsanwaltschaft hatte dies vermutet und eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung gefordert. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

Bürgermeisterposten bleibt unbesetzt

Zwischen dem seit April 2007 amtierenden Rathauschef und der Gemeinde hatte es seit langem Konflikte gegeben, Moosmann beklagte Drohungen und Anfeindungen. Wegen einer daraus folgenden schweren psychischen Erkrankung ist er seit August 2010 fast durchgehend krankgeschrieben.

Moosmann quittierte die Urteilsbegründung mit heftigem Kopfschütteln. "Ich bin fassungslos", sagte er anschließend sichtlich aufgewühlt. "Ich bin unschuldig. Und ich habe erwartet, dass dieser Intrige gegen mich vom Gericht ein Ende gesetzt wird." Das Urteil bezeichnete er als "ungeheuerlich". Beide Angeklagte hatten sich nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Im Zuge der Dauerquerelen will das Landratsamt Moosmann zwangsweise in den Ruhestand schicken und damit den Weg frei machen für Neuwahlen. Doch weil sich Moosmann juristisch wehrt, bleibt der Bürgermeisterstuhl im Rathaus vorerst unbesetzt; Neuwahlen sind nicht möglich. Über die Klage Moosmanns gegen seine Zwangsverrentung verhandelt am 27. November das Verwaltungsgericht Freiburg.

Quelle: n-tv.de

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