Panorama

Ruhrgebiet fehlt besonders oftDie Liste der Krankenscheine

15.03.2013, 15:47 Uhr
krankheiten
(Foto: picture alliance / dpa)

Aus den Millionen Daten, die Krankenkassen über ihre Mitglieder sammeln, ergibt sich auch, in welchen Regionen es besonders viele Krankenscheine gibt. Die AOK hat die 50 größten deutschen Städte untersucht. Und es zeigt sich: das Ruhrgebiet fehlt besonders oft bei der Arbeit. Eine ostdeutsche Stadt dagegen scheint recht gesund.

Strukturwandel, hohe Arbeitslosigkeit, Zukunftsängste. Und auch in Sachen Krankheiten fällt besonders das Ruhrgebiet aus dem Raster. In Gelsenkirchen etwa sind die AOK-Versicherten im vergangenen Jahr mit durchschnittlich 23,5 Tagen am längsten krankgeschrieben gewesen.

Mit über 20 Tagen lagen auch Bochum, Duisburg, Dortmund, Essen, Hagen, Herne, Kiel, Krefeld, Ludwigshafen, Mannheim, Oberhausen und Wuppertal im oberen Bereich. In Augsburg, Freiburg, München waren es mit weniger als 15 Tagen besonders wenige Fehltage unter den insgesamt etwa 11 Millionen Arbeitnehmern mit AOK-Versichertenkarte. Die geringsten Fehltage haben mit 13,8 die Dresdner Beschäftigten gehabt, wie das Wissenschaftliche Institut der Allgemeinen Ortskrankenkassen mitteilte.

Akademiker und Beschäftigte in den Dienstleistungsberufen, in Banken und Versicherungen hätten weniger Ausfallzeiten. Insgesamt nahm der Krankenstand 2012 auf 4,9 Prozent zu. Insbesondere psychische Erkrankungen sind weiterhin auf dem Vormarsch. Die von ihnen verursachten Ausfalltage sind bei den Versicherten der AOK seit 1994 um 120 Prozent angestiegen und mit langen Ausfallzeiten verbunden: Diese dauern mit 24,9 Tagen je Fall mehr als doppelt so lange wie der Durchschnitt aller Erkrankungen mit 11,8 Tagen je Fall.

Die meisten der insgesamt 153 Millionen Krankheitstage 2012 entfielen auf die Gruppe der Muskel- und Skeletterkrankungen (22,9 Prozent), gefolgt von akuten Verletzungen (11,8 Prozent), Atemwegserkrankungen (11,4 Prozent) und psychischen Erkrankungen (10,1 Prozent). Nachvollziehbare Unterschiede zwischen den Städten zeigen sich insbesondere bei den Muskel- und Skeletterkrankungen sowie den psychischen Erkrankungen: In Gelsenkirchen entfallen mehr als ein Viertel (25,5 Prozent) der Arbeitsunfähigkeitstage auf Muskel- und Skeletterkrankungen, in Dresden nicht einmal ein Fünftel (18,5 Prozent).

Dagegen sind die Arbeitnehmer in Dresden (13,4 Prozent) häufiger als in Gelsenkirchen (10,8 Prozent) wegen psychischer Erkrankungen arbeitsunfähig. Gleichwohl Hamburg einen mittleren Platz im Fehlzeiten-Ranking aufweist, belegt die Hansestadt den Spitzenplatz bei den psychischen Erkrankungen: Jeder siebte Fehltag der Beschäftigten (14,1 Prozent) wird durch eine psychische Krankheit begründet. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 10,1 Prozent.

Fehltage-Ranking der 50 größten Städte:

ORTAU-Tage je Mitglied (ganzjährig versichert)prozentualer Anteil an allen AU-Tagen:psychsiche Erkrankungenprozentualer Anteil an allen AU-Tagen: Muskel-/Skelett-Erkrankungen
Gelsenkirchen23,510,8%25,5%
Herne22,811,1%24,8%
Hamm22,08,9%26,8%
Bochum21,511,1%25,0%
Hagen21,49,0%25,0%
Wuppertal21,312,1%22,3%
Ludwigshafen21,110,1%22,6%
Duisburg21,110,2%24,3%
Oberhausen20,79,3%26,0%
Essen20,611,7%23,2%
Kiel20,411,4%24,8%
Dortmund20,49,7%25,1%
Krefeld20,211,2%22,6%
Solingen20,211,6%19,9%
Mannheim20,111,3%20,8%
Mönchengladbach20,012,5%24,0%
Wiesbaden19,510,0%21,9%
Saarbrücken19,311,4%20,7%
Bielefeld19,012,4%22,2%
Mülheim18,912,2%22,9%
Berlin18,811,7%20,7%
Lübeck18,613,2%23,8%
Hamburg18,514,1%21,2%
Frankfurt18,211,7%21,5%
Halle18,211,6%20,4%
Bremen18,111,3%24,6%
Aachen18,012,2%21,6%
Hannover17,812,6%22,3%
Mainz17,711,6%22,0%
Leverkusen17,79,8%22,5%
Magdeburg17,511,2%17,7%
Osnabrück17,510,2%23,8%
Kassel17,48,5%21,1%
Düsseldorf17,211,9%19,9%
Rostock17,212,2%18,5%
Stuttgart17,211,2%21,4%
Karlsruhe17,09,8%22,0%
Münster16,911,3%22,2%
Oldenburg16,611,6%21,5%
Bonn16,611,8%23,1%
Braunschweig16,310,4%22,3%
Nürnberg16,212,4%21,6%
Erfurt16,210,7%17,3%
Köln16,013,2%21,0%
Leipzig15,912,5%19,0%
Chemnitz15,510,7%18,7%
Freiburg14,813,1%22,4%
Augsburg14,810,4%23,4%
München14,413,7%22,4%
Dresden13,813,4%18,5%

Quelle: ntv.de, jmü/dpa