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Niels Czajor war mit seinen Eltern an Bord, als die "Concordia" gegen einen Felsen fuhr.
Niels Czajor war mit seinen Eltern an Bord, als die "Concordia" gegen einen Felsen fuhr.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 17. September 2013

Bergung des Schiffs ruft Bilder im Kopf zurück : Die Angst der "Costa"-Überlebenden

Sie erlebten die schlimmsten Momente ihres Lebens - die Passagiere der "Costa Concordia". Auch einige Deutsche blicken in diesen Stunden auf das Wrack des Schiffes. Die Bergung ist erfolgreich, doch die seelischen Wunden der Betroffenen sind noch immer tief. Etwa jene des Baden-Württembergers Niels Czajor.

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Vor knapp 20 Monaten ist er dem Tod gerade noch entronnen. Niels Czajor aus Baden-Württemberg war einer der Passagiere auf der "Costa Concordia", als das Schiff vor der Insel Giglio mit einem Felsen kollidierte und schließlich umkippte. Die aufwendige Aufrichtung des kaputten Kreuzfahrers verfolgte Czajor genau.

Der Überlebende zeigte sich von den Bildern des havarierten Kreuzfahrtschiffes betroffen: "Am gestrigen Abend waren die beklemmenden Erlebnisse der Unglücksnacht für uns sehr präsent", sagte Czajor, der in Singen lebt. Czajor war bei dem Unglück im Januar 2012 mit seinen Eltern und seiner im sechsten Monat schwangeren Frau an Bord. Sie konnten sich alle retten.

Vorwürfe an das Personal

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Besonders die nun sichtbaren massiven Beschädigungen des Kreuzfahrtschiffes am Rumpf seien schockierend. "Es ging am 13. Januar vergangenen Jahres wirklich um Minuten, die verantwortungslos von Schiffsführung und Reederei bei der Evakuierung vergeudet wurden", sagte der 45-Jährige. Er erhebt schwere Vorwürfe gegen die Verantwortlichen: "Viele Opfer hätten vermieden werden können, wenn Costa schnell und professionell gehandelt hätte." Damals waren 32 Menschen gestorben, darunter zwölf Deutsche.

Mehr als 20 Monate nach der Havarie war die "Costa Concordia" in einer 19-stündigen Bergungsaktion wieder aufgerichtet worden. Am wichtigsten sei ihm, dass sich so ein Unglück nicht wiederhole, betonte Czajor. "Es bleibt die Hoffnung (...), dass Costa künftig ihrer Verantwortung gegenüber Besatzungen und Passagieren gerecht wird."

Bergungsteam voll zufrieden

Mit dem Aufrichten der gekenterten "Costa Concordia" ist die heikelste Phase der komplizierten Bergungsaktion geschafft. Nach 19 Stunden konnten die Techniker am frühen Dienstagmorgen den Erfolg der riskanten Aktion verkünden. Doch die Bergung ist damit noch nicht abgeschlossen, die nächsten Schritte stehen bevor. "Das Schiff ist stark beschädigt, wir müssen jetzt eine Bestandsaufnahme machen", sagte Projektleiter Nick Sloane. Der Kreuzfahrtkoloss soll zunächst stabilisiert und dann für den Abtransport im Jahr 2014 vorbereitet werden.

"Die Seite der Concordia hat viele Schäden, aber es ist keine unüberwindbare Situation", sagte Franco Porcellacchia, Projektleiter der Reederei "Costa Crociere". Nachdem die komplizierte Aktion geglückt war, atmeten die Bewohner der Mittelmeerinsel Giglio und die Arbeiter auf. "Ich bin erleichtert und stolz, so wie mein Team", sagte Sloane. "Es war ein Kampf, ein bisschen wie eine Achterbahn, aber für das Team war es fantastisch."

Quelle: n-tv.de

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