Panorama

Ratzingers Heimatort hat gut verdientDas Ende der "Vermarktlung"

11.02.2013, 18:16 Uhr
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So mancher Unternehmer im Ort, vermarktete sein Produkt mit Papst-Anspielungen. (Foto: dapd)

Als vor acht Jahren ein Deutscher zum Papst gewählt wird, ändert sich vieles im Geburtsort Marktl am Inn. Derzeit kommen rund 100.000 Touristen jedes Jahr. Ein verschlafenes Nest ist der Ort dennoch geblieben. Die Kunde vom Rücktritt verbreitet sich nur langsam.

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Vor dem Geburtshaus Ratzingers versammelten sich die Fernsehteams. (Foto: dapd)

Es dauert eine Weile, bis sich die Sensation im Geburtsort von Papst Benedikt XVI. verbreitet. Auch eine Stunde nach der völlig überraschenden Rücktrittserklärung des katholischen Kirchenoberhauptes ist im oberbayerischen Marktl nahe Altötting "business as usual" angesagt. Nur wenige Menschen gehen am Mittag über den Marktplatz mit dem Papst-Geburtshaus an der Stirnseite.

Erst nach und nach kommen die Einheimischen zusammen, wird die Nachricht vom Amtsverzicht "ihres" Papstes zum Thema des Tages. Am Nachmittag ist der Marktplatz beherrscht von Kamerateams und Reportern – wie vor knapp acht Jahren am Tag der Wahl ihres prominentesten Bürgers zum ersten Mann der katholischen Kirche. Joseph Ratzinger wurde am 16. April 1927 in dem kleinen Ort nahe der österreichischen Grenze geboren und noch am selben Tag in der dortigen Kirche getauft.

"Vatikanbrot" bleibt gefragt

Die 2700 Einwohner zählende Gemeinde war nach der Wahl ihres Ehrenbürgers zum Papst in die Kritik geraten, weil sie dessen Popularität geschickt vermarktete – das Wort von der "Vermarktlung" machte die Runde. Es gab scharfe Papstwürste, eine zuckersüße Papsttorte wurde kreiert, und eine nahe gelegene Brauerei brachte eilig ein Papstbier auf den Markt. Kritiker mahnten zur Zurückhaltung. Doch den Papst hielt die Geschäftstüchtigkeit der Bewohner seines Geburtsortes nicht davon ab, bei seinem Bayern-Besuch 2006 auch nach Marktl zu kommen und vor seinem Taufbecken zu beten.

"Benediktschnitten" und "Vatikanbrot" sind nach wie vor gefragt in der Bäckerei von Ralf Winzenhörlein. "Aber das Interesse hat schon nach ein bis zwei Jahren nachgelassen", sagt der Bäckermeister. Nach dem Rücktritt werde es nun noch einmal "einen Schub geben", hofft der Geschäftsinhaber und lässt keinen Zweifel daran, dass er weiterhin "Vatikanbrot" und "Benediktschnitten" backen wolle.

"Der Papst weiß genau, was er tut"

Auch den katholischen Pfarrer von Marktl hat die Nachricht vom Rücktritt des Papstes überrascht. Josef Kaiser spricht von einer Sensation. "Das passt zu ihm", sagt der Geistliche, "entweder das Amt richtig machen oder gar nicht". Die Entscheidung, aus gesundheitlichen Gründen zurückzutreten, nötige ihm großen Respekt ab, sagt der Pfarrer. "Der Papst ist ein konsequenter Mann."

Marktls Bürgermeister Hubert Gschwendtner hat den Papst zuletzt im vergangenen Juni gesehen. "Damals hatte ich den Eindruck, dass er vital ist und es ihm körperlich gut geht", sagt er nun. Er erinnert daran, dass Ratzinger mehrfach einen Rücktritt nicht ausgeschlossen habe. "Der Papst weiß genau, was er tut. Ich wünsche ihm, dass er zur inneren Ruhe findet." Und an einem lässt der Bürgermeister keinen Zweifel: "Marktl bleibt Papst-Geburtsort."

Quelle: ntv.de, Robert Attenhauser und Paul Winterer, dpa