Umweltbehörde gibt grünes LichtChemie soll Ölteppich stoppen

Der Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko wird jetzt auch mit Chemikalien geführt. Die US-Umweltschutzbehörde erteilt die entsprechende Erlaubnis. Präsident Obama will derweil die Kontrolle über die Ölindustrie drastisch verschärfen.
Der britische Ölkonzern BP darf die Ölpest im Golf von Mexiko nun auch mit Chemikalien am Meeresgrund bekämpfen. Die US-Umweltschutzbehörde EPA habe das bislang völlig unbekannte Verfahren nach zahlreichen Tests und Expertenbefragungen gebilligt, teilte der Einsatzstab in Robert im US-Bundesstaat Louisiana mit. US-Präsident Barack Obama will derweil die staatliche Kontrolle über die Ölindustrie deutlich verschärfen.
BP kann nun chemische Mittel jetzt auch in 1500 Metern Tiefe direkt an den beiden Öl-Lecks ins Wasser geben. Sie sollen das dicke, für die Küsten gefährliche Öl in eine harmlosere Flüssigkeit verwandeln, noch bevor es die Meeresoberfläche erreicht. Bisher war nur der Einsatz auf der Oberfläche erlaubt. BP musste erste Versuche zu Beginn der Ölpest auf Geheiß der Umweltbehörde stoppen.
Der Chemikalieneinsatz sei aus Umweltschutzgründen nicht perfekt, kommentierte die EPA-Sprecherin Lisa Jackson. Er sei aber im Endeffekt weniger gefährlich für die Natur als das Öl. Bislang hat BP nach eigenen Angaben 1,8 Millionen Liter des Stoffes namens Corexit auf das Meer geschüttet. Kritiker bemängeln, dass noch zu wenig über die Wirkung dieser Chemikalie auf den Meeresorganismus bekannt sei. Sie befürchten nachhaltige Schäden für Fische und Meeresfrüchte.
Reform "von oben bis unten"
Obama sagte in Washington, es herrsche bisher ein viel zu "behagliches" Verhältnis zwischen der Aufsichtsbehörde MMS und den Ölunternehmen. Er habe seinen Innenminister Ken Salazar angewiesen, das System "von oben bis unten" zu reformieren - ungeachtet aller Widerstände durch die Ölindustrie.
Der US-Präsident verwies auf Hinweise, dass die MMS Bohrgenehmigungen oft ohne ausreichende Sicherheitsprüfungen erteilt habe. "Das kann und wird nicht mehr passieren". Die Behörde war in den vergangenen Tagen wegen ihrer Rolle in der Öl-Katastrophe massiv unter Druck geraten. Kritiker behaupten, sie habe die Öl-Plattform "Deepwater Horizon" genehmigt, ohne zu prüfen, ob die Sicherheitsvorkehrungen ausreichend seien. MMS habe sich dabei allein auf die Angaben des britischen Ölkonzerns BP verlassen, dem die Ölquelle gehört.
"Ein lächerliches Schauspiel"
Mehrere US-Medien berichteten am Freitag, die MMS habe in der Vergangenheit nicht nur unbedarft, sondern sogar auch illegal Genehmigungen erteilt. In hunderten Fällen habe sie es unterlassen, gesetzlich vorgeschriebene Umweltzulassungen einzuholen. Zudem habe sie ihre eigenen Biologen überstimmt, die vor Sicherheitsrisiken und Umweltgefahren von zu genehmigenden Bohrvorhaben warnten.
Eine Umweltschutzgruppe will nun die US-Regierung wegen der Genehmigung von Ölbohrungen im Golf von Mexiko verklagen. Innenminister Salazar habe dabei den möglichen Schaden für die Meerestiere nicht berücksichtigt, erklärte das Zentrum für biologische Vielfalt. Salazar und die MMS hätten es versäumt, wie in zwei Bundesgesetzen verlangt die Folgen für die Umwelt prüfen zu lassen.
Obama kritisierte auch die Spitzenmanager der drei Unternehmen, die in den Ölunfall im Golf von Mexiko verstrickt sind, in ungewohnt scharfer Form. Sie führten bei der Suche nach den Ursachen und der Verantwortung für die Katastrophe ein "ein lächerliches Schauspiel" auf.
"Es hat noch nie jemand versucht"
Unabhängig vom Chemikalieneinsatz versucht BP unterdessen weiter, das Öl direkt aus dem größeren der beiden Lecks abzufangen, bevor es ins Meer gelangt. Das Unternehmen bemühte sich, eine Rohrleitung direkt vom Hauptleck zu einem Schiff an der Meeresoberfläche zu legen. "Wir hoffen, dass es klappt. Es hat noch nie jemand versucht", sagte BP-Manager Doug Suttles. Bei einem Erfolg könnten etwa 85 Prozent des austretenden Öls abgesaugt werden. Der Rest käme zumindest vorerst weiter aus einer zweiten undichten Stelle.
Bei einem Misserfolg, das Öl durch diese Direktleitung aufzusaugen, will BP einen Stahlbeton-Zylinder auf das Leck stülpen. Das in diesem Behälter aufgefangene Öl-Wasser-Gemisch würde dann ebenfalls auf ein Schiff geleitet. Der etwa 1,50 Meter hohe Container steht schon auf dem Meeresboden bereit.
Die Bohrinsel "Deepwater Horizon" war vor mehr als drei Wochen nach einer Explosion gesunken. Seitdem sprudeln täglich mindestens 700 Tonnen Rohöl ins Meer.