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"Stellen Sie sich einen Gegenstand aus Metall und Plastik vor, der in eine Hochleistungs-Turbine gerät": Die US-Flugaufsicht fordert neue Sicherheitsstandards.
"Stellen Sie sich einen Gegenstand aus Metall und Plastik vor, der in eine Hochleistungs-Turbine gerät": Die US-Flugaufsicht fordert neue Sicherheitsstandards.(Foto: picture alliance / dpa)
Samstag, 10. Mai 2014

Crash-Alarm über Florida: Drohne kollidiert beinahe mit Passagierjet

Es ist der Alptraum für Piloten: Wie aus dem Nichts taucht über Florida im März eine Drohne auf, eine Maschine der US Airways kann nicht mehr ausweichen. Mit knapper Not rast der Verkehrsflieger an einer Katastrophe vorbei.

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Ein US-Passagierflugzeug ist über dem Nordwesten Floridas nur knapp einem Zusammenstoß mit einem ferngesteuerten Flugobjekt entgangen. Der Zwischenfall habe sich bereits am 22. März beim Landeanflug auf den Flughafen von Tallahassee ereignet, wie ein Experte der Flugaufsicht FAA mitteilte. In rund 700 Meter Höhe habe der Pilot von Flug 4650 ein kleines, unbemanntes und offensichtlich ferngesteuertes Fluggerät gesichtet.

Das Objekt habe einem Modell eines F-4-Kampfjet vom Typ "Phantom" geähnelt, hieß es. Der Berufspilot der Fluggesellschaft US Airways schloss aus, dass es sich bei dem unbekannten Flugobjekt um eine handelsübliche Kameradrohne für zivile Zwecke gehandelt haben könnte.

Reichweiten von mehr als 1000 Meter sind für die Fernsteuerungen von Modellflugzeugbauern kein Problem. Allerdings lassen sich nur größere Modelle auf diese Distanz noch sicher vom Boden aus steuern. In Deutschland unterliegen solche Fluggeräte der Luftverkehrsordnung. Kurz nach dem Start oder beim Landeanflug sind Verkehrsmaschinen besonders anfällig: Im Fall einer Kollision oder eines Triebwerksausfalls bleibt den Piloten kaum Zeit zu reagieren. Daher gelten im Umfeld von Flughäfen in der Regel gesonderte Sicherheitsbestimmung für die Nutzung des Luftraums.

Vom Einschlag überzeugt

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"Nach dem Bericht des Piloten kam die Drohne seinem Flugzeug so nahe, dass er überzeugt war, mit ihr kollidiert zu sein", sagte der Chef der FAA-Abteilung für unbemannte Flugzeuge, Jim Williams. Die Inspektion nach der Landung habe aber glücklicherweise gezeigt, dass es keine Schäden gegeben hatte. Bislang noch seien solche Beinahezusammenstöße mit unbemannten Fluggeräten noch selten. Der Vorfall über Florida ging glimpflich aus. "Das muss aber nicht immer der Fall sein", warnte der FAA-Experte.

Ein Zusammenstoß mit einer Drohne oder einem ferngesteuerten Modellflugzeug sei viel gefährlicher als ein Vogelschlag, sagte Williams. "Stellen Sie sich einen Gegenstand aus Metall und Plastik vor, der in eine Hochleistungstriebwerk gerät, vor allem, wenn er auch noch mit einer großen Lithium-Batterie ausgestattet ist. Das Resultat könnte "katastrophal" sein. Williams erinnerte in diesem Zusammenhang auch an die Notlandung auf dem Hudson.

Neue Gefahren am Himmel

Damals war es dem Piloten nur dank außergewöhnlicher Fähigkeiten - und einer guten Portion Glück, wie Experten meinen - gelungen, seine nahezu voll besetzte Passagiermaschine nach einem doppelten Vogelschlag sicher auf dem eiskalten Fluss vor Manhattan aufzusetzen. Die Sicherheitsstandards müssten daher verbessert werden. "Unsere Herausforderung ist es, Drohnen in den verkehrsreichsten und komplexesten Luftraum der Welt zu integrieren."

Das Problem mit Drohnen und anderen Fluggeräten bleibt nicht auf den US-Luftraum beschränkt: Zu Jahresbeginn hatte zum Beispiel in Bremen die Sichtung eines "UFOs" erhebliches Aufsehen ausgelöst. Die Fluglotsen im Tower hatten zunächst ein Unbekanntes - und jedenfalls unangemeldetes - Flugobjekt über dem Vorfeld des Flughafens gemeldet. Die Polizei geht mittlerweile davon aus, dass es sich dabei um ein ferngesteuertes Modellflugzeug oder einen sogenannten "Multicopter" gehandelt haben dürfte.

Im Fall von Flug 4650 sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen: Der betroffene Flug der Gesellschaft US Airways sei von Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina nach Tallahassee unterwegs gewesen, hieß es. Die knapp 200.000 Einwohner zählende Regionalmetropole ist die Hauptstadt des südöstlich gelegenen Bundesstaats. Die Fluglinie leitete eine Untersuchung ein. Die Behörden konnten bislang weder das fragliche Flugobjekt, noch den verantwortlichen Drohnen-Betreiber ausfindig machen. Ihm droht ein Verfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Flugverkehr.

Quelle: n-tv.de

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