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Hilton Botha hat in einigen Details ungenaue Angaben gemacht.
Hilton Botha hat in einigen Details ungenaue Angaben gemacht.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Fall Pistorius vor der Wende?: Chefermittler gerät in Verruf

Auf den Aussagen von Hilton Botha basiert die komplette Anklage gegen Oscar Pistorius: Der Polizeiermittler beschuldigt den Sportler, seine Freundin Reeva Steenkamp vorsätzlich ermordet zu haben und liefert dafür eine Reihe von Indizien. Doch nicht alle davon halten einer Überprüfung stand. Und nun wird bekannt: Gegen Botha selbst wird ermittelt - wegen siebenfachen versuchten Mordes.

Im Zusammenhang mit dem Verfahren gegen den unter Mordverdacht stehenden südafrikanischen Sprintstar Oscar Pistorius gibt es überraschende Neuigkeiten. Der den Fall leitende Ermittler Hilton Botha sei des versuchten Mordes in sieben Fällen verdächtig, erklärte die Polizei.

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Zwar sei der Fall im Jahr 2011 fallengelassen worden, er werde nun aber wieder aufgenommen. Dabei gehe es um einen Vorfall 2009, als der Polizeioffizier auf einen Kleinbus mit sieben Insassen schoss, um ihn am Weiterfahren zu hindern, so der staatliche Fernsehsender SABC. Botha habe damals das Fahrzeug verfolgt und sei abgedrängt worden. Daraufhin fielen die Schüsse. Botha soll zum Zeitpunkt der Tat unter Alkoholeinfluss gestanden haben.

Botha reagierte überrascht auf die Wiederaufnahme des Falles. "Ich verstehe nicht, warum der Fall wieder aufgenommen wurde. Ich kann mit nur vorstellen, dass es etwas mit meiner Arbeit im Fall Oscar Pistorius zu tun hat", sagte Botha dem Fernsehsender eNCA.

Botha spielte am zweiten Tag der Gerichtsanhörung um Pistorius eine zentrale Rolle. Vor dem Magistratsgericht in der südafrikanischen Hauptstadt wandte er sich entschieden gegen eine Freilassung von Pistorius auf Kaution. Basierend auf Bothas Ermittlungen wirft die Staatsanwaltschaft Pistorius vorsätzlichen Mord vor und unterstellt Pistorius Fluchtgefahr. Botha schilderte vor Gericht eine Version der Ereignisse, die in mehreren Details einer Befragung durch die Verteidigung nicht standhielt.

Botha in Details nicht sattelfest

In einem Kreuzverhör des Pistorius-Anwalts Barry Roux musste Botha zugeben, dass am Tatort keine Belege dafür gefunden worden seien, die den Darstellungen von Pistorius widersprächen. Der unterschenkelamputierte Profisportler behauptet, seine Freundin versehentlich getötet zu haben. Er habe in der Nacht gemeint, ein Einbrecher befinde sich hinter der verschlossenen Badezimmertür, auf die er dann gefeuert habe.

Dem widerspricht die Staatsanwaltschaft: Pistorius habe Steenkamp geplant und gezielt ermordet. Vor den tödlichen Schüssen habe es einen Streit zwischen dem Paar gegeben. Polizeioffizier Botha berichtete von Zeugen, die vor den Schüssen Licht im Haus von Pistorius gesehen und zudem "unablässiges Geschrei" und einen lautstarken Streit gehört haben wollen.

Das widerspräche den Schilderungen von Pistorius, der von einem friedlichen Abend mit seiner Freundin berichtet hatte. Auf die Frage des Anwalts, wie weit entfernt der Zeuge vom Haus von Pistorius wohne, sagte Botha zunächst 600 Meter, um dann später auf 300 Meter zu revidieren. Roux kritisierte scharf angebliche Fehler und Versäumnisse der Polizei bei der Spurensicherung. So habe Botha bei der Erkundung des Tatorts keine Schuhüberzüge getragen. Botha musste zugeben, dass auch die Ermittlungsergebnisse der Rechtsmediziner und der Ballistiker noch nicht vorlägen.

Substanzen müssen erst untersucht werden

Auch was den angeblichen Fund von Dopingmitteln bei Pistorius angeht, musste die Staatsanwaltschaft zurückrudern. Botha hatte berichtet, in Pistorius' Haus habe man zwei Kartons voll mit Testosteronen und Spritzen gefunden. Roux hatte erklärt, bei dem Produkt handele es sich um ein "pflanzliches Heilmittel", das sein Mandant nehmen dürfe und genommen habe. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Medupe Simaskiu, sagte: "Wir können nicht sagen, was es ist". Erst die wissenschaftliche Analyse könne das klären.

Nach Angaben des Internationalen Paralympische Komitee (IPC) wurde der beinamputierte Läufer vor den Spielen in London im vergangenen Jahr zweimal einem Dopingtest unterzogen. Beide Male fiel das Ergebnis demnach negativ aus. Testosteron steht auf der Liste der vom IPC verbotenen Substanz.

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Quelle: n-tv.de

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