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Reihen-Gentests sind oft das Mittel der Wahl, um neue Ermittlungsansätze zu gewinnen oder den Druck auf die Täter zu erhöhen.
Reihen-Gentests sind oft das Mittel der Wahl, um neue Ermittlungsansätze zu gewinnen oder den Druck auf die Täter zu erhöhen.(Foto: dpa)

Vergewaltiger bleibt dennoch in Haft: DNA-Verwandtencheck verboten

Wenn Fahnder bei Massen-Gentests auf DNA stoßen, die eine Verwandtschaft mit dem Täter nahelegt, müssen sie künftig wegsehen. Ein solcher Abgleich ist unzulässig, stellte der BGH jetzt klar. Der betroffene Vergewaltiger hat in diesem Fall allerdings nichts davon.

Der Bundesgerichtshof hat die Verurteilung eines Vergewaltigers gebilligt, obwohl die Polizei bei der Suche nach ihm mit einem Massen-Gentest rechtswidrig getrickst hatte.

Dennoch bestätigte der BGH die fünfjährige Haftstrafe gegen den Jugendlichen aus dem Raum Osnabrück. Zur Begründung hieß es, der Verfahrensverstoß beim DNA-Massentest wiege nicht so schwer, dass demgegenüber die Interessen der Allgemeinheit an einer effektiven Strafverfolgung zurücktreten müssten.

In dem spektakulären Fall ging es um die Vergewaltigung einer damals 27 Jahre alten Frau im Sommer 2010 in dem Ort Dörpen im Emsland. Da die Polizei DNA-Spuren des Täters fand, rief sie zu einem Massengentest auf, an dem 2400 Männer freiwillig teilnahmen. Darunter waren auch der Vater und ein Onkel des späteren Angeklagten.

Deren DNA-Muster stimmten zwar mit dem der Tatspuren nicht vollständig überein, wiesen aber eine so hohe Übereinstimmung auf, dass sie auf eine Verwandtschaft mit dem Täter schließen ließen und die Polizei so zu dem damals 18-Jährigen führten.

Ausnahme für den Präzendenzfall

Laut Gesetz ist ein Abgleich von DNA-Mustern auf verwandtschaftliche Ähnlichkeiten allerdings verboten. Die Spur über Onkel und Vater hätte deshalb im Prozess gegen den Jugendlichen nicht verwertet werden dürfen.

Der BGH billigte diese Ermittlungen über die Bande nun gleichwohl. Allerdings nur als einmalige Ausnahme. Begründung: Die Rechtslage zum Umgang mit solchen Beinahetreffern bei Massen-Gentests sei bislang völlig ungeklärt. Das Vorgehen der Polizei könne deshalb noch nicht als "willkürliche Missachtung des Gesetzes angesehen werden".

Quelle: n-tv.de

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