Panorama
Freitag, 23. August 2013

Wie in biblischer Zeit, nur freakiger: Die Sündenbock-App verzeiht alles

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem

An Jom Kippur, dem Tag der Sündenvergebung im Judentum, wurde der Überlieferung nach einst ein Ziegenbock mit Sünden beladen und in die Wüste geschickt. Dort fand das Tier ein schnelles Ende. Heute gibt es dafür Twitter und eine App, die die Fehler des vergangenen Jahres verzeiht.

Das ist eScapegoat.
Das ist eScapegoat.

Rechtzeitig zum bevorstehenden Versöhnungstag, dem Jom Kippur am 14. September, hat eine Startup-Firma aus San Francisco namens "G-dcast" (Gottessendung) eine Sündenbock-App entwickelt. An dem Heiligen Fastentag wurden in biblischer Zeit alle Sünden des vorangegangenen Jahres einem Bock aufgebunden. Der wurde dann in die Wüste zu einem Ort namens Asasel geschickt, wo er mitsamt aller Sünden Israels in den Abgrund gestürzt wurde. Im heutigen Sprachgebrauch ist "Asasel" einer der vielen hebräischen Begriffe für "Hölle".

Der elektronisch-virtuelle Sündenbock wird per Twitter mit der Adresse @SinfulGoat (sündiger Ziegenbock) erreicht. Dem kann man anonym 120 Buchstaben lang seine Sünden beichten. Damit andere über die Sünden reflektieren und Ratschläge zu den Untaten geben können, geht man auf die Seite escgoat.com. Dort ist man dann "alleine" mit einer weißen bebrillten Ziege mit großen blinkenden Augen. Zur Erklärung steht dort: "Der Sündenbock schwirrt im Internet herum und sammelt Sünden vor Jom Kippur. Wie in biblischer Zeit, nur freakiger."

Der Online-Dienst TimesofIsrael hat in seinem Bericht über die Erfindung auch typische Sünden gesammelt, etwa eines jungen Mannes: "Jedes Mal, wenn ich die Nummer meiner Schwiegermutter auf meinem Handy sehe, drücke ich den "ignorieren" Knopf."

Die Direktorin von "Gottessendung", Sarah Lefton, erklärte in einer Pressemitteilung, dass der Sündenbock zu den eigentümlichsten Sitten des Judentums zähle. In der Gegend von San Francisco sollen Events mit echten Ziegenböcken organisiert werden, um jüdisches Bewusstsein zu verbreiten. Das werde viel Spaß bedeuten, ungeachtet wie "grenzwertig unsere Sünden sind".

Quelle: n-tv.de

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