Panorama

Chemieregen und FlussumbauDürre-Notstand in China

08.02.2009, 12:49 Uhr

Nach offiziellen Angaben leiden 4,3 Millionen Menschen und 2,1 Millionen Stück Vieh an Wassermangel. Außerdem droht die Dürre 43 Prozent der Winterweizenernte zu vernichten.

Im Kampf gegen die schlimmste Dürre seit mehr als einem halben Jahrhundert haben die chinesischen Behörden tausende von Geschossen mit Chemikalien in den Himmel gefeuert, um für Regen zu sorgen. Wie die nationale Wetterbehörde am Sonntag mitteilte, wurden in Nordchina fast 2400 Granaten und mehr als 400 Raketen abgeschossen. Die darin enthaltenen Chemikalien lösten in der Provinz Hebei Niederschläge aus, nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua fielen bis zu fünf Millimeter Regen.

Die Behörden planen zudem, Wasser aus den beiden größten Flüssen des Landes in die von der Dürre betroffenen Regionen abzuleiten. In der östlichen Provinz Jiangsu soll Wasser aus dem Jangtse-Fluss abgleitet werden. In der Inneren Mongolei im Nordwesten des Landes sollten entlang des Gelben Flusses Schleusentore geöffnet werden, um die Wasserversorgung in Zentralchina zu verbessern. Die chinesische Regierung wollte laut Xinhua umgerechnet mehr als neun Milliarden Dollar Hilfen für die von der Dürre betroffenen Bauern zur Verfügung stellen. Peking hat wegen der Wasserknappheit in den betroffenen Regionen den Notstand verhängt.

Hundert Tage ohne Regen

Die Volksrepublik erlebt derzeit die schwerste Dürre seit Anfang der 1950er Jahre. Am stärksten betroffen sind die Provinzen Gansu, Shaanxi, Shanxi, Henan, Hebei, Shandong und Anhui sowie die Hauptstadt Peking. Nach offiziellen Angaben leiden 4,3 Millionen Menschen und 2,1 Millionen Stück Vieh an Wassermangel. Außerdem droht die Dürre staatlichen Medienberichten zufolge 43 Prozent der Winterweizenernte zu vernichten, nachdem es in einigen Gegenden seit mindestens hundert Tagen nicht mehr regnete.

Nach Ansicht der Naturschutzorganisation WWF ist die Krise vor allem vom Menschen verursacht: Durch das schnelle Wirtschaftswachstum ist der Wasserverbrauch in den vergangenen Jahren rapide angestiegen. Schlecht geplante Staudämme, veraltete Bewässerungssysteme sowie die Zerstörung von Wäldern verschärfen das Problem.