Schnee im MärzDie extreme Kälte ist bald vorbei

Mitte März wirkt Schnee reichlich unpassend - zumal in dieser Menge. Und doch ist es noch gar nicht so lange her, dass Deutschland im ersten Frühlingsmonat komplett unter einer weißen Decke lag. Dennoch: Die aktuellen Temperaturen sind rekordverdächtig. Erst das Wochenende könnte einen Hoffnungsschimmer bringen.
Mitte März wirkt Schnee reichlich unpassend - zumal in dieser Menge. Und doch ist es noch gar nicht so lange her, dass Deutschland im ersten Frühlingsmonat komplett unter einer weißen Decke lag. Dennoch: Die aktuellen Temperaturen sind rekordverdächtig. Erst das Wochenende könnte einen Hoffnungsschimmer bringen.
n-tv.de: Erst Frühling, dann Winter. Björn, was ist das eigentlich für ein März?
Björn Alexander: Da geht die Wahrnehmung in diesem Fall mit der Meteorologie beziehungsweise der Klimastatistik Hand in Hand. Denn wir haben uns innerhalb von wenigen Tagen in den absoluten Extremen bewegt. Letzte Woche waren wir am oberen Ende - in Düsseldorf oder Köln Werte um die 20 Grad. Das sind die höchsten je gemessenen Temperaturen im ersten Märzdrittel. Und dann folgte die kälteste Luft, die wir überhaupt in dieser Jahreszeit bekommen können: ein heftiger Wintereinbruch durch einen eisigen Arktisimport, der uns teilweise kältere Nachttemperaturen brachte als im vergangenen Winter. Überhaupt Rekorde für die Tiefstwerte im zweiten Märzdrittel - diesmal in die andere Richtung: beispielsweise Flughafen Bremen (alt: -10,7 Grad, neu -11,7), Flughafen Münster/Osnabrück (alt: -8 Grad, neu -9,7), Flughafen Köln/Bonn (alt: -10,2 Grad, neu -12,3) oder Lingen an der Ems (alt: -7,3 Grad, neu -9,2). Und als wäre das alleine noch nicht ausreichend, direkt kombiniert mit einer Grenzwetterlage und einem teilweise stürmischen Wind.
Grenzwetterlage?
Das heißt, dass zwei unterschiedliche Luftmassen Deutschland auf engstem Raum unter sich aufgeteilt haben. Von Nordosten her die Kaltluft, die Stück für Stück südwärts vorangekommen ist und jetzt auch die letzten Reste der Frühlingsluft ganz im Süden abgedrängt hat.
Wie groß waren denn die Temperaturunterschiede?
Deutschlandweit lässt sich das am besten beschreiben, wenn wir die gefühlte Temperatur zur Hilfe nehmen. An der Ostsee sorgte der eisige Wind am Wochenende schon für gefühlte Werte unter minus 10 Grad, während im Süden immer noch Höchstwerte um 16 Grad gemessen wurden. Auf engerem Raum: beispielsweise am Sonntag im Süden Brandenburgs Höchstwerte um 0 Grad. In gut 70 Kilometer Entfernung im Dresdener Raum hingegen noch 9 bis 12 Grad. Kaum eine Stunde Autofahrt vom Spätwinter in den Vorfrühling bei kaum vorhandenem Höhenunterschied! Und um das Bild des heftigen Kaltlufteinbruchs zu komplettieren: Am Montag erreichte die Temperatur am Dresdener Flughafen nur noch maximal minus 5 Grad.
Apropos Auto: Das hätte man am Dienstag vielerorts wohl am besten unbewegt lassen sollen, oder?
Das ist natürlich immer leicht gesagt. Aber es lässt sich ja nicht immer vermeiden. Am Wochenende vielleicht schon mal eher. Und ich denke, das haben viele Menschen im Norden wohl auch getan. Immerhin hat dort der Winter am heftigsten zugeschlagen. Hamburg und Umland teilweise um die 30 Zentimeter Schnee, mancherorts im Nordosten sogar noch etwas mehr. Zudem mitunter extreme Schneeverwehungen, die sich stellenweise auf bis zu 2 Meter aufgetürmt haben. Der Dienstag traf dann die breite Mitte und damit die deutlich bevölkerungsreicheren Regionen mit entsprechenden Einschränkungen auf den Straßen sowie an den Flughäfen. Kurz vor der Schließung des Frankfurter Flughafens schneite es im Rhein-Main-Gebiet mit rund 3 bis 5 Zentimetern Neuschnee in der Stunde. Dagegen kommt kein Räumdienst an.
Bleiben die Beeinträchtigungen auch weiterhin an der Tagesordnung?
Zuerst einmal müssen wir uns noch mit den Wirren des Spätwinters auseinandersetzen. Bis zum Donnerstag kann es auch an den Alpen einige Zentimeter Neuschnee geben und dann ist es auch am Freitag überall spätwinterlich kalt. Es kommen aber nur noch gelegentlich mal stärkere Schneeschauer runter. Die Nächte sind zunächst aber natürlich frostig. Unter längerem Aufklaren und über Schnee nach wie vor eisig mit strengem Frost, also unter minus 10 Grad. Den Hoffnungsschimmer in Sachen Milderung dürfen wir dann am Wochenende erwarten.
Ein Frühlingscomeback?
Soweit würde ich momentan nicht gehen. Am Samstag setzt sich von Westen her mildere Luft durch. Dabei ist nach anfänglichem Schneefall allerdings auch gefrierender Regen nicht auszuschließen. Im Süden und Südosten bleibt es aber ziemlich sicher trocken und wahrscheinlich am Samstag noch recht schön. Sonntag kommen die Niederschläge ostwärts voran. Dabei dürfte es aber häufiger noch schneien. Erst der Montag könnte dann meist deutlichere Plusgrade zwischen 4 und 14 Grad bringen. Ob das aber der große Durchbruch ist, kann anhand der Wettermodelle derzeitig einfach noch nicht gesagt werden. Sicher ist: Die Wetterlage stellt sich um und die extreme Kälte geht vorbei. Am wahrscheinlichsten ist danach die wechselhafte Wettervariante. Ob es allerdings die dauerhaft milde Version ist oder ob wir uns mit der nasskalten Variante abfinden müssen, ist nach jetzigem Stand noch nicht entschieden. Momentan schwingt das Pendel in Richtung nasskalt. Recht sicher ist dagegen, dass ein neues Frühlingshoch nicht in Sicht ist. Das amerikanische Wettermodell - das auch schon vorm Frühlingswetter letzte Woche berechnete, dass es danach wieder eisig wird - zeigt eine durchgreifend positive Entwicklung erst zum Monatsende. Jedoch ist es bis dahin ja noch sehr weit.
Gibt es denn schon weitere Erkenntnisse für die Osterferien?
Eher nicht. Für die Skifahrer wäre natürlich die mild-nasse Variante in der kommenden Woche recht ungünstig. Denn während der Winter im Norden Deutschlands am Wochenende richtig zugeschlagen hat, ist in den Alpen das Tauwetter fortgeschritten. Unterhalb von 1000 Metern ist eine gesunde Schneeauflage sehr selten geworden. Jetzt ist das große Tauen aber - wie gesagt - vorüber und eine Auffrischung der Schneedecke steht an. Es besteht also auch in den tieferen Lagen noch berechtigte Hoffnung. Die klassischen Reiseziele am Mittelmeer warten derzeitig oft mit unbeständigem Schauerwetter auf. Aber auch dort kann sich natürlich bis zu den Osterferien noch einiges ändern. Für mehr Aussagen ist es jetzt einfach noch zu früh.
Noch ein Wort zum Winter im März: Hat es eigentlich schon mal so viel Schnee gegeben?
Ja. Und das ist noch gar nicht so lange her. Der März 2006 brachte einige Tage mit einer flächendeckenden Schneedecke in Deutschland. Um den 6./7.März 2006 lagen in Schleswig-Holstein bis 40 Zentimeter. Wipperfürth im Bergischen Land vermeldete damals 35, der Kahle Asten 144 und Konstanz am Bodensee 33 Zentimeter. Auf dem Brocken lagen 2,45 Meter, auf dem Fichtelberg 1,90 Meter. Südlich von München waren es 40 bis 90 Zentimeter. So ungewöhnlich der März 2013 bisher auch war, der Winter im März ist es im Allgemeinen nicht.