Freitag, 05. Juni 2009
Selbstmord oder Unfall bei Sexspielen?: Carradines Tod gibt Rätsel auf
War es Mord, Selbstmord oder ein tragischer Unfall bei ungewöhnlichen Sexspielen? Nach dem Tod des US-Schauspielers David Carradine in einem Hotel in Bangkok rätselt die thailändische Polizei über die Ursache. Inzwischen rückten die Ermittler von ihrer ersten Selbstmordthese ab und schlossen auch einen Mord nicht mehr aus.
"David Carradines Tod war sehr ungewöhnlich", sagte der Chefpathologe des Bangkoker Chulalongkorn-Krankenhauses, in dem die Leiche des Schauspielers obduziert wurde. Nähere Einzelheiten nannte er nicht.
Zusammengebundene Hände
Der 72-jährige Carradine war am Donnerstag tot in seiner Hotelsuite gefunden worden. Zunächst hieß es, der Star der TV-Serie "Kung Fu" und des Film-Zweiteilers "Kill Bill" habe sich in einem Schrank mit einer Gardinenkordel erhängt.
Die BBC berichtete aber unter Berufung auf Polizeichef Worapong Chewprecha, dass es nicht klar sei, ob der Schauspieler sich selbst getötet habe, erstickt sei oder beim Sex einen Herzinfarkt erlitten habe. Unter anderem seien seine Hände zusammengebunden gewesen. Seine Leiche soll halbnackt gewesen sein. Der Strick um Carradines Hals war demnach mit einem weiteren Strick um seine Genitalien verknüpft. Ermittler Pirom Janthapirom berichtete, Carradines Leiche habe keine Blutergüsse aufgewiesen.
Die US-Botschaft in Thailand plane trotz der laufenden Ermittlungen, die Leiche Carradines an diesem Samstag in die USA zu überführen, sagte Bangkoks Polizeichef der thailändischen Zeitung "The Nation". Die Familie Carradines gehe wohl von einem Unfall aus.
Schwere Depressionen
Gegen die Mordtheorie sprachen demnach die ersten Ergebnisse der Spurensicherung in Carradines Hotelzimmer. Die Zimmertür sei geschlossen gewesen, in der Suite fanden die Ermittler nur ein Glas, auf diesem seien auch nur die Fingerabdrücke von Carradine, sagte der Polizeichef.
Carradines Manager Chuck Bender widersprach auch der Selbstmordthese vehement. "Wir können hundertprozentig bestätigen, dass er niemals Selbstmord begangen hätte. Es war ein Unfall-Tod. Alle sind schockiert", sagte er dem Internetdienst "Tmz.com". Allerdings hatte Carradine in den vergangenen Monaten unter schweren Depressionen gelitten, wie aus seinem näheren Umfeld verlautete.
Der Manager des Fünf-Sterne-Hotels Swissotel Nai Lert wollte sich nicht näher äußern. "Wir können keine Details nennen und keine weiteren Informationen geben", sagte Aurelio Giraudo.
"Einzigartig talentierter Schauspieler"
Derweil äußerten sich der US-Regisseur Martin Scorsese und andere Kollegen "zutiefst betrübt" über den Tod. Scorsese nannte Carradine einen "einzigartig talentierten Schauspieler", der Filme liebte, äußerst kooperativ bei der Arbeit vor der Kamera war und sich "immer extrem großzügig gegeben" habe.
Carradine hielt sich seit Dienstag zu Dreharbeiten in Bangkok auf. Nach Angaben der französischen Filmproduktionsfirma MK2 starb Carradine drei Tage vor Ende der Dreharbeiten zum Film "Stretch" des Franzosen Charles de Meaux. Wie "The Nation" berichtete, war der Schauspieler am Mittwochabend nicht zu einem Abendessen mit Kollegen erschienen, sondern nach einem Drink in der Bar gegen 21 Uhr auf sein Zimmer gegangen. Am nächsten Morgen fand ihn eine Hotelangestellte seine Leiche.
AFP/dpa
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