Panorama

Vier-Tage-Woche und ein Supergehalt: Chef bietet Traumjob - aber keiner will ihn

Umgerechnet 240.000 Euro Jahresgehalt, eine Vier-Tage-Woche und keine Nachtschichten: So lauten die Traumkonditionen von Alan Kenny, der seit zwei Jahren verzweifelt einen Assistenten für seine Arztpraxis sucht. Ohne Erfolg.

Tokoroa ist eine beschauliche Kleinstadt im Landesinneren von Neuseelands Nordinsel. In der knapp 14.000 Einwohner zählenden Stadt, die rund zweieinhalb Stunden von Aukland entfernt liegt, hat Alan Kenny seine Gemeinschaftspraxis. Seit zwei Jahren sucht der Allgemeinarzt händeringend nach einem Assistenten. Er und seine Kollegen könnten die Arbeitsbelastung nicht mehr alleine stemmen, zitiert der "New Zealand Herald" Kenny.

So schön ist es im Herbst im neuseeländischen Tokoroa. Eine traumhafter Job wartet hier seit zwei Jahren auf Bewerber. (Wikipedia-3D-Aufnahme)
So schön ist es im Herbst im neuseeländischen Tokoroa. Eine traumhafter Job wartet hier seit zwei Jahren auf Bewerber. (Wikipedia-3D-Aufnahme)

Doch bisher gab es keinen einzigen Interessenten für die Stelle. Und das, obwohl das Gehalt, das den Bewerbern winkt, mehr als das Doppelte von dem ist, was ein neuseeländischer Allgemeinarzt normalerweise verdient, und das bei nur vier Arbeitstagen in der Woche. Von Nachtschichten und Wochenendarbeit blieben potentielle Kandidaten ebenfalls verschont.

Inzwischen glaubt Kenny, dass die meisten Mediziner die Vorstellung abschrecke, als Allgemeinarzt auf dem Land in eine berufliche Sackgasse zu geraten, sagte er der Zeitung. Dazu komme, dass die Arbeitslast enorm sei. Kenny arbeitet eigenen Angaben zufolge jeden Tag von 8.30 Uhr bis 18 Uhr - ohne Unterbrechung.

Der enorme Erfolg seiner Praxis sei Fluch und Segen zugleich, so der 61-Jährige: "Meine Praxis platzt seit dem letzten Jahr aus allen Nähten. Je mehr Patienten man hat, desto mehr Geld verdient man. Am Ende wird die Arbeit aber einfach zu viel. Nur weil ich einen Haufen verdiene, heißt das nicht, dass ich mich fix und fertig schuften will."

Knochenharte Arbeit - 40 Patienten pro Tag

An manchen Tagen muss sich Kenny um mehr als 40 Patienten kümmern, die Empfehlung des Ärzteverbandes liegt bei 25. Deshalb sucht er nach einem Assistenten, der zugleich seine Vertretung und möglicherweise sogar sein Nachfolger werden soll.

Viel Erfolg verspricht sich Kenny, der mittlerweile seit 30 Jahren in dem Ort praktiziert, aber nicht: "Ich liebe meine Arbeit und ich würde gerne bleiben, aber beim Versuch, den Job anderen Ärzten schmackhaft zu machen, laufe ich gegen eine Wand. Letztes Jahr habe ich einen Urlaub storniert, weil ich keinen Vertreter finden konnte. Und dieses Jahr muss ich wahrscheinlich wieder einen Urlaub stornieren. Das ist einfach hart für mich. Wenn es schon so schwierig ist. Ärzte zu finden, die mit mir zusammenarbeiten, dann wird es ein Höllenjob, einen Nachfolger aufzutreiben."

Laut dem Neuseeländischen Allgemeinärzteverband herrscht akuter Ärztemangel in dem Land. Die meisten Stellen würden inzwischen von Ärzten aus dem englischsprachigen Ausland gefüllt. Und für Praxen auf dem Land sei es noch schwieriger, Bewerber zu finden.

Quelle: n-tv.de

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