Panorama

Die Tücken der Technik: China erschafft den Super-Fake

China gehört in vielen Dingen bereits zur Weltspitze. Eine Kreisverwaltung im Südwesten des Landes sorgt dafür, dass das Riesenreich auch in Sachen manipulierter Fotos jetzt ganz weit vorne ist. Den Verantwortlichen ist diese außerordentliche Leistung zwar unangenehm, doch sie sorgen damit für viel Gelächter.

Das manipulierte Foto stößt in China auf große Aufmerksamkeit.
Das manipulierte Foto stößt in China auf große Aufmerksamkeit.(Foto: Screenshot n-tv.de)

Die Verwaltung des chinesischen Kreises Huili in der Provinz Sichuan kennt sich mit unfreiwilliger Komik sehr viel besser aus als mit Bildbearbeitungssoftware. Vor einigen Tagen stellte sie fatalerweise ein Foto ins Netz, das drei Funktionäre bei der Inspektion einer im Bau befindlichen Straße zeigt.

Das ist an sich keine besondere Fehlleistung. Die Aufnahme ist allerdings so außerordentlich dilettantisch am Computer zusammenmontiert worden, dass sie in China für viel Heiterkeit sorgt – denn die drei Herren scheinen über dem Asphalt zu schweben.

Die Provinzverwaltung fand den Fake wohl dennoch recht gut gelungen und veröffentlichte das manipulierte Bild trotz der nicht zu übersehenden Schwächen in der Ausführung. Das war zweifellos ein Fehler, den sie mittlerweile bitter bereuen dürfte. "Ich hatte nichts Besonderes zu tun und so besuchte ich die Website unserer Regierung", zitiert die "New York Times" einen Besucher eines chinesischen Web-Forums. "Ich sah das Foto und hustete fast einen halben Liter Blut. Sogar ein kompletter Amateur wie ich erkennt, dass Photoshop benutzt wurde. Und die haben die Nerven, das zu veröffentlichen."

Dieser Beitrag sorgte in China für so viel Aufmerksamkeit, dass die Website der Verwaltung wegen des Besucheransturms zeitweise nicht mehr erreichbar war. Doch grenzenlose Begeisterung löste das wohl nur so lange aus, bis auch den Beamten der Grund für das ungewöhnliche Interesse der Bevölkerung dämmerte. Am nächsten Tag war das Foto verschwunden.

Mit Zidane auf dem Feld

Nun, zwei Wochen später, entschuldigten sich die Beamten - und lieferten eine originelle Begründung für das Missgeschick. Der Fotograf sei mit seinen Fotos von der Besichtigung unzufrieden gewesen und habe deshalb ein neues zusammenmontiert. Ein Angestellter habe das Foto - natürlich versehentlich - veröffentlicht.

Viel gebracht hat die Entschuldigung allerdings nicht. Auch in China gilt: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Der kommt ganz von alleine. Vor allem im Internet. Bevor das Foto von der Website verschwand, wurde es bereits von Dutzenden Bloggern verbreitet, die die Männer in diverse Bilder montierten. So sind die drei Zeugen der Mondlandung, sehen den legendären Kopfstoß von Zinedine Zidane im WM-Finale 2006 aus unmittelbarer Nähe, stehen inmitten von Dinosauriern – und von Erotik-Darstellern.

Die Verwaltung kann sich immerhin rühmen, für einen der schlechtesten Fakes in der Internet-Geschichte verantwortlich zu sein. Das ist möglicherweise nur ein schwacher Trost. Doch zugleich hat sie im bevölkerungreichsten Land der Welt für viel Gelächter gesorgt. Das ist doch auch etwas.

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Quelle: n-tv.de

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