Panorama

Speckröllchen-AffäreDer retuschierte Präsident

23.08.2007, 17:17 Uhr

Das Klatschblatt "Paris Match" hat auf Urlaubsaufnahmen des französischen Präsidenten Sarkozy dessen Speckrolle knapp über der Badehose wegretuschiert. Dumm nur, dass es dem Nachrichtenmagazin "L'Express" auffiel.

Die "Rolle des Mannes" über der Badehose ist kein hübscher Anblick, auch wenn sie dem sonst gut durchtrainierten französischen Präsidenten gehört. Das mögen sich die Redakteure der Zeitschrift "Paris Match" gedacht haben, die ein Urlaubsfoto von Nicolas Sarkozy mit seinem Sohn im Kanu ins Blatt nehmen wollten. Kurzerhand retuschierten sie das Profil des paddelnden Präsidenten. Dumm nur, dass es dem Nachrichtenmagazin "L'Express" auffiel. "L'Express" veröffentlichte daraufhin auf seiner Website das Originalfoto eines Agenturfotografen und die Version, die in "Paris Match" zu sehen war. Das Foto zeigt Sarkozy gemeinsam mit seinem Sohn Louis in einem Kanu auf einem See im amerikanischen Urlaubsort Wolfeboro.

"Paris Match" rechtfertigte die Überarbeitung damit, dass die Rolle des Präsidenten wegen der gekrümmten Haltung auf der Bootsbank übertrieben hervortrete. Deswegen habe man "die Schatten korrigiert". Bei der "Aufhellung" sei die Korrektur leider zu stark ausgefallen. Andere Medien hatten das Bild ungeschönt veröffentlicht. Sarkozy, der sich gern beim Joggen zeigt, pflegt ein Image als fitter und aktiver Politiker.

Der lyse Palast hat inzwischen jede Einflussnahme auf die Zeitschrift bestritten. Regierungssprecher David Martinon verneinte, dass die schlanker machende Retusche vom Präsidentenpalast veranlasst worden sei. "Wir kennen uns hier mit Bildbearbeitungsprogrammen nicht so gut aus", sagte er.

Das Verhältnis zwischen Macht und Medien ist in Frankreich derzeit angespannt. "Paris Match" gehört zum Medienimperium Lagardre, dessen Chef Arnaud Lagardre ein enger Vertrauter von Sarkozy ist. Vor zwei Jahren wurde dem Chefredakteur von "Paris Match" gekündigt, nachdem er ein Foto von Ccilia Sarkozy und einem anderen Mann auf der Titelseite veröffentlicht hatte. Lagardre, zu dessen Zeitschriftenimperium auch die Zeitung "Journal du Dimanche" gehört, nennt Sakozy seinen "Bruder". "Journal du Dimanche" entfernte nach der zweiten Wahlrunde kurz vor dem Andruck einen Artikel aus dem Blatt, in dem zu lesen war, dass Ccilia Sarkozy auf ihre Stimmabgabe verzichtet hatte.

Zwar ist Paris der Sitz der Organisation Reporter ohne Grenzen, die sich weltweit für Pressefreiheit einsetzt, doch in Frankreich selbst scheinen die Grenzen der Presse für europäische Verhältnisse relativ eng gesteckt zu sein. Da passiert es schon, dass der Präsident aus seinem amerikanischen Urlaubsort persönlich bei der Zeitung "Le Monde" anruft und die Redaktion auffordert: "Schreiben Sie nicht über Ccilia." Kurz zuvor hatte Ccilia Sarkozy eine persönliche Einladung der US-Präsidentengattin Laura Bush wegen Krankheit abgesagt und war am nächsten Tag beim Stadtbummel beobachtet worden.

Kürzlich zeigte Bernard Arnault, Chef der Luxusindustrie-Gruppe LVMH (Louis Vuitton Mot Hennessy) und Sarkozys Trauzeuge, Interesse am Kauf der Wirtschaftszeitung "Les Echos". Die Redakteure wehrten sich dagegen und betonten in einem offenen Brief, dass die Abhängigkeit einer Zeitung von einem Wirtschaftskonzern zur Selbstzensur führe. "Vor allem eine Wirtschaftszeitung würde dadurch zuerst ihre Glaubwürdigkeit, dann ihre Leser und schließlich auch Geld verlieren." Außerdem geriete Arnault, dem bereits die Wirtschaftszeitung "La Tribune" gehört, in den Verdacht der Monopolisierung.

Wie manche französischen Politiker und Unternehmer ihr Verhältnis zur Presse sehen, verdeutlicht eine Bemerkung des Rüstungsindustriellen Serge Dassault, der die Zeitung "Le Figaro" besitzt und ebenfalls mit Sarkozy befreundet ist: "Warum sollte ein Eigentümer oder ein Großaktionär nicht in seiner Zeitung schreiben dürfen, was er denkt?" Die schlichte Antwort darauf lieferte das Satireblatt "Le Canard Enchan": "Weil er keinen Presseausweis hat."

Nie zuvor stand ein französischer Präsident samt Familie derart im Rampenlicht der Medien. Allerdings hat Sarkozy selbst kräftig dazu beigetragen. Schließlich hatte er seine Gattin ohne weitere Absprachen nach Libyen geschickt, um mit Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi über die Freilassung der bulgarischen Krankenschwestern zu verhandeln. In seinem noch vor der Wahl veröffentlichten Buch "Tmoignages" enthüllt er freiwillig Details seiner zweiten Ehe mit Ccilia. "Wir haben uns wieder gefunden und dieses Mal ist es zweifellos für immer", ist dort über die vorübergehende Trennung der beiden zu lesen.

Am Freitag kommt in Frankreich ein Porträt über Sarkozy in den Buchhandel, das die französische Theater- und Buchautorin Jasmina Reza schrieb. Daraus ist zu erfahren, dass "Sarko" teure Zigarren, Rolex-Uhren und Schokolade liebt und sich manchmal wie ein Achtjähriger benimmt.

Schon jetzt wird das 200-Seiten-Werk ("l'Aube le soir ou la nuit", Die Dämmerung, der Abend oder die Nacht) als Kandidat für den Literatur-Goncourtpreis gehandelt. "Was mich interessiert, ist das politische Schicksal des Menschen Sarkozy, nicht die Politik", sagte die Autorin in der neuesten Ausgabe der Wochenzeitschrift "Le Nouvel Observateur".

Jasmina Reza hat Sarkozy ein Jahr lang in seiner Wahlkampagne um das Präsidentenamt begleitet und Zusammenkünfte mit den Großen dieser Welt, Sarkozys deutliche Abneigung gegen Journalisten und ihre Eindrücke über ihn beschrieben. "Sein Wagemut ist atemberaubend und er hat eine ungewöhnliche Intuition", sagt sie.

Besonders kritisch ist das Buch nicht, es enthält weder sensationelle Enthüllungen noch politische Analysen. Und mit keinem Wort wird die eigenwillige Präsidenten-Gattin Ccilia erwähnt. "Das hat einen einfachen Grund", behauptet die Autorin: "Sie war während der Wahlkampagne nicht dabei". Ihr Fazit über den Präsidenten: "Er ist ein Schauspieler und wollte Frankreich verführen".

Der Präsident hat laut Präsidialamt das Buch übrigens noch nicht gelesen