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Ein Baby namens Schnuckelpupine: Deutsche Namen werden immer kreativer

Mia und Ben, Emma und Jonas - die langjährigen Spitzenreiter in den Ranglisten der beliebtesten Vornamen bekommen Konkurrenz. Der Trend geht zum Exotischen. Doch bei Waldmeister und Superman verstehen die Standesämter keinen Spaß.

Dass Zuwanderer das Land Tag für Tag ein Stück vielfältiger machen, spiegelt sich auch in den Geburtsurkunden wider: Jedes Jahr werden in der Bundesrepublik rund 1000 Vornamen eingetragen, die es zumindest hierzulande vorher nicht gab. "Mit der Migration kommen neue Namen zu uns", sagt Gabriele Rodríguez. Die Wissenschaftlerin arbeitet in der Namensberatungsstelle, die es seit den 1960er-Jahren an der Universität Leipzig gibt. Rund 3000 Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet melden sich jedes Jahr mit ihren Fragen. Allein 2014 registrierten die Forscher 41.514 unterschiedliche Vornamen. Seit dem vergangenen Jahr bemerkt Rodríguez in ihren Daten auch den verstärkten Einfluss durch Flüchtlinge.

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In England habe es der Prophetenname Mohammed gar an die Spitze der Namencharts geschafft, erläutert der Freizeit-Namensforscher Knud Bielefeld. Er sei bei Eltern, deren Familien aus Indien und Pakistan stammen, überaus beliebt. In der Bundesrepublik allerdings rangiere Mohammed unter ferner liefen. Hier lebten vor allem türkischstämmige Muslime, erklärt Bielefeld. Bei ihnen spiele der Name keine so große Rolle. Neu sind Namen aus dem arabischen, türkischen, kurdischen oder persischen Raum in Deutschland aber keineswegs. Schließlich stammen viele Kinder aus Familien, die schon vor Jahrzehnten in die Bundesrepublik eingewandert sind. Und im Laufe der Zeit verwischen die Grenzen. "Jasmin etwa ist ein persischer Name, der mittlerweile ganz normal als deutscher Name empfunden wird", erläutert Rodríguez.

Doch nicht nur die Migration lässt die Anzahl der Vornamen steigen. "Es gibt auch einen Trend zur Individualisierung", weiß die Wissenschaftlerin. "Viele Eltern wollen ausgefallene Namen, die nicht jeder hat." So bekomme inzwischen nur jedes zehnte Kind einen Namen, der in dem Geburtsjahr häufiger als zehnmal eingetragen wird. 66 Prozent der Sprösslinge können sich demnach sogar sicher sein, in ihrem Jahrgang ein Unikat zu bleiben. Oft handelt es sich hier allerdings um Kombinationen aus mehreren Rufnamen. Einige Paare zeigen sich durchaus kreativ.

Der Trend geht zum Außergewöhnlichen

Xantippe, Anakin, Neymar, Sequoia, Godsgift, Buckminster, Schnuckelpupine, Prinz-Gold: Alles Namen, die kürzlich auf deutschen Geburtsurkunden erfasst wurden, auch wenn Rodríguez mit dem Namen Schnuckelpupine so ihre Probleme hat. Dass Schnuckel nicht als Name taugt, habe bereits ein Gericht entschieden. Pupina oder Pupine stünden aber im Internationalen Namensverzeichnis, wahrscheinlich sei es deshalb beim Standesamt durchgegangen. "Mit Pupine, Pupina ist die Sache klar. Aber in Verbindung mit Schnuckel würde ich das ablehnen", sagt Rodríguez.

Wenn ein Vorname noch nicht in den Büchern der Standesämter vermerkt ist, wenden sich Eltern an die Wissenschaftlerin. Sie untersucht, ob die Wunschsilben als Name geeignet sind und schreibt eine Empfehlung für die Behörden. Manchmal fällt ihr Urteil aber auch negativ aus. "Hauptkriterium ist, ob der Name das Kind lächerlich machen würde", erläutert Rodríguez. "Superman, Wikileaks, Waldmeister - das geht gar nicht."

Dass traditionelle Namen bei so viel Veränderung aussterben, braucht aber niemand zu befürchten. Denn auch altdeutsche und germanische Namen gewinnen seit Jahren an Beliebtheit. Ob Karl, Otto oder Friedrich - besonders Jungen werden wieder öfter nach ihren Großvätern benannt.

Quelle: n-tv.de

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