Panorama

19 Deutsche verklagen Schettino"Concordia"-Arbeiten eingestellt

01.02.2012, 17:53 Uhr
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Wind und Wellengang zerrissen auch die Ölsperren auf dem Wasser. (Foto: REUTERS)

Das schlechte Wetter unterbricht erneut die Rettungsmaßnahmen an der havarierten "Costa Concordia". Die Sperren, die auslaufendes Öl abhalten sollen, werden zerstört. 19 deutsche Passagiere des Schiffs verklagen derweil Kapitän Schettino und mehrere Offiziere. Sie sehen sich fahrlässig in Lebensgefahr gebracht.

Wegen starken Winds und stürmischer See sind die Bergungsarbeiten am Wrack der vor Italien gekenterten "Costa Concordia" erneut eingestellt worden. Das Unwetter riss eine Reihe von Fenstern aus dem vor der Insel Giglio havarierten Schiff und zerstreute um das Wrack herum ausgelegte Vorrichtungen zum Abfangen von Öl in alle Himmelsrichtungen. Sowohl die Suche nach Vermissten als auch die Vorbereitungen zum Abpumpen der fast 2400 Tonnen Treibstoff an Bord des Wracks wurden daraufhin unterbrochen.

Die italienischen Behörden bestätigten indes Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin, wonach ein weiteres deutsches Todesopfer identifiziert worden sei. Bei der Frau handle es sich um eine 66 Jahre alte Deutsche, hieß es nun offiziell in Italien. Die "Costa Concordia" war am 13. Januar mit mehr als 4200 Menschen an Bord vor Giglio verunglückt. Die italienischen Behörden gingen zuletzt von 32 Toten aus, von denen bislang 17 geborgen wurden, darunter sechs Deutsche. Vermisst werden noch 15 Menschen, darunter ebenfalls sechs Deutsche.

Am Dienstag hatten die italienischen Rettungskräfte die . Grund dafür sei die Sicherheit der Taucher, die am halb untergegangen Wrack des Kreuzfahrtschiffs arbeiteten, sagte der Chef der Rettungskräfte, Franco Gabrielli.

Strafanzeige gegen Schettino

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Francesco Schettino wird von den Opfern für die Katastrophe verantwortlich gemacht. (Foto: picture alliance / dpa)

19 deutsche Opfer stellten derweil Strafanzeige gegen den Kapitän Francesco Schettino und verantwortliche Offiziere. "Es geht um den Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung, der Aussetzung, Gefährdung des Schiffsverkehrs und um unterlassene Hilfeleistung", sagte Opfer-Anwalt Hans Reinhardt im nordrhein-westfälischen Marl.

Der Kapitän habe die hilflosen Menschen im Stich gelassen und in Todesgefahr gebracht, sagte Reinhardt. Infolge des grob fahrlässigen Verhalten Schettinos und der Offiziere seien die Opfer erheblich verletzt worden. Eine Frau habe die Havarie mit einem Beckenbruch überlebt. Auch von Prellungen, Schürfungen und traumatischen Störungen ist die Rede. Mehrere "Costa Concordia"-Opfer litten unter Panikattacken und Alpträumen.

Der Anwalt aus Marl vertritt die 19 Passagiere aus verschiedenen Bundesländern auch bei deren Forderungen nach Schmerzensgeld und Schadenersatz. Die Strafanzeige, die er bei der Staatsanwaltschaft Bochum eingereicht hat, diene der Unterstützung der Schadenersatzforderungen. Dadurch könne er Akteneinsicht erhalten, sagte Reinhardt.

Falls es in Italien zu einem Prozess gegen "Concordia"-Offiziere kommen sollte, könnte der deutsche Anwalt über einen italienischen Kollegen als Nebenkläger auftreten. Zu der Katastrophe läuft in Italien ein Beweissicherungsverfahren.

Quelle: dpa/AFP