Däne verbrennt Töchter im AutoDie unfassbare Tat eines Vaters

Weil er seine Töchter nicht für sich haben kann, fährt ein Vater sie in den Wald und verbrennt die beiden Mädchen bei lebendigem Leib im Auto. Die Tat ereignet sich vor knapp einem Jahr. Der Däne ist wegen Mordes aus niederen Beweggründen angeklagt. Sein Lebenslauf liest sich wie der einer gescheiterten Existenz.
Was am Morgen des 12. August mit einem Ferienausflug im Hamburger Snow-Dome beginnt, endet in der Nacht mit einem qualvollen Tod auf einem Waldweg. Peter-Thue R. soll an diesem Sommertag seine beiden Töchter Line Sofie (9 Jahre) und Marlene Maria (10) eigentlich zurück zu ihrer Mutter ins dänische Öster-Hurup bringen. Der 40-Jährige fährt stattdessen von Hamburg aus weiter nach Süden ins Brandenburgische. Mitten in der Nacht biegt er von der Autobahn 24 ab und fährt in ein Waldstück bei Börnicke im Havelland, wo er seinen Wagen auf einem Weg parkt. Er steigt aus, holt zwei Benzinkanister aus dem Kofferraum und verteilt den Treibstoff im gesamten Auto. Anschließend entzündet er das Benzin mit einem Feuerzeug.
Seine Kinder sitzen angeschnallt im Auto, er springt aus dem brennenden Fahrzeug. Die Töchter kommen in dem flammenden Inferno um. So rekonstruieren die Ermittler die grausame Tat, die R. im Prozess vor dem Potsdamer Landgericht bereits gestanden hat. Es ist ein Gerichtsverfahren, das wegen des schrecklichen Todes der beiden Mädchen und der Unfassbarkeit der Tat für großes Aufsehen sorgt. R. muss sich in dem seit Ende Februar laufenden Prozesses wegen Mordes aus niederen Beweggründen verantworten.
Sorgerecht weg, Hof weg, Job weg
Doch was veranlasste den Mann, den seine Ex-Frau als Nebenklägerin "zunächst als liebevollen Vater" schilderte, seine Kinder bei lebendigem Leib zu verbrennen? Vor Gericht erzählen der Angeklagte und zahlreiche Zeugen die Geschichte von einer einst glücklichen Ehe, die von immer mehr Problemen belastet und schließlich geschieden wird. Ein Sorgerechtstreit um die Töchter schließt sich an. R. schildert, wie seine geschiedene Frau ihm die Kinder wegnehmen wollte, wie sie Absprachen gebrochen und ihn erniedrigt habe. Zu dieser Zeit steht sein Bauernhof vor der Pfändung. Außerdem verliert der unausgebildete Lehrer seinen Job, so dass er umziehen will, um woanders eine Arbeit zu finden.
Trotz des geplanten Wohnortwechsels will R. seine Kinder bei sich haben. Die wollen aber keinen Neubeginn, sie fürchten den Verlust der Heimat und ihrer Freunde. "Er wollte die Kinder so viel wie möglich – und ich sollte sie so wenig wie möglich haben", sagt die Mutter vor Gericht aus, die sich ebenfalls dagegen sträubt, dass ihre Kinder zum Ex-Mann ziehen. Sie erwirkt bei der Stadtverwaltung einen Bescheid, dass sie fortan den Wohnsitz der Mädchen festlegen darf. Daraufhin eskaliert der Konflikt über Wohnort und Sorgerecht der Kinder. R. will nicht alleine fortziehen. Ein Leben ohne seine Mädchen kann er sich nicht vorstellen. "Wenn ich euch nicht bekomme, bekommt euch niemand", soll er laut Aussage der Ex-Frau einmal gesagt haben.
Sein Leben schildert der Däne als gescheiterte Existenz: Streit mit den Eltern, Selbstmordgedanken, abgebrochene Ausbildung, diverse Jobs als Gärtner, Glöckner, Totengräber, Biobauer und zum Schluss als Lehrer. Wenn es Probleme gibt, verliert er schnell den Ehrgeiz. Immer wieder fasst er unüberlegte Entschlüsse, die er nicht zu Ende führt. Als Teenager flieht er nach Oslo. Doch er fährt wieder nach Hause, nachdem ihn beinahe ein Schneepflug überfährt. Ein anderes Mal bricht er einen Selbstmordversuch ab: Er steht vor einem See und will sich mit einer Flasche auf den Kopf schlagen, damit er ins Wasser fällt und ertrinkt. "Aber das Wasser sah mir zu kalt aus, zu dunkel, zu unheimlich", sagt er an einem Verhandlungstag.
Schon lange an Selbstmord gedacht
Ähnlich unausgegoren ist wohl auch sein Plan, die Kinder an jenem 12. August nicht bei der Mutter abzugeben, sondern stattdessen mit ihnen in die brandenburgische Provinz zu fahren, wo er sie später tötet. Laut eigener Aussage wollte er eigentlich mit ihnen sterben. An Selbstmord habe er schon lange zuvor gedacht. Seinen Kindern wollte er indes ersparen, ohne ihn aufzuwachsen. Dann sei ihm die Idee gekommen: "Wir könnten ja alle sterben." Als das Auto in Flammen stand, sei er aus Instinkt hinausgesprungen und habe noch versucht, die Mädchen zu retten.
Die Ermittlungen in diesem verstörenden Fall sind kompliziert, da sich in dem ausgebrannten Autowrack kaum verwertbare Spuren befinden. Zunächst deutet alles auf einen tragischen Unfall hin. Ein LKW-Fahrer nimmt den orientierungslos an der A 24 herumirrenden R. mit und bringt ihn wegen seiner schweren Verbrennungen ins Krankenhaus. In einer ersten Vernehmung sagt der Däne aus, seine Kinder hätten auf dem Rücksitz des kleinen Suzuki mit dem Zigarettenanzünder gespielt. Er hätte es zu spät gemerkt und vergeblich versucht, die angeschnallten Mädchen noch zu befreien. An dieser Version zweifeln die Ermittler jedoch schnell, zumal in den Körpern von Line Sofie und Marlene Marie Schlafmittel entdeckt werden. Die Staatsanwaltschaft geht von einem geplanten Mord aus. Offen ist allerdings, ob er den Kurzurlaub in Deutschland mit dem Mordplan versehen hat, oder ob er einer spontanen Idee gefolgt ist.
Während der Prozessstage, die von einem großen Medienaufkommen auch aus Dänemark in Potsdam verfolgt werden, versucht sich R. erneut das Leben zu nehmen – mit Tabletten. Er wird auf die Intensivstation gebracht und gerettet. Mittlerweile nimmt er wieder an der Verhandlung teil. Wann das Urteil gesprochen wird, steht noch nicht fest. Derzeit werden die Plädoyers gesprochen.