Panorama
Sturmflutgefahr und sinkende Schneefallgrenzen: In Eibenstock im Erzgebirge freut sich ein 6,50 Meter großer Schneemann auf den "nächsten Schwall Polarluft".
Sturmflutgefahr und sinkende Schneefallgrenzen: In Eibenstock im Erzgebirge freut sich ein 6,50 Meter großer Schneemann auf den "nächsten Schwall Polarluft".(Foto: picture alliance / Sebastian Kah)
Mittwoch, 11. Januar 2017

Der nächste Schwall Polarluft droht: "Der Winter könnte sich einnisten"

Ein ungewöhnlicher strenger Winter hält Europa fest im Griff. Selbst am Mittelmeer frieren die Menschen bei eisigen Temperaturen. n-tv Meteorologe Björn Alexander erklärt im Interview, was in den kommenden Tagen auf Deutschland zukommt.

n-tv.de: Schnee und Eis bis nach Griechenland und in die Türkei. Große Teile Europas scheinen im Winter erstarrt zu sein. Björn, bleibt es auch bei uns winterlich?

Video

Björn Alexander: Grundsätzlich ja, auch wenn jetzt im Süden und Osten die Frostluft von einem teils stürmischen Wind vorübergehend weggeweht wird. Spätestens am Freitag naht von Norden her bereits der nächste Schwall Polarluft. Damit könnte sich dann der Winter auch weit über das nächste Wochenende hinaus bei uns einnisten.

Stürmischer Wind? Droht eine neue Sturmflut?

An der Nordsee muss man mit einer mittleren Sturmflut von rund 1,50 bis 2 Meter über Normal rechnen. An der Ostsee wird es hingegen deutlich glimpflicher als beim Sturm letzte Woche. Das nachrückende Tief könnte allerdings auf den Straßen wieder zum Teil für chaotische Verhältnisse sorgen.

Was erwartet uns genau?

n-tv Meteorologe Björn Alexander
n-tv Meteorologe Björn Alexander

Am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag überquert uns von Südwest nach Nordost ein kleines, aber intensives Tief. Die Ausprägung und die Zugbahn wird zwar von den Wettercomputern unterschiedlich berechnet, sicher ist jedoch, dass damit wieder kältere Luft angezapft wird. Zuerst einmal breiten sich somit am Donnerstag von Südwesten her Schnee und Regen aus. Die Schneefallgrenze liegt dabei anfangs oberhalb von etwa 500 bis 700 Metern. Am Abend und in der Nacht zum Freitag intensivieren sich die Niederschläge und die Flocken fallen immer weiter runter. 

Wo wird es besonders schlimm?

Besonders betroffen werden wahrscheinlich die Regionen vom Schwarzwald und der Eifel bis herüber an den Harz sein. Jedoch selbst am Niederrhein, im Ruhrgebiet oder im Münsterland könnten damit einige Zentimeter Schnee fallen. Hier bleibt eben abzuwarten, wie das Tief genau zieht beziehungsweise wo der Niederschlagsschwerpunkt liegt. So oder so muss man sich im Bergland durch den stürmischen Wind aber nach wie vor auf Schneeverwehungen einstellen. 

Wie geht es am Freitag weiter? 

Video

Das Schneefallgebiet erreicht morgens in etwas abgeschwächter Form auch den Osten. Dahinter gibt es eine kurze Pause, bevor von Nordwesten her die Polarluft anklopft und neue Schauer mitbringt. Schnee oder Schneeregen fallen bis in die Niederungen und können auch von winterlichen Gewittern mit Graupel begleitet sein. Die Temperaturen sind im nasskalten Bereich zwischen -2 Grad auf den östlichen Mittelgebirgen und bis +5 Grad im Emsland.

Was bringt uns das Wochenende?

Es bleibt winterlich und wechselhaft mit weiteren Schneeschauern, die höchstens im Nordwesten in Schneeregen übergehen können. Dort werden es noch bis 4 Grad. Im übrigen Land sind es häufig Tageshöchstwerte zwischen -3 und +2 Grad. Nachts wird es wieder überall frostig, so dass neben Schneeglätte auch wieder Glätte durch gefrierende Nässe und Schneematsch aufkommen wird. 

Glatteis auch?

Video

Nein. Denn die Wetterlage ist eine ganz andere als am letzten Wochenende. Da kam in der höheren Atmosphäre mildere Luft heran. Aus der fiel Regen in die darunter liegende Kaltluft und auf die gefrorenen Böden. Jetzt passiert im Prinzip das genaue Gegenteil: die Luft, die zu uns kommt, wird zunächst einmal schrittweise kälter.

Mit noch mehr Schnee und Sturm?

Glücklicherweise nicht. Tendenziell klingen die Schneeschauer am Sonntag und Montag weiter ab. Und auch der Wind wird mehr und mehr nachlassen. Denn in der nächsten Woche berechnen die Wettermodelle relativ einheitlich ruhiges und trockenes Hochdruckwetter. Weniger einheitlich sind allerdings die Berechnungen in Sachen Temperaturen.

Wie kalt wird es denn?

Nach den Berechnungen des englischen Wettermodells kehrt ab Montag der Dauerfrost bei uns ein. Montag und Dienstag liegen die prognostizierten Höchstwerten bei -5 bis +1 Grad. Auch danach bleiben die Computer voll auf Winterkurs. Demnach würden der Mittwoch und Donnerstag kaum mehr als -7 bis 0 Grad zulassen. Die Nächte bringen unter Aufklarungen und über Schnee um oder deutlich unter -10 Grad. 

Wie sieht die Alternative aus?

Die zeigt uns derzeit die Berechnung des amerikanischen Wettermodells. Danach würde es im Süden und auf den Bergen mehrheitlich winterlich bleiben. In der Nordwesthälfte wäre es aber milder mit ein paar Grad über dem Gefrierpunkt. 

Welche der Berechnungen ist wahrscheinlicher?

Ich gehe davon aus, dass sich die kältere Variante durchsetzt. Also trocken-kaltes und teils sonniges Winterwetter.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen