Panorama

Sarkozy-Gerüchte Dati hat "vor nichts Angst"

07.04.2010, 15:06 Uhr

In der Affäre um die Verbreitung von Gerüchten über das Eheleben von Frankreichs Präsident Sarkozy setzt sich die ehemalige Justizministerin Dati zur Wehr. Es sei "äußerst skandalös", dass sie dafür verantwortlich gemacht werde. Nun sucht sie das Gespräch mit Sarkozy.

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Dati ist sich sicher, dass der Präsident selbst die Vorwürfe gegen sie nicht glaube. (Foto: dpa)

Aus den Gerüchten über die Ehe des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy wird langsam eine Staatsaffäre. Ein Regierungssprecher widersprach Presseberichten, wonach die ehemalige Justizministerin Rachida Dati, die als Urheberin der Gerüchte verdächtigt wird, abgehört werde. Dati wehrte sich gegen die Anschuldigungen und kündigte an, sie werde ein Gespräch mit Sarkozy suchen.

Der Präsident hat Dati aber zumindest zwischenzeitlich mit einer Art Hausverbot belegt, wie der Generalsekretär des Präsidialamtes, Claude Guéant, einräumte. Er habe am Dienstag einem Journalisten gesagt, dass Sarkozy die heutige Europapolitikerin "derzeit nicht mehr sehen" wolle, sagte Guéant. Er habe dies "gestern" gesagt, betonte Sarkozys wichtigster Mitarbeiter - aber "die Wahrheit von gestern ist vielleicht nicht die Wahrheit von heute". Ob der Präsident mit Dati reden werde, wenn sie zu ihm komme, wisse er nicht.

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Sarkozy will Dati aber "derzeit nicht sehen". (Foto: REUTERS)

Es sei "äußerst skandalös", dass sie für die Gerüchte über Sarkozys Privatleben verantwortlich gemacht werde, sagte Dati im Radiosender RTL. Sie habe "vor nichts Angst", die Beschuldigungen gegen sie müssten aber aufhören. Sarkozy hatte Dati vor drei Jahren als erste Ministerin aus einer Einwandererfamilie in seine Regierung geholt. Vergangenes Jahr drängte er die inzwischen in Ungnade gefallene Politikerin aus dem Amt. Sie ist heute einfache Europaabgeordnete.

Regierungssprecher dementiert Abhörung

Regierungssprecher Luc Chatel sagte im Radiosender Europe 1, es könne "keine Rede" davon sein, dass Dati abgehört werde, wie in der französischen Presse teils berichtet worden war. Sarkozy habe derartige Praktiken stets verurteilt. Gerüchte seien "unerträglich" und beschmutzten die Demokratie; ihnen müsse "der Garaus" gemacht werden.

Die Gerüchte über Sarkozys Privatleben waren Anfang März über einen anonymen Blog-Eintrag auf der Website der Wochenzeitung "Le Journal du Dimanche" verbreitet worden. Während die heimische Presse schwieg, griffen ausländische Medien die Gerüchte über außereheliche Affären des Präsidenten und seiner Frau Carla ausführlich auf. Zwei Mitarbeiter der Redaktion, die den Blog zulieferte, mussten inzwischen gehen. Die Verlagsgruppe, der die Zeitung gehört, erstattete Anzeige gegen Unbekannt, worauf die Pariser Staatsanwaltschaft erste Ermittlungen aufnahm.

"Ekelerregendes Fäulnisklima"

Sarkozys Kommunikationsberater Pierre Charon hatte vor einigen Tagen angedeutet, dass hinter den Gerüchten auch "ein organisiertes Komplott" stecken könne. Der Anwalt des Präsidenten, Thierry Herzog, sagte am Dienstag, es sei sicherlich kein Zufall, dass Sarkozy und seiner Frau ein "ausschweifendes Privatleben" angedichtet worden sei. Ein Minister hatte zuvor den Verdacht geäußert, die Gerüchte könnten gestreut worden sein, um Sarkozy vor dessen G-20-Präsidentschaft im kommenden Jahr "zu destabilisieren".

Der ehemalige französische Oppositionsführer François Hollande forderte den Präsidenten zu einem Machtwort auf. Es herrsche mittlerweile ein "Fäulnisklima" im Land, das "ekelerregend" sei, sagte Hollande im Nachrichtensender i-télé. "Wo sind wir denn, unter welcher Regierung leben wir, wie hat man so tief sinken können?" Der Staatschef müsse einschreiten und sowohl im eigenen Umfeld als gegenüber Dati klare Worte finden, sagte der sozialistische Abgeordnete.

Quelle: AFP