Panorama

Deutsche Antwort auf GoogleDigitale Bibliothek entsteht

02.12.2009, 13:17 Uhr

Das Bundeskabinett beschließt die Errichtung einer Deutschen Digitalen Bibliothek ab 2011. Mit ihr sollen Datenbanken von über 30.000 Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen vernetzt und die Bestände digitalisiert werden.

Die Inhalte der Bibliothek sollen über ein einziges nationales Portal allen Bürgern frei zugänglich gemacht werden, teilte Kulturstaatsminister Bernd Neumann mit. Das Projekt soll alle urheberrechtlich freien Bücher und andere Werke erfassen. Auch kostbare Handbestände, die in den Bibliotheken nur eingesehen und nicht ausgeliehen werden können, sind dann im Netz zugänglich.

Bernd-Neumann
Der Posten des Kulturstaatsministers der Bundesregierung wurde erst im Herbst 1998 geschaffen. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Darüber hinaus bietet die Digitale Bibliothek auch wichtige Erläuterungen und Querverweise zu den jeweils aufgerufenen Themenkomplexen an. Vorgesehen ist, dass die Bibliothek digitale Kopien von Büchern, Bildern, Archivalien, Skulpturen, Noten, Musik und Filmen zur Verfügung stellt und damit alle Arten von Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen wie Bibliotheken, Archive, Museen, Mediatheken und wissenschaftliche Institute umfasst.

Ein "Jahrhundertprojekt"

Der Staatsminister verwies darauf, dass der Internetzkonzern Google die digitalen Rechte für große Bibliotheksbestände "zu einem einmaligen Betrag auf Dauer" erwerbe. "Die Deutsche Digitale Bibliothek ist in dieser Hinsicht eine angemessene Antwort auf Google", erklärte Naumann. Bei der Deutschen Digitalen Bibliothek würden bestehende Urheber- und Leistungsschutzrechte "selbstverständlich uneingeschränkt gewahrt", betonte Neumann. "Im Unterschied zu Google werden bei der DDB die Rechte-Inhaber zuerst gefragt und dann wird gehandelt - dokumentiert und jederzeit nachvollziehbar."

Neumann sprach von einem "Jahrhundertprojekt", das ein "Quantensprung in der Welt der digitalen Information" darstelle. Die DDB gewähre Zugang zu dem seit Jahrhunderten öffentlich gesammelten und bewahrten, meist auch mit staatlichen Geldern angekauften Kulturgut und erschließe es multimedial - "und zwar dauerhaft und ohne rein kommerziellen Zweck", betonte Neumann. Damit werde auch ein "herausragender Beitrag zur Bewahrung unserer kulturellen Identität und zum Urheberschutz" geleistet. Mit der DDB werde auch der deutsche Beitrag zur Europäischen Digitalen Bibliothek "Europeana" erbracht und den Verpflichtungen gegenüber der EU entsprochen.

Geld aus Konjunkturprogramm II

Die Deutsche Digitale Bibliothek ist ein Gemeinschaftsvorhaben von Bund, Ländern und Kommunen, die sich auf Eckpunkte für ein entsprechendes Verwaltungs- und Finanzabkommen verständigt haben. Der Aufbau wird mit Mitteln aus dem Konjunkturprogramm II des Bundes finanziert, der Dauerbetrieb ab 2011 zur Hälfte von Bund und Ländern. Für die zentrale Infrastruktur werden 5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die Betriebskosten von jährlich 2,6 Millionen Euro teilen sich der Bund die und die Länder.

Quelle: dpa