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Die Angeklagte belog ihren Lebenspartner - und auch sich selbst.
Die Angeklagte belog ihren Lebenspartner - und auch sich selbst.(Foto: dpa)

Angeklagte legt Geständnis ab: Der Babyraub von Ústí nad Labem

Im Juli wird die kleine Michala aus dem Kinderwagen gerissen und entführt. Vor Gericht kommen die nahezu unglaublichen Hintergründe der spektakulären Baby-Entführung ans Licht. Offenbar hatte sich die Angeklagte eine wilde Räuberpistole ausgedacht, um ihrem Freund eine Fehlgeburt zu verschweigen.

Die Geschichte klingt wie frei erfunden: Eine 48-Jährige entführt in Tschechien ein Baby, bringt es nach Deutschland und präsentiert es dort als das eigene Kind. Doch der Fall ist real und wird derzeit vor dem Landgericht Koblenz verhandelt.

Die Angeklagte hat mittlerweile ein Geständnis abgelegt. Sie sei zwar von ihrem 51-jährigen Freund schwanger gewesen, habe ihm aber eine spätere Fehlgeburt verschwiegen, ließ sie über ihre Verteidigerin mitteilen. Den Angaben zufolge täuschte sie vor, im tschechischen Ústí nad Labem Drillinge zur Welt gebracht zu haben, und behauptete dann, die eigenen Kinder seien entführt worden.

Der 51 Jahre ist mitangeklagt; er soll die damals wenige Wochen alte Michala am 4. Juli 2012 in Ústí nad Labem vor den Augen der tschechischen Mutter aus dem Kinderwagen gerissen und es gemeinsam mit der 48-Jährigen nach Deutschland gebracht haben. Am 9. Juli des vergangenen Jahres war Michala dann wohlbehalten in der Wohnung der Mutter der Angeklagten in Neuwied gefunden worden.

Das Paar wurde festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Kindesentführung vor. Beiden droht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. In dem Prozess sind noch zwei weitere Verhandlungstage bis Ende Januar angesetzt.

Realitätsferne Welt

Die Verteidigerin der 48-Jährigen las eine ausführliche Stellungnahme vor: Ihre Mandantin habe ein Kind von dem 51-Jährigen erwartet, ihm aber "wider besseres Wissen" gesagt, dass sie Drillinge erwarte. Dafür gebe es keine Erklärung. Die Fehlgeburt habe sie für sich behalten und wochenlang Lappen und Handtücher unter ihre Kleidung gesteckt, damit sie schwanger aussehe. Der Familie zeigte sie Ultraschallbilder aus dem Internet.

Als Erklärung für die vorgetäuschte Geburt in Tschechien habe die Frau erzählt, sie sei in Deutschland nicht krankenversichert. Nach der angeblichen Geburt - bei der der Vater nicht dabei war - habe sie ihm dann unterschiedliche Versionen über den angeblichen Tod und die Entführung der Kinder aufgetischt.

Der 51-Jährige schilderte in einer Stellungnahme, wie ihn seine Freundin über Monate systematisch anlog. Ab Anfang April 2012 - also nach der Fehlgeburt - habe sie sich ihm gegenüber nicht mehr nackt gezeigt. Rückblickend komme er sich naiv vor, sagte der Mann. Damals habe er aber keinen Grund gehabt, an den Aussagen seiner Freundin zu zweifeln.

Quelle: n-tv.de

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