Panorama

Kinderschreie in der Nacht"Die Welt muss uns helfen!"

14.01.2010, 13:49 Uhr

Es gibt keine koordinierten Hilfsmaßnahmen in Haiti. Auch zwei Tage nach dem Beben sind die Zustände chaotisch. Die wenigen Helfer vor Ort sind maßlos überfordert.

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Die Bewohner Haitis sind auf Hilfe von außen angewiesen. (Foto: picture alliance / dpa)

Die Nacht ist pechschwarz im erdbebenverwüsteten Haiti. Von Hügel zu Hügel, Straße zu Straße hallen religiöse Gesänge und Gebete. Frauen klatschen im Takt in die Hände, um ihr Singen rhythmisch zu begleiten. Sie beten für die Toten und wollen sich selbst und anderen in den schweren Stunden Mut machen: Bei dem schweren Beben haben möglicherweise zehntausende Menschen ihr Leben verloren. Die Rettungsmaßnahmen laufen nur schleppend an, zahlreiche Verschüttete werden noch unter den Trümmern vermutet.

Immer wieder zerreißen Schreie von Kindern die Nacht. Verletzte Mädchen und Jungen liegen schluchzend auf dem Boden vor Trümmerbergen, einige von ihnen voller Blut und mit klaffenden Wunden.

"Unmögliche Aufgabe" für die Helfer vor Ort

"Oh mein Gott, wer will unserem Land jetzt noch helfen?" - Manuel Deheusch, ein haitianischer Geschäftsmann, der aus der benachbarten Dominikanischen Republik zurückkam, um nach Angehörigen und Freunden zu suchen, ist erschüttert. "Die Welt muss uns helfen! Dieses Desaster können wir nicht allein bewältigen."

Related contentDie Straßen werden auch zwei Tage nach dem Beben noch von Leichen gesäumt, nur einige von ihnen wurden mit Laken oder Kleidungsstücken bedeckt. "Das hier ist eine unmögliche Aufgabe", sagt ein freiwilliger Helfer, der Dutzende auf der Straße liegende Verletzte versorgt.

Hilfsorganisationen beklagen selbst Opfer

Anzeichen für koordinierte Hilfsmaßnahmen gibt es kaum. Verzweifelt graben die Haitianer mit bloßen Händen im Schutt, in dem sie ihre Angehörigen vermuten. Die vor Ort ansässigen Hilfsorganisationen warten auf die dringend benötigte Unterstützung aus dem Ausland. "Die Hilfe muss jetzt von außen kommen", sagt Mike Stewart von Hope for Haiti. "Die Möglichkeiten der Helfer vor Ort sind vernichtet." Viele Hilfsorganisationen hätten selbst Opfer zu beklagen.

Das volle Ausmaß der Zerstörung ist noch längst nicht bekannt. Ein chilenischer UN-Blauhelmsoldat macht sich mit Kollegen daran, Trümmer von einer Straße zu räumen. "Wo sollen wir bloß anfangen? Und wie sieht es erst in den Gegenden aus, in die wir überhaupt nicht gelangen können?"

Quelle: Andrew Cawthorne, Reuters