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Tödlicher Brand in Brasilien: Clubbesitzer festgenommen

Mehr als 230 Menschen sterben bei einem Brand in einer Diskothek in Brasilien. Das Land trauert - und sucht nach Schuldigen. Blockierte Türen, eine ausgelaufene Lizenz der Feuerwehr - vieles deutet darauf hin, dass beim Betrieb des Clubs eine gewisse Fahrlässigkeit an der Tagesordnung war.

Nach dem verheerenden Disko-Brand im brasilianischen Santa Maria hat die Polizei einen der Besitzer und zwei Mitglieder einer Rockband festgenommen. Die Drei sollen zunächst für fünf Tage in Haft bleiben - vermutlich, um erste Ermittlungen anzustellen, und um eine Flucht zu verhindern.

In der Disko "Kiss" in Santa Maria konnte bis zu 2000 Menschen feiern. Verbarrikadierte Ausgänge wurde Hunderten zum Verhängnis.
In der Disko "Kiss" in Santa Maria konnte bis zu 2000 Menschen feiern. Verbarrikadierte Ausgänge wurde Hunderten zum Verhängnis.(Foto: AP)

Zu den Umständen, die zu der Katastrophe in der Diskothek "Kiss" mit mehr als 200 Toten führte, gibt es eine Reihe von Spekulationen in brasilianischen Medien: Demnach lief die Betriebslizenz der Feuerwehr für den Club schon im August aus. Die Notausgänge waren versperrt, die Sicherheitskräfte unterschätzten die Situation zunächst und blockierten alle Ausgänge, um zu verhindern, dass die Gäste ohne zu zahlen die Disko verlassen. In Brasilien ist es üblich, dass man Eintritt, Getränke und Essen auf einem eigenen Zettel vermerken lässt und erst beim Verlassen der Diskothek bezahlt. Vor der Tür behinderten zudem Metallstangen für die Warteschlangen die Evakuierung.

Verantwortlicher für das Sicherheitskonzept ist Clubbesitzer Elissandro Sphor. Doch auch die Band "Gurizada Fandangueira" trägt vermutlich einen Teil der Schuld. Denn Augenzeugenberichten zufolge war es die Pyrotechnik der Gruppe, die den Brand auslöste.

Das Feuer war in der Nacht zum Sonntag während einer Studentenparty ausgebrochen. Der Brand breitete sich über die Dämmung der Decke rasend schnell aus. Unter den Zuschauern brach eine Massenpanik aus, die meisten Opfer erstickten in der Menge oder wurden zu Tode getrampelt. Insgesamt 231 der meist jungen Gäste wurden getötet und 116 weitere verletzt. 80 Schwerverletzte liegen noch im Krankenhaus.

Brasilien steht unter Schock

Brasilien verharrt nach dem Brand in einem Schockzustand. Präsidentin Dilma Rousseff brach eine Auslandsreise ab und ordnete drei Tage Staatstrauer an. "Es ist für uns alle eine Tragödie", sagte sie.

Die Nachricht von dem Unglück sorgte auch im Rest der Welt für Bestürzung. Die Teilnehmer des Gipfels der EU und der Staaten Lateinamerikas und der Karibik gedachten in Chile der Opfer der Tragödie. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die ebenfalls in Chile war, sprach Rousseff ihr Beileid aus. Eine für Montag in Brasília geplant Feier anlässlich des Countdowns für die verbleibenden 500 Tage zum Anpfiff der WM in Brasilien wurde abgesagt.

Rousseff war nach der Nachricht über die Tragödie direkt von Chile nach Santa Maria geflogen. Dort sprach sie in einem Gymnasium mit Familien und Freunden der Opfer. Es kam zu erschütternden Szenen. Die Staatschefin nahm dabei Angehörige in den Arm. Sie wurde vom Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Marco Maia, begleitet. "Das ist die Art von Tragödie, die man sich nicht vorstellen kann", sagte er.

Unterdessen begannen die Vorbereitungen für die Beisetzung der Opfer. In Brasilien müssen Beisetzungen grundsätzlich etwa 24 Stunden nach dem Tod erfolgen. Die Tragödie gilt als die zweitgrößte Brandkatastrophe in der Geschichte des Landes. 1961 kamen in Niteroi bei einem Feuer in einem Zirkus mehr als 500 Menschen ums Leben.

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Quelle: n-tv.de

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