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Auf diesem undatierten Bild posiert Alois H. mit seiner erlegten Beute.
Auf diesem undatierten Bild posiert Alois H. mit seiner erlegten Beute.(Foto: dpa)

Spurensuche nach dem Blutbad in Österreich: Die zwei Seiten des Alois H.

Alois H., Spediteur und offenbar auch Wilderer, richtet ein regelrechtes Blutbad an. Warum er außer Kontrolle geriet, ist unklar. Nach dem Tod seiner Frau vor 18 Jahren fiel er wohl in ein psychisches Tief und sah zuletzt nur noch einen Ausweg.

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Ganz unauffällig, fast unscheinbar soll Alois H. in seinem Bauernhaus im niederösterreichischen Örtchen Großpriel gelebt haben. Der 55-Jährige war weder streitsüchtig noch auffällig, heißt es in der Nachbarschaft. "Man kann in niemanden hineinschauen. Aber das hätte ich dem Alois niemals zugetraut." Die Meinung von Adelheid W. wird von vielen im Ort geteilt. Doch in seiner Freizeit lebte der Spediteur offenbar ein ganz anderes Leben: Er sammelte schwere Waffen, wilderte Hirsche, trennte ihnen die Köpfe ab. Die Kadaver ließ er achtlos liegen, nur die wertvollen Geweihe nahm er mit.

Nach jahrelanger Suche kommt die Polizei dem Tierquäler auf die Spur, will ihn festnehmen. Als eine Spezialeinheit der Polizei sein Grundstück umstellt, gerät die versuchte Festnahme zum Fiasko. Alois H. richtet auf seiner Flucht vor den Beamten ein Blutbad an, tötet drei Polizisten und einen Sanitäter. "Eine unvorstellbare Bluttat", sagt Polizeisprecher Johann Baumschlager.

Alois H. hatte sich mehr als 20 Stunden auf seinem Bauernhof verschanzt, hielt Hunderte Einsatzkräfte in Atem. Das Militär rückte sogar mit Panzern an. Am Abend stürmte die Polizei das Haus. In einem nur über eine Geheimtür zugänglichen Raum entdeckten die Beamten gegen Mitternacht eine in Flammen stehende Leiche. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass es Alois H. ist.

Krebstod seiner Frau änderte alles

"Es ist leider wahr. I bin nämlich der Wilderer vom Annaberg", soll er seinem besten Freund noch am Handy gebeichtet haben. "Die 'Burgi' (seinen Schäferhund) hab i schon daschossn (erschossen), und mi werden's a net kriegen", soll er angekündigt haben.

Seinem besten Freund zufolge änderte sich das Leben des Spediteurs mit dem Tod seiner Frau. Diese verstarb vor 18 Jahren an Krebs. Wie die österreichische Internetseite "oe24.at" berichtet, durchlebte Alois H. ein langes psychisches Tief und konnte wohl bis zuletzt nicht loslassen. In seinem Haus in Großpriel soll er eine Kapelle für seine verstorbene Gattin eingerichtet haben, in der er täglich betete. Eine neue Frau an seiner Seite fand er nie, dafür hatte er seinen Hund "Burgi", den er abgöttisch liebte, für den ihm nichts zu teuer war.

"Guter Schütze und korrekter Weidmann"

Seit fünf Jahren ist Alois H. Mitglied eines Schützenvereins, berichtet die österreichische Internetseite kurier.at. Seit fast zwanzig Jahren soll er zudem Inhaber einer Jagdkarte des Landesjagdverbandes sein. Von Kollegen wird Alois H. als "guter Schütze und korrekter Weidmann" bezeichnet. Er sei "sicher kein Trophäenjäger" gewesen.

Indes mehren sich die Hinweise, dass Alois H. seinen blutigen Abgang schon länger geplant haben könnte - vor zwei Monaten fing er an, seinen Besitz zu veräußern. So verkaufte er zum Beispiel seinen BMW. Auch befürchtete Alois H. gegenüber seinem Freund, "schizophren" zu sein. Nach Angaben des Freundes habe er ihm von Problemen berichtet: "Dass er so etwas wie ein zweites "Ich" habe."

Quelle: n-tv.de

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