Panorama

"Plötzlich fielen Schüsse ..."Dreifacher Mord in Rüsselsheim

13.08.2008, 14:44 Uhr

Grausames Blutbad in der Eisdiele: Zwei Männer und eine unbeteiligte Frau sind am Dienstagabend kurz vor 20.00 Uhr in der Rüsselsheimer Fußgängerzone kaltblütig erschossen worden.

Grausames Blutbad in der Eisdiele: Zwei Männer und eine unbeteiligte Frau sind am Dienstagabend kurz vor 20.00 Uhr in der Rüsselsheimer Fußgängerzone kaltblütig erschossen worden. Ein weiteres Opfer schwebt in Lebensgefahr. Das Verbrechen geschah vor zahlreichen Zeugen im Eiscaf "De Rocco", doch die Täter konnten fliehen. Die Polizei fahndete die ganze Nacht nach "mindestens vier Männern". "Wir suchen das komplette Rhein-Main-Gebiet solange ab, bis wir wissen: Die Täter sind nicht in diesem Gebiet", sagt Polizeisprecher Marc Wuthe.

Am Morgen nach der Schießerei berichtet die Staatsanwaltschaft Darmstadt von zwei vorläufigen Festnahmen. Ein dritter, schwer verletzter Verdächtiger, steht ebenfalls unter Aufsicht der Polizei, sagt Sprecher Ger Neuber. Ob die Männer als mutmaßliche Täter eingestuft werden oder ob es sich um Personen aus dem Umfeld handelt, ist unklar.

Durch Querschläger getroffen

Über die Identität der Opfer ist bislang nur bekannt, dass die drei jungen Männer türkische Staatsbürger sind. Die Frau ist Griechin und geriet in den Kugelhagel, als sie kurz einen Kaffee trinken wollte. "Die Frau war völlig unbeteiligt und wurde bedauerlicherweise durch einen Querschläger getroffen", sagt Neuber. Ihr Mann musste mit ansehen, wie sie starb. Dem Nachrichtensender n-tv sagte er: "Ich habe mit einem Mal Bam-Bam-Bam gehört. Ich gucke draußen, meine Frau ist runtergefallen. Sie hat gesagt, bitte hilf mir." Zwanzig Minuten später sei sie tot gewesen.

Zu den Hintergründen hält sich die Polizei auch am Mittwoch bedeckt. Gerüchte über eine Fehde verfeindeter Gruppen oder gar einen Mordanschlag der Mafia weist Wuthe kategorisch zurück: "Das können wir überhaupt nicht bestätigen." Fest stehe nur, dass keines der Opfer das Feuer erwidert habe.

Ermittler tappen im Dunkeln

Die Frau starb in dem Caf. Das schwer verletzte Opfer wurde ebenfalls in der Eisdiele von den Kugeln getroffen. Die beiden anderen Männer wurden direkt vor dem Lokal in der belebten Fußgängerzone erschossen. Sie liegen am Abend unter Planen zwischen den umgestürzten roten und weißen Plastikstühlen der Eisdiele. Nach ersten Erkenntnissen benutzten die Täter, die nach Zeugenaussagen ebenfalls "südländisch aussehen", neben den Schusswaffen auch ein Messer.

Während die Ermittler noch weitgehend im Dunkeln tappen, ergehen sich die vielen Menschen, die am Dienstagabend bis nach Mitternacht an den Absperrungen rund um den Tatort stehen, in wilden Spekulationen. Von Drogengeschäften ist die Rede und von illegalen Wettbüros. Eines der Opfer ist gleich mehreren der meist türkischen Schaulustigen bekannt - als Fahrer eines Maserati.

Auch ein Grieche steht am Rande der rot-weißen Bändchen, die die Fußgängerzone um den Tatort absperren. Der Mann ist Augenzeuge - und kann noch gar nicht fassen, was er zwei Stunden zuvor erlebt hat: "Ich saß vor dem Caf, plötzlich fielen Schüsse, und alle rannten weg", sagt er. Danach habe einer der Männer mit einem Messer mehrmals brutal auf ein Opfer eingestochen. Der Zeuge, der seinen Namen aus Angst lieber nicht nennen möchte, will gesehen haben, wie die drei Opfer und ihre späteren Mörder vor der Tat gemeinsam an einem Tisch der Eisdiele saßen. Auch das bestätigt die Polizei zunächst nicht: "Zum Tathergang haben wir keine Erkenntnisse."

Trauer in Rüsselsheim

Die Stadt Rüsselsheim, die vor allem durch die Opel-Werke bekannt ist, äußerte sich betroffen. "Wir hoffen, dass keine falsche falschen Bilder von Rüsselsheim entstehen", sagt Sprecherin Silke Fey. Menschen aus 100 Nationen lebten friedlich in der 60.000-Einwohner-Stadt zusammen. Auch das Bild am Tatort ist am Mittwoch friedlich: Anwohner haben als Zeichen der Trauer Grablichter angezündet und Blumen niedergelegt.

Harald Schmidt, dpa