Panorama
Mittwoch, 14. Oktober 2009

Stahlbetonmonster an der Garonne: Deutscher U-Boot-Bunker als Attraktion

Einst galt das graue Ungetüm an der Garonne als "verflucht", heute gehört der 40.000 Quadratmeter große deutsche U-Boot Bunker in Bordeaux zu den meistbesuchten Kunststätten der Weinstadt. "Früher war hier das No Man's Land der Docks, dem jeder den Rücken kehrte. Nur die Kunst kann eine solche Metamorphose bewirken", sagte Brigitte Proucelle, Leiterin der Kulturabteilung von Bordeaux. In dem Stahlbetonmonster mit seinen zahlreichen Bootskammern gibt es seit knapp zehn Jahren Jazz-Konzerte, Tanzfestivals und Kunstveranstaltungen wie derzeit "Evento", die erste kostenlose Biennale für urbane und zeitgenössische Kunst. Die vier Millionen Euro teure Veranstaltung soll ein weiterer Schritt sein, damit das frisch sanierte Bordeaux zur Kulturstadt aufsteigen kann.

Eine Installation des Filmregisseurs Amos Gitai wirft Szenen aus seinen Filmen an die Wände des U-Boot Bunkers in Bordeaux.
Eine Installation des Filmregisseurs Amos Gitai wirft Szenen aus seinen Filmen an die Wände des U-Boot Bunkers in Bordeaux.(Foto: dpa)

Der Eingang in das Nazi-Bauwerk erinnert an ein monsterhaftes Tier, das den Rachen aufreißt, um den Besucher in seinem gigantischen Inneren aus 600.000 Kubikmetern verbautem Beton und elf Nasskammern zu verschlingen. Ein gigantischer, unheimlicher und gleichzeitig faszinierender Ort, der eine Herausforderung für jeden Künstler darstellt. Nicht jedem gelingt es, das unzerstörbare Monster so gut zu bespielen wie jetzt dem israelische Filmemacher Amos Gitai. Im Rahmen von "Evento" projiziert er Auszüge aus seinen Filmen auf die dicken Betonwände, die sich im Wasser der Bootskammern eigentümlich widerspiegeln. Eindrucksvolle Momentaufnahmen und lange Einstellungen lässt er auf den Besucher wirken. Die Themen sind Heimat und Exil, Grenzen und Grenzüberschreitungen.

Von Kriegsgefangenen erbaut

Der U-Boot-Bunker ist zu einem kulturellen Anziehungspunkt geworden. Gleich ob Tanz- oder Jazzfestivals, die Leute strömen in Scharen in den Betonklotz. "Selbst am 31. Dezember zählten wir 2500 Besucher", erklärte die Leiterin der Kulturabteilung. Der Stadtteil, der knapp zwei Kilometer außerhalb des Altstadtkerns liegt, hat nichts Besonderes an sich - außer dem zwischen 1941 und 1943 von rund 2500 Kriegsgefangenen erbauten Ungetüm, das vor allem durch seine Masse beeindruckt. Doch das will die Stadt ändern. In den angrenzenden Gebäuden, die den Deutschen als Verwaltungsgebäude dienten, befinden sich heute Künstlerresidenzen. Längerfristig soll um den Bunker herum ein neues Viertel entstehen.

Alain Juppé, Bürgermeister von Bordeaux und Ex-Premierminister, will aus der rund 230 000 Einwohner großen Stadt eine der meist besuchten Kulturstädte Frankreichs machen. Immerhin hat er durch den Bau der Tram sowie durch die Renovierung und Sanierung der Altstadt und der Kaianlagen das Image der Stadt schon völlig verändert.

Kunst an der Tram

Die Kais sind zur Lieblingspromenade der Bordelais geworden, und mit der Tram ist nicht nur ein modernes und umweltfreundliches Verkehrsmittel in die Stadt eingezogen, sondern auch Kunst im öffentlichen Raum. Kunstwerke säumen die Tramlinien - so wie in Paris und Nizza. Eines der bemerkenswertesten Werke ist die Installation des russischen Künstlerpaars Ilya und Emilia Kabakov. Ein Einfamilienhaus, durch dessen Fenster hindurch der Schaulustige Einblicke in das Leben des Anderen erhält und dabei gleichzeitig auf sein eigenes Dasein schaut.

Luftbild von Bordeaux (Juni 2007)
Luftbild von Bordeaux (Juni 2007)(Foto: picture-alliance/ dpa)

Das neue Kunstereignis "Evento" ist im Rahmen des Wettstreits um den Titel als Kulturhauptstadt 2013 entstanden, den Bordeaux gegen seine Mitstreiter Marseille, Lyon und Toulouse verloren hat. Doch immerhin steht die Stadt seit Juni 2007 auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes und besitzt mehrere Museen sowie Kunst- und Kulturzentren wie zum Beispiel den massiven deutschen U-Boot-Bunker. Gilt noch zu beweisen, dass Bordeaux auch dauerhaft Kunst präsentieren kann. Die zehntägige Biennale, an der bis zum 18. Oktober mehr als 60 Künstler und Architekturkünstler teilnehmen, ist zumindest ein vielversprechender Anfang.

Quelle: n-tv.de

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