Samstag, 20. März 2010
"Wir haben noch so viel vor" : Die Stolpes und der Krebs
Manfred Stolpe erkrankte 2004, seine Frau Ingrid 2008 an Krebs. Über ihren Kampf gegen die Krankheit erzählen sie in einem gemeinsamen Buch.Sie erkrankten beide kurz nacheinander an Krebs. Und lange sprachen Ingrid und Manfred Stolpe darüber nicht in der Öffentlichkeit. "Man zieht den Kopf ein", erzählte der frühere brandenburgische SPD-Ministerpräsident und Ex-Bundesverkehrsminister auf der Leipziger Buchmesse. Dort stellte das Paar sein Buch "Wir haben noch so viel vor. Unser gemeinsamer Kampf gegen den Krebs" (Ullstein Verlag, Berlin) vor.
Damit reiht sich das Paar in die Riege der prominenten, schreibenden Krebspatienten ein. So haben bereits der Regisseur Christoph Schlingensief ("So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein: Tagebuch einer Krebserkrankung") und der Journalist und Autor Jürgen Leinemann ("Das Leben ist der Ernstfall") ihre Erfahrungen in Büchern öffentlich gemacht.
Darüber reden ist wichtig
Viele Menschen meinten, Krebs bedeute automatisch das Todesurteil, sagte der 73-jährige Stolpe. Er habe deshalb nach der Diagnose Darmkrebs Angst gehabt, abgeschrieben zu werden, wenn er über seine Krankheit spreche. Aber: "Wir sind der festen Überzeugung, dass es wichtig ist, darüber zu reden", so der Politiker. Heute gehe es ihnen beiden gut, sagte Ingrid Stolpe, die an Brustkrebs erkrankte. Ingrid und Manfred Stolpe sind seit 49 Jahren verheiratet.
Am 21. April 2009 offenbarte das Paar in der ARD-Sendung "Menschen bei Maischberger", was bislang nur wenigen Eingeweihten bekannt war: Sie haben Krebs. Der Politiker und die Allgemeinmedizinerin appellierten, Betroffene nach der Diagnose nicht auszugrenzen oder abzuschreiben.
Zwei Patienten auf Augenhöhe
Eine Darmspiegelung förderte 2004 bei Manfred Stolpe mehrere Polypen zutage, die gleich entfernt wurden. Ein größerer sollte später operiert werden, jedoch fand der vielbeschäftigte Politiker - damals als Bundesverkehrsminister im Stress wegen der Einführung der Lkw-Maut - erst vier Monate später Zeit dafür, wie er im Buch eingesteht.
Inzwischen gab es ein Karzinom, und ein Teil des Darms musste entfernt werden. Seine Frau Ingrid erfuhr 2008 von ihrem Brustkrebs. Beide lagen 2008 gleichzeitig in der Klinik. "Jetzt begegnen wir uns als zwei Patienten auf Augenhöhe", betont das Paar im Buch.
Liebevolle und enge Beziehung
Sie liebt ihn, weil er fürsorglich und liebevoll ist. Er schätzt an seiner Partnerin die direkte und lebensnahe Art. "Und: Sie ist immer noch sehr attraktiv." Beide lernten sich Ende der 50er Jahre kennen. Es folgten Verlobung, Hochzeit und 1968 die Geburt der Tochter Katrin.
Die Stolpes lassen einander große Freiräume. Nach der Wende baute die 1938 geborene Ingrid Stolpe eine Krebsberatungsstelle auf, später startete sie mit 53 Jahren mit eigener Praxis noch einmal durch. Ihr Mann war zu der Zeit seit 1990 Ministerpräsident von Brandenburg und ließ sie nur die notwendigsten Verpflichtungen als First Lady absolvieren.
Schnelle Enkel-Eingreiftruppe
Heute sind sie die "schnelle Eingreiftruppe" bei der Betreuung der Enkel, wie die Stolpes in Leipzig erzählten. "Ohne Großeltern würde es gar nicht gehen", meinte Ingrid Stolpe. Die Kinder seien auch eine Ablenkung von der Krankheit gewesen.
Frei nach ihrem Buchtitel "Wir haben noch so viel vor" will das Paar nun im nächsten Jahr erst einmal seine Goldene Hochzeit und den 75. Geburtstag von Manfred Stolpe feiern. Wandern, eine Kreuzfahrt und möglicherweise ein Umzug vom Haus mit den vielen Treppen in eine bequemere Wohnmöglichkeit - es gibt viele Pläne, wie Ingrid Stolpe erzählte.
"Wir haben noch so viel vor. Unser gemeinsamer Kampf gegen den Krebs" im n-tv shop.
Elke Vogel und Gudrun Janicke, dpa
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