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An der Ostsee ist es fast egal - so richtig prickelnd war der Sommer dort ohnehin nicht.
An der Ostsee ist es fast egal - so richtig prickelnd war der Sommer dort ohnehin nicht.(Foto: dpa)
Donnerstag, 07. September 2017

"Irma" in Karibik - und hier?: Das hat nichts mit Spätsommer zu tun

Der nächste Wirbelsturm nähert sich den USA. Zunächst könnte er die Bahamas voll erwischen, sagt n-tv Meteorologe Björn Alexander. Die Sturmflut könne bis zu sieben Meter erreichen.

n-tv.de: Derzeit wütet der Hurrikan "Irma" auf der anderen Seite des Atlantiks. Auch die USA könnten bald betroffen sein. Wie ist die Situation im Moment?

n-tv Meteorologe Björn Alexander
n-tv Meteorologe Björn Alexander

Björn Alexander: "Irma" ist ein "Major-Hurrikane" der höchsten Kategorie 5. Die Mittelwinde liegen aktuell bei 285 Kilometern pro Stunde mit Windspitzen um die 350 Kilometer pro Stunde. Damit ist der "Irma" einer stärksten Hurrikane seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Bezogen auf die Region - außerhalb des Golfs von Mexiko und am Rande der Karibik - ist er sogar der stärkste Tropensturm, der dort bisher beobachtet wurde. "Irma" ist nördlich von Puerto Rico vorbeigezogen, streift jetzt die nördlichen Teile der Dominikanischen Republik und Haitis. Am Freitag und Samstag zieht der Sturm nördlich von Kuba entlang. Deutlich verheerender könnte er hingegen anschließend die Bahamas treffen.

Was droht den Menschen auf den Bahamas?

Im Laufe des Samstags wird "Irma" südlich an der Inselgruppe vorbei ziehen. Das heißt: Der gefährlichste Bereich, der auf der Nordseite des Sturms liegt, könnte die Bahamas voll treffen. Und mit dem zerstörerischen Wind drückt "Irma" enorme Wassermassen heran. Die Sturmflut könnte bis zu sechs oder sieben Meter hoch werden. Außerdem bringt "Irma" natürlich enorme Regenmengen mit, die alle karibischen Inseln rund um den Sturm betreffen. Zum Teil wird es bis zu 500 Liter Regen auf den Quadratmeter geben. Das entspricht in etwa dem durchschnittlichen Jahresniederschlag von Berlin.

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Wie wird sich der Sturm weiter entwickeln?

Am Sonntag oder Montag dürfte "Irma" die USA erreichen. Natürlich gibt es für den genauen Ablauf noch einige Unsicherheiten. Am wahrscheinlichsten ist aber nach wie vor, dass der Tropensturm mit seinem Zentrum am Sonntag als Kategorie 4 Hurrikan (Böen bis knapp 250, Mittelwinde fast 200 km/h) ganz knapp östlich von Miami an der Ostküste Floridas nach Norden zieht und am späten Montag oder frühen Dienstag irgendwo zwischen Georgia und South Carolina endgültig an Land geht. Außer "Irma" gibt es momentan übrigens noch zwei weitere Hurrikane im Bereich des tropischen Atlantiks.

Wie heißen die und wo liegen sie?

Einmal der Hurrikan "Katia", der sich langsam auf die mexikanische Westküste zubewegt und diese voraussichtlich am Freitag oder Samstag erreichen wird. Zur Zeit wirbeln um das Auge des Sturms mittlere Windgeschwindigkeiten von um die 130 Kilometer pro Stunde. Allerdings könnte sich "Katia" vor dem Landfall noch deutlich verstärken. Zudem sind in Spitzen bis zu 400 Liter Regen pro Quadratmeter mit der Gefahr von Erdrutschen und Überschwemmungen möglich.

Und der dritte Sturm?

Das ist "Jose". Er ist ebenfalls ein ausgewachsener Hurrikan - mit mittleren Windgeschwindigkeiten von um die 150 Kilometer pro Stunde und stärkeren Böen. Auch bei diesem Hurrikan sehen die Wettermodelle noch Verstärkungspotenzial. Momentan bedroht "Jose" zwar kein Land. Das könnte sich aber am Freitag und Samstag ändern, wenn die östlichen karibischen Inseln und auch Puerto Rico im Bereich seiner Zugbahn liegen.

Kommen wir zum Wetter bei uns: Der Herbst scheint Einzug zu halten, oder?

Definitiv. Denn das, was uns die Wettermodelle auch am Wochenende prognostizieren, hat nichts mehr mit dem Spätsommer zu tun. Und auch danach - also bis mindestens zur Monatsmitte - sieht es eher nach herbstlich kühl als nach spätsommerlich warm aus.

Schade. Wie wird es denn am Samstag konkret?

Zumindest in der Lausitz und in Niederbayern fühlt es sich ein bisschen spätsommerlich an. Denn dort sind immerhin noch 22 oder 23 Grad möglich. Und während es im Südosten generell noch freundlicher losgeht, breiten sich im übrigen Deutschland schon wieder die nächsten Schauerwolken aus, die auch von kurzen Gewittern und stürmischen Windböen begleitet sein können. Zum frühherbstlichen Wetterbild passen auch die Temperaturen, die  im großen Rest des Landes häufig nur noch 14 bis 18 Grad erreichen werden.

Und am Sonntag?

Wendet sich das Blatt. Im Süden und Südosten dominieren zuerst einmal die Wolken und bringen Regen, der erst im Laufe des Tages abklingen wird. Richtung Nordwesten gibt es hingegen mehr freundliche Abschnitte und weniger Schauer. Erst am Nachmittag sind von der Nordsee her wieder einzelne Regengüsse drin. Die Temperaturen: am Alpenrand höchstens 12, sonst verbreitet 15 bis 19 Grad. Am wärmsten wird es noch im Rhein-Neckar-Raum sowie an der Saale bei bis zu 20 Grad.

Was macht das Wetter zu Beginn der nächsten Woche?

Es bleibt windig und wechselhaft mit neuen Schauern, die von Westen aufziehen. Und auch die Temperaturen sind weiterhin mau. In der Eifel bei gerade einmal 14 Grad. Schöner und milder dürfte der Wochenstart in den östlichen Landesteilen bei maximal 22 Grad sein. Aber selbst für die 20-Grad-Marke könnte es danach knapp werden. Nach jetzigem Stand dürfte es zur Wochenmitte nur noch für 13 bis 18 Grad reichen.

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Quelle: n-tv.de

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