Panorama
Ist immer für ihre Hip-Hop-Schülerinnen da: Lotta
Ist immer für ihre Hip-Hop-Schülerinnen da: Lotta
Montag, 05. Dezember 2016

Tag des Freiwilligendienstes: Drei Engel fürs Ehrenamt

14 Millionen Menschen in Deutschland engagieren sich ehrenamtlich - viele davon in Sportvereinen. Warum "opfern" die Ehrenamtlichen ihre Freizeit? Drei engagierte Frauen erzählen von lächelnden Kindern, ängstlichen Eltern und Waschmittel als Weihnachtsgeschenk.

Vivien, 25 Jahre, Trainerin bei der Berliner Turnerschaft, arbeitet im Krankhaus

Der Mittwoch gehört meinem Hobby, das wissen alle meine Kollegen. Netterweise wird darauf auch im Dienstplan geachtet. So kann ich häufig am Mittwochnachmittag in die Halle zu meinen zehn Mädels. Es gibt aber natürlich auch Tage, an denen ich nach dem Training direkt in den Nachtdienst gehe oder Dienste tauschen muss. Das mache ich aber gerne und freue mich jedes Mal auf die Kinder. In der Woche bin ich zwischen drei bis fünf Stunden für den Verein im Einsatz - plus Turnierwochenenden. Es ist toll mitzuerleben, wie die Mädchen neue Turnelemente erlernen und bei Wettkämpfen dann auch das Siegerpodest erreichen. Das sind natürlich die größten Erfolge eines Trainers.

Vor 12 Jahren fing ich in einer anderen Abteilung an, sechs Mädels zu trainieren und habe so meinen Einstieg als Trainerin begonnen. Das war am Anfang sehr aufregend.

Verbringt jede freie Minute in der Turnhalle: Vivien
Verbringt jede freie Minute in der Turnhalle: Vivien

Es ist sehr schwierig, neue Trainer zu gewinnen, die sich ehrenamtlich engagieren. Die Jugendlichen haben einfach weniger Zeit für sich, sind teilweise bis späten Nachmittag in der Schule und bringen dann noch einen riesigen Haufen an Hausaufgaben nach Hause. Da bleibt nicht viel Freizeit übrig.

Die Anerkennung für meinen Einsatz in der Halle bekomme ich von den Mädels - jedes Lächeln, ein "Danke" oder eine Umarmung freuen mich. Wenn zum Beispiel ein Mädchen nach langer Zeit endlich einen Handstand alleine kann. Das Kind strahlt und ich freue mich mit! Das ist der größte Erfolg für mich als Trainer. Und natürlich ist das Kind total stolz, wenn es das Neuerlernte dann gleich seinen Eltern zeigen kann.

Für mich ist der Verein meine zweite Familie. Mit den meisten Trainerinnen bin ich groß geworden und wir verstehen uns alle sehr gut. Aus diesem Grund stört es mich auch nicht, dass ich meine Freizeit in der Halle verbringe. Unsere ehrenamtliche Arbeit scheint ansteckend zu sein. Denn von den neun- bis zehnjährigen Mädchen aus meiner Riege haben sich einige schon fest vorgenommen: Ich will später auch mal Trainerin im Turnverein werden. Wunderbar!

Steffi, 53 Jahre, Handballtrainerin bei der SG OSF Berlin, arbeitet in der Familienbildung

Seit 35 Jahren bringe ich Jungs und Mädchen bei, wie man Handball spielt. Viele Spielerinnen und Spieler unserer Erwachsenenmannschaften haben bei mir einmal klein angefangen. Und es macht mir immer noch Spaß!

Zu Beginn und zum Ende einer jeden Trainingseinheit oder eines Spieltages halten mir die Kinder eine Hand entgegen und wir klatschen uns ab! Ich weiß nicht, wie viele "Abklatscher " ich in meinem Leben schon gemacht habe, aber es hat etwas ungemein Verbindendes und stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl. Das ist in der heutigen Zeit etwas sehr Wichtiges, finde ich. Ich bin gerne Trainerin. Damit bei den Spielen immer alle Trikots und Hosen dabei sind, wasche ich seit Jahren die Leibchen selbst. Es ist mittlerweile eine Tradition zu Weihnachten geworden, dass ich von den Eltern eine Familienpackung Waschmittel als Dankeschön bekomme. Natürlich kriege ich meist auch noch ein anderes Geschenk bei der Weihnachtsfeier.

Bekommt zu Weihnachten eine Familienpackung Waschmittel von den dankbaren Eltern: Steffi
Bekommt zu Weihnachten eine Familienpackung Waschmittel von den dankbaren Eltern: Steffi

Jede Woche bin ich vier Stunden in der Halle und an Wochenenden mit Spieltagen kommen noch mal fünf Stunden oben drauf. Ich kümmere mich mit meinem Trainer-Kollegen um 50 Mädchen und Jungs bei den "Minis". Die Kinder sind zwischen fünf und acht Jahren alt. Das Wichtigste beim Training ist der Spaß am Handball.

Es hat sich viel geändert. Früher kamen die Kinder ausgeruht von zu Hause zum Training und hatten immer auch Mittag gegessen. Sie waren damals konzentrierter und entspannter. Heute kommen fast alle direkt von der Schule oder aus dem Hort in die Halle und haben schon einen langen Tag hinter sich. Außerdem haben wir immer mehr mit Eltern zu tun, die ihre Kinder überbehüten und ihnen wenig zutrauen. Jeden Sommer fahren wir zu einem großen Rasenturnier und übernachten alle mit Schlafsäcken in einer Turnhalle. Es gibt dann leider immer wieder Kinder, die nicht mitfahren dürfen, weil die Eltern glauben, der Nachwuchs würde es nicht hinkriegen. Doch die Kinder wollen natürlich mit ihren Mannschaftskameraden gemeinsam verreisen, übernachten und Handball spielen. Da müssen wir dann manchmal die Eltern überzeugen, dass die Kinder schon weiter sind, als sie glauben. Wenn wir dann wieder kommen, sind meistens alle "gewachsen"- die Kinder und die Eltern.

Ich denke, man kann Eltern und Kindern nicht früh genug zeigen, was der Sport für Möglichkeiten bietet. In unserem Verein lernen die Kids, gemeinsam Erfolge und Niederlagen zu erleben. Sie werden selbstbewusster und lernen die Stärken und Schwächen anderer zu akzeptieren. Wenn sie klein anfangen, können sie gemeinsam groß werden. Ich habe das bei meinen eigenen Kindern erlebt. Sie haben dann gleichgesinnte Freunde, verbringen gemeinsam ihre Freizeit und haben im Sport vor allem eine Alternative zu Spielekonsolen und zum "Rumhängen".

Lotta, 19 Jahre, Hip-Hop-Trainerin bei Kiezmove e.V., Studentin

Eine befreundete Arbeitskollegin meiner Eltern kam auf mich zu und sagte: "Du tanzt doch so toll, willst Du nicht Kindern beibringen, wie man Hip-Hop tanzt?" Das war vor zwei Jahren. Da ich gut mit kleinen Kindern zurechtkomme, habe ich zugestimmt. Wenn es ums Tanzen geht, habe ich immer viele Ideen im Kopf. Nun weiß ich, dass ich auch Anfängern was beibringen kann.

Klar, die Kinder sind auch mal frech und nicht immer voll bei der Sache. Wir machen dann kurz ein Spiel, dann sind sie wieder konzentriert und die Jungs und Mädchen rennen kreischend auf ihre Positionen und warten, dass die Musik anfängt.

Ist stolz auf ihre Kids: Lotta
Ist stolz auf ihre Kids: Lotta

Zu Beginn denkt jeder Neuanfänger über die Tanzschritte nach. Aber schnell fühlen die Kinder dann die Musik richtig und bewegen ihren Körper ganz natürlich, tanzen sogar Freestyle.

Ich sehe, wie das Selbstbewusstsein der Kinder größer wird. Wenn die Kinder etwas Neues hinkriegen und viel Power in ihre Bewegungen stecken, gibt mir das immer viel Energie. Ein echter Wow-Effekt. Ich sehe dann das Funkeln in den Augen meiner Kinder. Das ist ganz toll.

Ich kriege positives Feedback von meinen Freunden, wenn ich ihnen von der Hip-Hop-Gruppe bei Kiezmove erzähle. Oft wollen meine Freundinnen dann ein Video meiner sechs bis zwölf Jahre alten Jungen und Mädchen sehen - und gucken ganz beeindruckt auf mein Handy.

Die Kinder haben mir als Dankeschön mal eine Tafel Schokolade mitgebracht. Da habe ich mich sehr gefreut. Und wenn die Eltern nach einer Aufführung sich dann bedanken, werde ich daran erinnert, dass sich die ganze Arbeit auszahlt und dass ich vieles erschaffen kann. Das ist genug der Anerkennung.

Auf der Weihnachtsfeier des Vereins tanzen wir. Die Kinder sind total motiviert und wollen zeigen, was sie können. Und hoffentlich werden wir in Zukunft viele weitere Auftritte haben und eventuell mal an der Berliner Streetdance Meisterschaft teilnehmen.

Protokolliert von Hero Warrings

Quelle: n-tv.de

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