Bahn meldet großen ErfolgDNA-Spray überführt Kabeldiebe

Die Anlagen der Bahn sind unübersichtlich und groß - das macht es Kabeldieben leicht. Der Konzern setzt angesichts des hohen Schadens auf High-Tech. Mit einer Art künstlicher DNA werden teure Rohstoffe besprüht. Eine Methode, die jetzt Erfolg hat.
Kabel, Rohre, Regenrinnen: Metalldiebe schlagen immer häufiger zu. Die steigende Nachfrage nach Rohstoffen ist ein Grund dafür. Leidtragender dieses Trends ist vor allem die Bahn. Doch genau die meldet im Kampf gegen Metalldiebe nun einen größeren Fahndungserfolg. Erstmals seien Langfinger mit Hilfe der sogenannten künstlichen DNA überführt worden, berichtete der Konzern. Als zwei Männer im saarländischen Neunkirchen einem Händler gestohlene Kabel anboten, schöpfte dieser Verdacht und meldete sich bei der Bundespolizei. Anhand der künstlichen DNA auf den Kabeln wurde dann festgestellt, dass es sich um Bahneigentum handelt.
Die Bahn setzt diese künstliche DNA nach eigenen Angaben seit Herbst vergangenen Jahres als weltweit erstes Eisenbahnunternehmen ein und markiert damit bundesweit Kabel oder Schienen. Dabei wird eine Flüssigkeit mit dem künstlichen DNA-Code aufgesprüht, die mit bloßem Auge nicht erkennbar ist und erst unter UV-Licht zum Vorschein kommt. Der Code besteht aus winzigen Metallplättchen. Unter einem Mikroskop ist ein holografisches Logo erkennbar, das Metall als Bahneigentum kennzeichnet. Laut einer Bahnsprecherin hinterlässt die künstliche DNA zudem Spuren etwa auf der Kleidung von Dieben.
Nach Angaben der Bahn ist die Zahl der Metalldiebstähle in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum um etwa zehn Prozent auf etwa 1400 Fälle zurückgegangen - vermutlich auch wegen des Einsatzes der künstlichen DNA. Noch immer führten Diebstähle von Buntmetall aber dazu, dass Strecken blockiert und Züge ausgebremst würden. Insgesamt waren im ersten Halbjahr mehr als 6400 Züge betroffen, etwa 77.000 Verspätungsminuten kamen zustande.
Weltmarkt bestimmt Diebeserlös
"Der Diebstahl von Eisen- und Buntmetallen ist abhängig von den Weltmarktpreisen für Rohstoffe", erläuterte kürzlich Jens Schobranski, Sprecher des Bundespolizeipräsidiums in Potsdam. Der weltweite Wirtschaftsaufschwung der vergangenen Jahre hat die Nachfrage nach Rohstoffen stark steigen lassen - und damit den Erlös. Kostete eine Tonne Kupfer auf dem Weltmarkt Anfang 2009 etwa 2100 Euro, verdreifachte sich der Preis im Laufe des Jahres 2010 auf weit mehr als 6000 Euro. Entsprechend mehr zahlen auch Schrotthändler und Recyclinghöfe.
Bei den Dieben handle es sich sowohl um Einzeltäter, die nahe ihrem Wohnort zuschlügen, als auch um "gut organisiert agierende Diebesbanden", sagte Schobranski. Nach Angaben der Bahn wird die Beute oft nach Osteuropa verkauft.
In vielen Bundesländern schlagen Metalldiebe verstärkt auch in Städten und Dörfern zu. In Brandenburg etwa stieg die Zahl der registrierten Taten dem Landeskriminalamt zufolge 2010 im Vergleich zum Vorjahr um fast 50 Prozent auf 1110, wobei ein Schaden von 4,42 Millionen Euro entstand. Vor allem auf Baustellen und Firmen haben es die Täter abgesehen, aber selbst Friedhöfe und Kirchen sind betroffen.