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Jährlich diskutiert die Unesco-Kommission über neue Welterbe-Nominierungen. Vielleicht ist dieses Jahr auch der Naumburger Dom dabei.
Jährlich diskutiert die Unesco-Kommission über neue Welterbe-Nominierungen. Vielleicht ist dieses Jahr auch der Naumburger Dom dabei.(Foto: imago/Felix Abraham)
Sonntag, 02. Juli 2017

Eiszeitkunst und Architektur: Deutschland will mehr Welterbe-Titel

Von Theresa Ebert

Deutschland beherbergt derzeit 41 der insgesamt 1052 Unesco-Welterbestätten. Weitere deutsche Kandidaten wollen es in diesem Jahr auf die Liste schaffen. Doch die Aufnahmekriterien sind hart und Zurückweisungen möglich.

Die Unesco ist streng und nicht jedes Zeugnis der Menschheits- und Naturgeschichte darf den begehrten Titel "Welterbe" tragen. Trotzdem werden nicht nur Naturwunder wie der Grand Canyon oder beeindruckende Bauten wie die Akropolis in Athen in die Liste aufgenommen. Auch in Deutschland gibt es bereits 41 Kulturleistungen und Naturphänomene, die die Unesco überzeugt haben - und es sollen mehr werden.

Anfang Juli findet in Krakau die 41. Sitzung des Unesco-Welterbekomitees statt. Die Mitglieder werden über neue Strategien zum Schutz und Erhalt des Welterbes, über Erhaltungszustände bereits bestehender und über neue Nominierungen potenzieller Welterbestätten diskutieren. In diesem Jahr gibt es vier deutsche Bewerber, darunter zwei bereits ernannte Stätten mit Erweiterungsanträgen. Das sind die deutschen Kandidaten:

In mühevoller Kleinarbeit wurde der Löwenmensch aus über 300 Bruchstücken wieder zusammengesetzt.
In mühevoller Kleinarbeit wurde der Löwenmensch aus über 300 Bruchstücken wieder zusammengesetzt.(Foto: imago/Wilhelm Mierendorf)

Die "Höhlen der ältesten Eiszeitkunst" auf der Schwäbischen Alb stellen mit den ältesten Kunst- und Musikobjekten der Welt ein einzigartiges Zeugnis der Menschheitsgeschichte dar. Die Jäger und Sammler hinterließen in Höhlen und deren Umgebung Artefakte aus Stein, Knochen und Elfenbein - Funde, die darauf schließen lassen, dass schon damals Besitztümer einen großen Stellenwert für die Menschen hatten. Im 19. Jahrhundert begannen Ausgrabungen, die bis heute fortgesetzt werden.

Neben vielen einzigartigen Fundstücken wie Tier- und Menschfiguren fanden die Archäologen die ältesten Nachweise für Musik: Flöten aus Elfenbein und Knochen. Außerdem brachten Grabungen in der Höhle Hohlenstein-Stadel im Lonetal die Puzzleteile des Sensationsfundes "Löwenmensch" zutage. Die berühmte Figur aus Mammutstoßzahn ist Schätzungen zufolge vor 40.000 Jahren geschnitzt worden. Bereits seit 2012 laufen die Vorbereitungen für den Antrag auf einen Listenplatz der Unesco-Welterbestätten. Nun sollen sechs Höhlenfundstellen und die umgebende Landschaft im Ach- und Lonetal in die Unesco-Liste aufgenommen werden.

Uta von Naumburg gilt als schönste Frau des Mittelalters. Ihre Stifterfigur ist im Westchor des Naumburger Doms zu finden.
Uta von Naumburg gilt als schönste Frau des Mittelalters. Ihre Stifterfigur ist im Westchor des Naumburger Doms zu finden.(Foto: imago/Rainer Weisflog)

Im erneuten Anlauf bewerben sich der Naumburger Dom und die hochmittelalterliche Kulturlandschaft an Saale und Unstrut für einen Unesco-Listenplatz. Das Herzstück des Antrags ist der Naumburger Dom St. Peter und Paul, der zu den bedeutendsten mittelalterlichen Bauten zählt. Die ehemalige Kathedrale des Bistums Naumburg stammt größtenteils aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts.

Ein unbekannter deutscher Architekt und Steinbildhauer hatte in einer Kombination aus Architektur, Plastik und Glasmalerei ein Werk geschaffen, das jährlich Tausende von Besuchern in seinen Bann zieht. Blickfänge sind dabei insbesondere die ausdrucksvollen Werke zur Passionsgeschichte und zwölf überlebensgroße, wirklichkeitsgetreue Stifterfiguren. Doch nicht nur der Dom in Naumburg ist ein wertvolles Kulturstück im Süden von Sachsen-Anhalt. Auch sein weiteres Umland, die Landschaft um Saale und Unstrut hat Tausende hochmittelalterliche Zeugnisse zu bieten. Ein Gesamtensemble aus eindrucksvollen Stadtanlagen, vielen Burgen und einer von Wein- und Obstbau geprägten Kulturlandschaft.

Seit 1978 verleiht die Weltkulturorganisation Unesco den Titel des Welterbes. Das Komitee setzt sich aus 21 gewählten Vertragsstaaten der Welterbekonvention zusammen und entscheidet jährlich über neue Kultur- und Naturstätten, die den Titel Welterbe verdient haben. Bisher sind bereits 1052 Zeugnisse der Menschheits- und Naturgeschichte aus 165 verschiedenen Ländern in die Unesco-Liste eingetragen worden. Kriterien für die Anerkennung sind unter anderem der außergewöhnliche universelle Wert der Stätte und ein ausgearbeiteter Managementplan, der die Erhaltung in Zukunft sicherstellt.

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Das Bauhaus Weimar und Dessau gehört bereits seit 1996 zu den Natur- und Kulturstätten der Unesco, weil es als Hochschule für Gestaltung weltweit das künstlerische und architektonische Denken und Arbeiten des 20. Jahrhunderts revolutionierte. Das Institut wurde 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründet und bestand bis 1933. Gemeinsam mit Handwerkern und Künstlern wollte er den "Bau der Zukunft" entwerfen und forderte dabei beispielsweise eine praktische Verknüpfung von Kunst und Massenproduktion.

100.000 Besucher aus aller Welt kommen jedes Jahr nach Dessau, um das Bauhausensemble zu besichtigen.
100.000 Besucher aus aller Welt kommen jedes Jahr nach Dessau, um das Bauhausensemble zu besichtigen.(Foto: imago/allOver-MEV)

Demnach wurden Möbel aus industrieller Fertigung so gestaltet, als wären sie in mühevoller Handarbeit entstanden. Die Bauten von Bauhaus-Professoren wie Walter Gropius und Hannes Meyer legten mit dem Bauhaus-Stil ein Fundament, das die Architektur der Moderne entscheidend geprägt hat. Nun ist ein Erweiterungsantrag gestellt worden. Nicht nur das Bauhaus, sondern auch die Laubenganghäuser und die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) sind wegen ihrer Komplexität und der weltweiten Ausstrahlung im Rennen um einen Unesco-Titel. Die Laubenganghäuser in der Siedlung Dessau-Törten und die Bundesschule des ADGB sind bekannt für ihre außergewöhnliche architektonische Qualität.

Auch die Lutherstätten in Mitteldeutschland haben einen Erweiterungsantrag eingereicht. Die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt will den Unesco-Welterbestatus um zwölf weitere Standorte in mehreren Bundesländern erweitern. Der Antrag umfasst die Veste Coburg in Bayern, das Schloss Hartenfels mit Schlosskirche im sächsischen Torgau und in Thüringen das Erfurter Augustinerkloster. Außerdem sollen in Sachsen-Anhalt die Kirchen St. Petri-Pauli, St. Annen und St. Andreas in Eisleben sowie in Mansfeld das Museum Luthers Elternhaus und die Kirche St. Georg hinzukommen. Auch das Schloss, das Augusteum, das Bugenhagenhaus und die Cranach-Häuser in Wittenberg, dem Ausgangsort der Reformation, sollen als Welterbe gelten. Vier Museen der Stiftung in Wittenberg und Eisleben sowie die Wittenberger Stadtkirche und die Schlosskirche zählen bereits seit 1996 zum Unesco-Weltkulturerbe.

Update: Der gemeinsame Antrag der Bundesländer Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen auf Einstufung weiterer Lutherstätten wurde von den Ländern wieder zurückgezogen, wie Anfang Juli bekannt wurde.

Bis zum 12. Juli wird das Unesco-Welterbekomitee in Krakau tagen und über Ja und Nein zum Welterbestatus der Bewerber beraten. Zudem finden regelmäßig Überprüfungen der Orte und Kulturstätten statt. Denn mit der Einschreibung in die Welterbeliste verpflichten sich die Vertragsstaaten, in ihrem Land Schutz- und Verbesserungsmaßnahmen einzuhalten und die Welterbestätten für künftige Generationen zu bewahren.

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Quelle: n-tv.de

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