Duett mit Diktatoren-TochterDepardieu findet neue Freunde

Eines muss man Gérard Depardieu lassen: Er ist konsequent. Nach einem freundschaftlichen Plausch mit Wladimir Putin und einem Loblied auf die russische Demokratie poliert er in Usbekistan den Ruf der Diktatorentochter Gulnara auf.
Nachdem Gérard Depardieu Frankreich mit Liebesentzug straft, wird er langsam in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion heimisch. Er plaudert mit Russlands Präsident Wladimir Putin, schwärmt von der "russischen Seele" und erfreut sich an den Birkenwäldern. "Ich bete diesen Baum an, in ihm findet sich die russische Poesie", stellt Depardieu fest und versichert, Russland sei eine "große Demokratie".
Liebe macht bekanntlich blind. Der Schauspieler fühlt sich in Putins Russland aber nun einmal so pudelwohl, dass er darüber nachdenkt, in der Teilrepublik Mordowien ein Haus zu bauen. Die Region hat er vor Kurzem besucht, sich dafür in die lokale Tracht gekleidet und später dem Gouverneur einen begeisterten Brief geschrieben. Er wolle "die Ruhe und den Freiheitsgeist" spüren, und "versuchen, mit den Menschen zu sprechen", erläutert der 64-Jährige, dessen Russischkenntnisse sich auf wenige Brocken beschränken.
Aber es reicht immerhin, um Tschetscheniens Herrscher Ramsan Kadyrow, dem von Menschenrechtlern und Journalisten Mord, Entführungen, Folterungen und Erpressung vorgeworfen werden, herzlich zum Geburtstag zu gratulieren. "Ruhm sei Tschetschenien, Ruhm sei Kadyrow", rief er begeistert auf einer Party im vergangenen Oktober.
Auf dieser Grundlage lässt sich aufbauen, mag sich Depardieu denken. Er wolle am Ufer eines Sees sitzen und fischen und anschließend durch die Birkenwälder streifen, schreibt er in seinem Brief an den mordowischen Gouverneur. Das wird diesen sicher freuen, denn seine Republik ist bislang eher wegen des harschen Klimas und der vielen Straflager bekannt. In einem von ihnen sitzt Nadeschda Tolokonnikowa von der Punkband Pussy Riot ihre zweijährige Haftstrafe ab.
"Meistgehasste Person"
Wann Depardieu hunderte Kilometer südostlich von Moskau angeln und wandern wird, ist offen. Derzeit hält er sich in Usbekistan auf und hilft der Autokratentochter Gulnara Karimowa nach Kräften, ihr ramponiertes Image aufzupolieren.
Die 40-Jährige hat sich in den vergangenen Jahren ein weitverzweigtes Unternehmensimperium angeeignet und wird in Usbekistan nicht weniger gefürchtet als ihr Vater. Die US-Botschaft beschrieb sie als "Räuberbaronin" und die "meistgehasste Person des Landes". Die Dame vertreibt eigene Schmuck- sowie Mode-Kollektionen, vertritt Usbekistan bei den Vereinten Nationen und bemüht sich nebenbei, ein internationaler Popstar zu werden.
Bislang ist dieser Versuch nicht von Erfolg gekrönt, doch das soll sich ändern. Auf ihrer Webseite veröffentlichte sie jüngst das Lied "Nebo Molschit" (Der Himmel bleibt leise), in dem Depardieu ein von ihr verfasstes Gedicht auf Französisch vorliest. Das Duett ist allerdings nur der Auftakt zu einer weiteren Zusammenarbeit. Depardieu spielt in einer Folge einer Historien-Serie mit, in der die legendäre Seidenstraße im Mittelpunkt steht. Der russische Franzose mimt dabei den römischen Kaiser Justinian - an dem Drehbuch für diese Episode hat Karimowa höchstselbst mitgewirkt.
Die vielbeschäftigte Geschäftsfrau, Botschafterin, Autorin und Sängerin fand kürzlich dennoch Zeit, sich auf Twitter mit der BBC-Journalistin Natalia Anteleva zu streiten, die über Zwangssterilisationen in Usbekistan berichtet hatte.
"Für Journalisten wie mich bieten Gulnaras Extravaganzen einen Weg, sich einem unzugänglichen Land zu nähern", schrieb Anteleva daraufhin im US-Magazin "The New Yorker". An ihr könne man ernsthaftere Dinge wie Folter, Zwangsarbeit und Usbekistans tiefgreifende Isolation aufhängen. Anders als bei ihrem Vater sei es leicht, über Gulnara zu schreiben und zu lachen - "es sei denn, man lebt in Usbekistan".