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Die beiden Bilder zeigen, wie wenig sich die "Costa Concordia" binnen acht Stunden bewegt.
Die beiden Bilder zeigen, wie wenig sich die "Costa Concordia" binnen acht Stunden bewegt.(Foto: AP)

Bergung der "Costa Concordia" verzögert sich: Der havarierte Gigant hebt sich langsam

Zentimeter für Zentimeter wird das verunglückte Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" aufgerichtet. Verrostete Stellen kommen zum Vorschein, tonnenweise Müll gelangt ins Meer vor Italien. Die schwierige Aktion läuft erfolgreich, wenn auch langsam. Zwei noch immer verschollene Opfer suchen die Retter jedoch vergebens.

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Die Bergung der havarierten "Costa Concordia" läuft in Zeitlupe ab. Sie kommt gut voran, wird aber wohl Stunden länger dauern als geplant. Bis zum Morgengrauen am Dienstag solle das Schiff aufgerichtet sein, sagte Sergio Girotto vom Bergungsteam. Vor gut 20 Monaten war der Kreuzfahrtriese vor der italienischen Insel Giglio verunglückt.

Das internationale Bergungsteam dürfte weit mehr als die rund zwölf Stunden brauchen, die zunächst dafür veranschlagt waren. Bis tief in die Nacht wird die Bergungsaktion also weitergehen. "Auch wenn wir dafür dann 15 oder 18 Stunden benötigen, so ist es wichtig für uns, es gut zu machen", erläuterte Franco Porcellacchia von der Reederei Costa Crociere.

Die Wetterlage und die Dunkelheit in der Nacht würden den Fortgang der Aktion nicht beeinträchtigen, sagte Girotto. Die heikle Bergung verlaufe problemlos. Das Schiff soll erst im kommenden Jahr in einem Stück abgeschleppt werden.

Größte Unsicherheit ist überwunden

Ein etwa ein Meter breiter Streifen des Wracks, der sich zuvor noch unter Wasser befunden hatte, war bereits zwei Stunden nach Beginn der Aktion am Morgen wieder sichtbar. Das Schiff lag auf der Seite auf zwei Felsen, in die es teilweise verkeilt war. Mit Hydraulik gelang es am Vormittag, das Wrack vom felsigen Untergrund zu lösen. "Dies waren die Stunden der größten Unsicherheit, da wir nicht genau wussten, wie eingeklemmt das Schiff war", erläuterte Girotto von dem internationalen Bergungsteam Titan-Micoperi.

Das Schiff, so hoch wie elf Stockwerke, liegt wie ein umgekipptes Haus im Wasser.
Das Schiff, so hoch wie elf Stockwerke, liegt wie ein umgekipptes Haus im Wasser.(Foto: AP)

Ziel ist es, das riesige Schiffswrack aufzurichten und wieder behelfsmäßig schwimmfähig zu machen. Dass die unter Wasser liegende Steuerbordseite stark demoliert ist, könnte das Verfahren erschweren.

Schlechtes Wetter mit Gewitter in der Nacht zum Montag hatte den Bergungsbeginn frühmorgens um drei Stunden verzögert. "Um Punkt neun Uhr hatten wir alle Kontrollen erledigt und die Bergungsoperation gestartet", teilte das Expertenteam mit. In dieser kompliziertesten Phase der einzigartigen Bergungsaktion gingen die Bergungsexperten daran, den Kreuzfahrtkoloss mit Stahlseilen und aufwendiger Technik um 65 Grad zurück in seine aufrechte Lage ziehen.

Zwei Opfer bleiben vermisst

Die Bergung kostet nach Angaben der Reederei Costa Crociere insgesamt mindestens 600 Millionen Euro. Das Bergungsteam muss vorsichtig vorgehen, damit das Wrack nicht weiter beschädigt wird oder sogar zerbricht. Das Schiff soll dann mit Schwimmtanks an beiden Seiten flottgemacht werden, um es abtransportieren zu können.

Die "Costa Concordia" war im Januar 2012 vor der Insel auf einen Felsen gefahren und gekentert, 32 Menschen starben bei dem Unglück. Zwei Leichen wurden noch nicht geborgen und auch am Montag zunächst nicht gefunden. An Bord waren mehr als 4000 Menschen. Bei der Evakuierung gab es chaotische Szenen sowie zahlreiche Probleme und Verzögerungen. Vor Gericht in Grosseto steht deshalb Kapitän Francesco Schettino.

Nach dem Schiffbruch wurde das Schiff zunächst stabilisiert. Treibstoff und Abwasser wurden abgepumpt. Während der Bergung wird nun auch kontrolliert, ob das Wasser rund um das Wrack verschmutzt wird. Barrieren sollten eindämmen, was noch aus dem Schiff fließt. Die beteiligten Experten gingen davon aus, dass giftige Substanzen austreten würden. Eine Umweltkatastrophe in dem Meeresschutzgebiet sahen sie jedoch nicht kommen. "Die Konzentrationen werden begrenzt sein", sagte der Meeresbiologe Giandomenico Ardizzone. Er ging allerdings von 29.000 Tonnen Müll aus, die ins Meer gelangen würden.

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Quelle: n-tv.de

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