Panorama

Misshandlungen in Gewahrsam?: Bundespolizist soll Flüchtlinge gequält haben

Der Aufenthalt in einer Gewahrsamszelle der Bundespolizei in Hannover wird für zwei Flüchtlinge zum Albtraum. Ein Beamter steht im Verdacht, die jungen Männer systematisch gefoltert und eine der Taten fotografiert zu haben. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.

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Die Staatsanwaltschaft Hannover hat wegen des Verdachts der Misshandlung von Flüchtlingen in einer Wache der Bundespolizei in Hannover Medienberichten zufolge Ermittlungen gegen einen Polizeibeamten aufgenommen. Nach Recherchen des NDR soll es im vergangenen Jahr mehrfach Übergriffe auf Menschen in den Gewahrsamszellen gegeben haben.

In einem Fall soll den Berichten zufolge ein 19 Jahre alter Flüchtling aus Afghanistan gewürgt und mit angelegten Fußfesseln durch die Wache geschleift worden sein. Er war den Beamten zuvor wegen geringfügiger Verstöße aufgefallen. Unter anderem soll er ohne gültigen Pass unterwegs gewesen sein.

Ein anderer Fall betrifft einen 19 Jahre alten Marokkaner. Dieser sei unter anderem wegen Drogenbesitzes in der Gewahrsamszelle gelandet. Es bestehe der Verdacht, dass der Mann mit Duldungsstatus dort erniedrigt wurde, etwa indem ihm verdorbenes Schweinemett zu essen gegeben wurde. Der Beamte soll sich dieser Handlungen im Internet gerühmt und Fotos verbreitet haben, berichtete der NDR.

Misshandlungs-Foto auf dem Handy

Nach Informationen des Senders soll sich der ins Visier der Staatsanwaltschaft geratene Beamte im Kurzmitteilungsdienst WhatsApp solcher Handlungen gerühmt und außerdem ein Foto gemacht und an Kollegen verschickt haben. Das Bild zeige einen gefesselten Menschen in unnatürlicher Haltung und mit erkennbar von Schmerz verzerrten Gesichtszügen. Auf dem Foto sind die Stiefel zweier Beamter zu sehen.

Den Berichten zufolge gab es sowohl in der Dienststelle des Bundespolizisten in Hannover als auch in dessen Privathaus Hausdurchsuchungen. Dabei wurde laut Staatsanwaltschaft Beweismaterial beschlagnahmt, heißt es in den Berichten weiter. Wegen der Schwere der Vorwürfe sei Eile bei den Ermittlungen geboten gewesen, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Die Bundespolizeidirektion in Hannover wollte sich auf Nachfrage des Senders nicht zu den Vorwürfen äußern, da es sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren handele. Eine Sprecherin sagte den Angaben zufolge aber, es gebe ein "größtmögliches Aufklärungsinteresse".

Quelle: n-tv.de

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