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Reinhold Hannings erscheint im Rollstuhl vor Gericht. Er ist mittlerweile 94 Jahre alt.
Reinhold Hannings erscheint im Rollstuhl vor Gericht. Er ist mittlerweile 94 Jahre alt.(Foto: dpa)

Handschriftlicher Lebenslauf: Dokumente belasten Auschwitz-Wachmann

Im Prozess gegen einen früheren SS-Wachmann hat ein Ermittler persönliche Dokumente des Angeklagten vorgestellt. In ihnen gibt dieser den Zeitpunkt seiner SS-Mitgliedschaft selbst an. Zudem geht die Befragung eines weiteren Wachmanns weiter.

Historische Archivunterlagen haben im Auschwitzprozesses vor dem Landgericht Detmold Auskunft über die Laufbahn des früheren SS-Wachmanns auf der Anklagebank gegeben. Der mit den Ermittlungen betraute Polizeibeamte des Landeskriminalamtes NRW, Stefan Willms, stellte Dokumente vor, die die zweieinhalbjährige Tätigkeit Reinhold Hannings im Konzentrationslager belegen sollen.

Jakob Wendel sagt im Prozess aus. Der ehemalige SS-Wachmann wurde bereits in Polen juristisch verfolgt.
Jakob Wendel sagt im Prozess aus. Der ehemalige SS-Wachmann wurde bereits in Polen juristisch verfolgt.(Foto: dpa)

Die Staatsanwaltschaft legt dem 94-Jährigen zur Last, als SS-Wachmann in dem Vernichtungslager Beihilfe zum Mord in 170.000 Fällen verübt zu haben. Der Ermittler präsentierte unter anderem einen handschriftlichen Lebenslauf Hannings, in dem er selbst seine Versetzung zum "Totenkopfsturmbann Auschwitz" der SS auf den 23. Januar 1942 datiert. Aus dem Schreiben geht darüber hinaus hervor, dass er sich schon sehr früh als Freiwilliger bei der SS meldete. Er verpflichtete sich erst für vier, später sogar für zwölf Jahre, wie weitere Archivunterlagen zeigen.

Bis zum 13. Juni 1944 blieb er demnach in Auschwitz, stieg zum Unterscharführer der SS auf. Er war nach einer Verwundung durch Granatsplitter von der Kriegsfront dorthin versetzt worden. Später kam er noch als Wachmann ins Konzentrationslager Sachsenhausen. Nach dem Krieg geriet Hanning in britische Kriegsgefangenschaft mit Aufenthalten in Belgien und dem englischen Liverpool. 1948 kam er nach Deutschland zurück.

SS-Mann schweigt vor Gericht

Der LKA-Ermittler Willms wird seine Aussage am 6. April fortsetzen. Er hatte Hanning im Februar 2014 in dessen Haus im nordrhein-westfälischen Lage vernommen. Im Prozess schweigt der Angeklagte bislang. Zunächst war die Befragung des 92-jährigen früheren SS-Wachmanns Jakob Wendel fortgesetzt worden. Wie schon in der vergangenen Woche berichtete er vom Alltag der Wachleute im KZ.

Erneut sagte er aus, dass die systematischen Tötungen niemandem verborgen geblieben seien. Als SS-Wachmann sei es jedoch nicht möglich gewesen, sich Befehlen zu widersetzen: "Wer verweigert hat, ist weggekommen. Wohin weiß niemand", sagte Wendel. Begegnet ist er dem Angeklagten im KZ nicht. Anders als Hanning, dessen Standort das Stammlager Auschwitz war, war Wendel im fünf Kilometer entfernten Auschwitz-Birkenau eingesetzt. Der Zeuge war dafür bereits in Polen verurteilt worden und wird daher nicht mehr juristisch verfolgt.

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Quelle: n-tv.de

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