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Norwegens Natur und Mystik: ein "Trollhaus" am Trollstigen
Norwegens Natur und Mystik: ein "Trollhaus" am Trollstigen(Foto: Thomas Badtke)
Dienstag, 24. Juli 2012

Das große Land und seine kleinen Details: Durch Norwegen in 20 Tagen

Von Thomas Badtke

Norwegen als Urlaubsziel? Viel zu teuer, winken manche da vehement ab. Nicht aber, wenn man mit Auto und Zelt auf Erkundungstour in den hohen Norden Europas fährt. Knapp drei Wochen reichen, um sich an der einzigartigen Natur sattzusehen: Fjorde, Fjelle, Mitternachtssonne locken - und noch viel mehr.

Sognefjell: eines von vielen Wundern der Natur in Norwegen
Sognefjell: eines von vielen Wundern der Natur in Norwegen(Foto: Mosler/Edition Panorama aus dem Bildband "Norway")

"Als ich zum ersten Mal dieses Land sah, hatte ich das Gefühl, hier hat Gott selbst Hand angelegt." Horst Tappert meint Norwegen - und er hat recht. Die Schönheit dieses Landes lässt sich nur schwer in Worte fassen. Die Fjorde und Fjelle, die Gebirge, Seen und Wasserfälle, ja die ganze Natur scheint nicht von dieser Welt. Ein Grund mehr, dem Land einen Besuch abzustatten, denn in einem norwegischen Sprichwort heißt es: Die wirkliche Entdeckungsreise strebt nicht nach neuem Land, sondern danach, Dinge mit neuen Augen zu sehen. Nicht "in 80 Tagen um die Welt" heißt das Reisemotto, sondern in 20 Tagen durch Norwegen.

Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, denn Norwegen ist kein Zwergenstaat auf der Landkarte, die Ausmaße sind enorm: 14 Breitengrade umfasst es. 1700 Kilometer Luftlinie sind es von der nördlichsten Stadt Hammerfest bis zur südlichsten Kristiansand (ein kleines Detail: in etwa die gleiche Strecke wie von Oslo nach Rom). 25.000 Kilometer Atlantikküste, inklusive der vorgelagerten Inseln sind es sogar mehr als 80.000 Kilometer. Mehr als 150.000 Inseln gehören zum Königreich. Die bekanntesten Inselgruppen sind die Lofoten und die Vesteralen. Das ist das Ziel der Reise.

Felswände und Hafenbecken

Preikostolen: Das Wetter ist egal, ein Besuch auf dem "Predigtstuhl" ist Pflicht.
Preikostolen: Das Wetter ist egal, ein Besuch auf dem "Predigtstuhl" ist Pflicht.(Foto: Tobias Kloß)

Sie beginnt in Berlin und führt über Hirtshals via Fähre nach Norwegen. Das Auto ist voll mit Campingausrüstung und Verpflegung. Vom norwegischen Kristiansand aus geht es zum Preikostolen, einer natürlichen Felsplattform, die jeder Norweger in seinem Leben erklommen haben sollte. Erklommen ist das richtige Wort: Warntafeln gibt es nicht - nur Hinweisschilder, dass man doch bitte Hund, Kleinkind und Flip-Flops zu Hause lassen sollte. Die Touristen, die sich über den felsgespickten, zum Teil extrem steilen und kilometerlangen Weg nach oben plagen, kümmert das nicht. Flip-Flops werden ebenso gesichtet wie Hunde, die diesen Gattungsnamen ob ihrer Größe allerdings nicht verdienen. Auch ein nur wenige Monate altes Kleinkind wird, eingewickelt in ein Tuch, auf den "Predigtstuhl" getragen. Bei Windgeschwindigkeiten von rund 100 Kilometern je Stunde und leichtem Niesel einfach nur purer Wahnsinn. Angekommen auf der unbefestigten Plattform, entschädigt bei schönem Wetter der kilometerweite Blick über den Lysefjord für die Strapazen. Wer es wagt, an der Spitze der Felskanzel nach unten zu schauen, blickt etwa 600 Meter in die Tiefe (der krasseste Felsen Europas).

Weiter geht es auf dem Weg nach Norden über Stavanger - immerhin mit knapp 130.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Norwegens. Gezeltet wird hier im Stadtpark, zum sehenswerten Hafen sind es knapp drei Kilometer. An Sommerwochenende trifft sich dort Jung und Alt, um jede Minute Helligkeit in sich aufzusaugen und dabei maximal ein Bier zu trinken. Gleichzeitig wird nach jedem Schluck gefühlt eine Zigarette geraucht. (Rauchen gehört in Norwegen zum Selbsterhaltungstrieb. Mücken verschiedenster Art - von winzig klein bis daumennagelgroß - machen Einheimischen und Touristen das Leben schwer.) Die Bierpreise sind für deutsche Verhältnisse exorbitant hoch: 79 Kronen, mehr als 10 Euro für einen Plastikbecher mit 0,4 Litern Bier. (Nicht jede Bar verfügt über eine Zapfanlage, Dosenbier steht auch in Kneipen hoch im Kurs.)

Kreuzfahrtschiffe sind in Bergen ebenso häufig zu sehen wie im Geirangerford.
Kreuzfahrtschiffe sind in Bergen ebenso häufig zu sehen wie im Geirangerford.(Foto: Thomas Badtke)

Sehenswerter als Stavanger ist aber Bergen (angeblich die regenreichste Stadt Europas). Norwegens zweitgrößte Stadt war einst Mitglied der Hanse und verfügt noch immer über einen Seehafen und Werftenindustrie. Am Hafen entlang tummeln sich dann auch die Touristen - zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Motorrad, dem Auto, dem Kreuzfahrtschiff oder der Bergenbahn unterwegs. (Die Bergenbahn verbindet Oslo und Bergen und gilt nicht nur als eine der höchstgelegenen Bahnstrecken Europas, sondern auch als eine der landschaftlich schönsten.)

Schön eng geht es an der Hafenpromenade zu. Fischrestaurant, Hotel, Nachtclub, Boutiquen - und das alles in jahrhundertealten Holzhäusern, verbunden durch mittelalterlich enge Gässchen. Italien lässt grüßen. Aber auch die um 1150 erbaute Domkirche St. Olav zu Bergen ist einen Abstecher wert, vor allem, wenn es doch einmal regnen sollte.

Eine weitere bekannte Eisenbahn Norwegens ist die Flamsbahn. Von mehr als 850 Meter führt deren einspurige Strecke ins Flamstal am Aurlandsfjord auf 2 Meter über Null. Direkt neben der Bahnstation wartet ein Campingplatz. Der gehört dadurch zwar nicht zu den ruhigsten seiner norwegischen Zunft, der Ausblick auf die um ihn herum aufragenden oft nebelverhangenen Gebirgswände samt Wasserfall entschädigt dafür aber.

Sieben Schwestern, ein Steuereintreiber und Trolle

Übertroffen wird diese Naturszenerie noch vom Campen am Geirangerfjord, dem wohl bekanntesten und schönsten Fjord Norwegens. Er liegt etwa 200 Kilometer Luftlinie nordöstlich von Bergen, ist rund 15 Kilometer lang und zwischen 0,6 bis 1,5 Kilometer breit (seit 2005 Unesco-Weltnaturerbe). Auf einer kleinen Wiese direkt am Fjord, eingekesselt von steil aufragenden Felswänden, die die Sonne im Sommer früh untergehen und spät aufgehen lassen, kann man den im Geirangerfjord einfahrenden und wendenden Kreuzfahrtriesen zuschauen. Ein beeindruckendes Schauspiel, auch wieder nicht sehr leise. Schreiende Möwen und die dröhnenden Schiffsmotoren werden aber noch von mehreren in der Nähe sich befindenden Wasserfällen übertönt (Ohropax zahlt sich in Norwegen aus).

Trollstiegen und Stigfossen in ihrer ganzen Pracht
Trollstiegen und Stigfossen in ihrer ganzen Pracht(Foto: Thomas Badtke)

Die Nächte am Geirangerfjord können auch im Sommer extrem kühl werden, Reif am Zelt ist keine Seltenheit, aber sobald es die Sonne in die Schlucht geschafft hat, umspült einen wohlige Wärme und verführt zu einem kurzen Sprung ins kühle Nass, ehe das Zelt abgebaut wird und es via Fähre auf Besichtigungstour geht: Die neben dem Stigfossen (320 Meter hoher Wasserfall an den Trollstigen, einer in elf Haarnadelkurven auf eine Passhöhe führende Straße und Touristenmagnet) bekanntesten Wasserfälle des Landes stehen auf dem Programm: Die "Sieben Schwestern" genannten Fälle sind dabei ebenso imposant wie einzelne in den Felswänden versteckt gelegene ehemalige Bauernhäuser. Wie die Bewohner dort überleben konnten, bleibt ein Rätsel. (Einen Vorteil hatte die schwierige Erreichbarkeit - oft nur durch eine mehrmals weitergereichte Leiter - aber: Die Steuereintreiber mussten unverrichteter Dinge wieder abziehen, wenn die Leiter hochgezogen war.)

Diesen "Vorteil" haben die Bewohner der noch über Trondheim liegenden Kommunen am Leirfjord nicht. Zwar leben auch sie heute meist noch von Landwirtschaft und Fischfang, die Gegend ist aber alles andere als unzugänglich: Unzählige Wohnmobile machen das deutlich. Selbst unbeholfene Angler können am Leira-Fluss und dessen Mündung in den Leirfjord ihr "Petri heil" suchen. Vor allem Makrelen stehen dann auf dem Speiseplan und das nicht nur bei den Touristen: Möwen und Austernfischer krakeelen, was das Zeug hält.

Vogelschreie und Walgesang

Können ganz schön nerven: Austernfischer.
Können ganz schön nerven: Austernfischer.(Foto: Thomas Badtke)

Die langgezogenen Schreie des Austernfischers wird man auch auf der weiteren Reise nach Norden nicht mehr los. Selbst auf den Lofoten sind sie zu Hause. Die aus etwa 80 Inseln bestehende und rund 100 bis 300 Kilometer nördlich des Polarkreises liegende Gruppe ist die wohl bekannteste Norwegens - und deshalb auch Ziel vieler Besucher. Seit mehr als 6000 Jahren leben Menschen auf den Lofoten, aber erst durch die Wikinger bildeten sich Siedlungen. Auch ihrer Anwesenheit verdanken die heute rund 25.000 Einwohner der Lofoten den jährlichen Touristenboom im Sommer. Ein originalgetreu nachgebautes Wikinger-Häuptlingshaus in Borg wird selbst von Kreuzfahrtschiff-Reisegruppen angefahren. Die wichtigsten Inseln der Lofoten sind heute durch Brücken und Tunnel verbunden. (In ganz Norwegen gibt es mehr als 900 Verkehrstunnel, der längste ist mit 24,5 Kilometern der Laerdalstunnel.)

Im Lardalstunnel verändert sich alle sechs Kilometer die Beleuchtung.
Im Lardalstunnel verändert sich alle sechs Kilometer die Beleuchtung.(Foto: Thomas Badtke)

Die Haupteinnahmequelle der "Lofotinger" genannten Einwohner ist neben dem Tourismus der Fischfang. Stockfisch steht dort auch heute noch hoch im Kurs. Da unterscheiden sich die Lofoten nicht von den benachbarten Vesteralen. Das einstige Walfang-Mekka ist zur Wal-Safari-Hochburg geworden. Mit großen Trawlern geht es für mehrere Stunden hinaus auf den Atlantik. Auf den ehemaligen Walfängern tummeln sich manchmal mehr als 150 "Freizeit-Jäger". Geschossen wird aber nicht mehr mit der Harpune, das Spektakel endet unblutig mit einem Smartphone- oder Digicam-Schnappschuss. Taucht kein Wal auf, um für mehrere Minuten an der Wasseroberfläche Luft zu holen, gibt es bei manchen Veranstaltern sogar eine Geld-zurück-Garantie. (Walfleisch schmeckt wie Wild.)

Auf der Suche nach gutem Wetter und Walen
Auf der Suche nach gutem Wetter und Walen(Foto: Thomas Badtke)

Die gibt es aber nicht, wenn es ums Thema Wetter geht: Regen auf den Vesteralen bedeutet Sturm und Dauerniederschlag. Da dreht man auch schon einmal gefrustet um und fährt weiter nach Narvik. Vom Campingplatz aus hat man freie Sicht auf die das ganze Jahr wegen des Golfstroms eisfreie Bucht. Bei Sonnenschein ein fantastischer Anblick. Bei Dauerregen lockt ein Abstecher nach Schweden, Kiruna ist nicht weit. Auf dem Weg dahin lohnt ein Blick in die Geschichte: Das schwedische Eisenerz aus Kiruna wurde während des Zweiten Weltkriegs über Narvik ins Deutsche Reich verschifft, weshalb die Wehrmacht Narvik erst besetzt hielt und später bombardierte und dem Erdboden gleichmachte. An der Straße nach Schweden erinnern mehrere Denkmäler an diese Zeit.

Alter Schwede!

Elche trifft man in Schweden häufiger an als in Norwegen.
Elche trifft man in Schweden häufiger an als in Norwegen.(Foto: Thomas Badtke)

Ein Abstecher nach Schweden lohnt sich bei einem Norwegen-Urlaub gleich mehrfach: Die Höchstgeschwindigkeit auf schwedischen Straßen beträgt 110 Kilometer je Stunde. Das sind auf dem Papier zwar nur 20 mehr als in Norwegen, dort lässt sich diese Geschwindigkeit aber nur sehr selten fahren. Oft bremsen Kurven, Tunnel oder Brücken den Verkehr und die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit fällt auf maximal 60. Wird man dennoch geblitzt, sind die Strafen enorm: Bereits 1 Stundenkilometer zu schnell bedeuten 400 Kronen (rund 80 Euro) Strafe. Wer auf einer 50er-Straße 76 fährt und dabei erwischt wird, muss seinen Führerschein abgeben. (Vor Blitzern wird in Norwegen immer rechtzeitig mit einem Schild gewarnt - auch in Schweden.) In Schweden geht es fast schnurgerade auf breiten Straßen gen Süden. Links und rechts des Asphalts pendelt das Straßenbild zwischen Seen und Wäldern. Autos sieht man eher selten und wenn, sind es häufig alte US-amerikanische Straßenkreuzer. Schweden, aber auch Norweger, scheinen ein Faible für die alten Buicks, Chevys und Cadillacs zu haben.

Ein weiteres Hobby der Schweden ist das Licht-Tuning ihrer Autos: Nur selten sieht man Fahrzeuge mit Standard-Scheinwerfern herumfahren. Die langen Winter, die nördlich des Polarkreises bereits im Herbst beginnen und bis weit in den Frühling, teilweise sogar Sommer reichen, und die damit unausweichliche Dunkelheit machen es nötig. Mehr Licht bedeutet auch mehr Schutz vor umherziehenden Elchen. Die gibt es entlang der bewaldeten Straßen zuhauf - und im Gegensatz zu den Touristen hält kein Schwede an, wenn er einen Elch sieht, um ein Foto zu knipsen.

Skandinaver sind sonnenhungrig.
Skandinaver sind sonnenhungrig.(Foto: Thomas Badtke)

Fotos lohnen sich im schwedischen Teil Lapplands auch noch um Mitternacht. Die Sonne ist dann - wegen der im Gegensatz zu Norwegen kaum vorhandenen Berge - noch zu sehen, nördlich des Polarkreises. Das Schauspiel dauert nur wenige Tage, aber die Mitternachtssonne fasziniert ebenso wie das Polarlicht.

Verlockend ist auch ein Besuch in den sogenannten Systembolaget. Dort und nur dort gibt es richtigen Alkohol. In Supermärkten findet sich nur Bier mit niedrigem Alkoholgehalt. Da sollte man sich nicht täuschen lassen: Selbst wenn Guinness oder Staropramen auf der Büchse steht, der Alkoholgehalt beträgt nur leicht über drei Prozent - und das schmeckt man auch. In den Systembolaget gibt es das "richtige" Bier, dazu auch Wein und Schnaps. Die Auswahl ist reichlich - und an der Kasse ist die Überraschung für einen deutschen Touristen nicht ganz so böse wie in Norwegen. Kostet dort eine Dose Pils 4 Euro, sind es in Schweden um die 1,50 bis 2 Euro. Bei Whisky liegen die Preise für eine gängige Flasche Blend oder auch einen Single Malt um die 5 Euro über den deutschen Preisen.

Zurück nach Norwegen braucht man sich dann keine Sorgen um den Zoll zu machen. Die Einfuhrbestimmungen nach Norwegen sind zwar hart - vor allem für Langzeiturlauber aus Deutschland (Jeder Erwachsene darf nur 2 Liter Bier, 1,5 Liter Wein und 1 Liter Schnaps einführen.). An der "grünen Grenze" gibt es aber kaum Kontrollen. Vom schwedischen Sveg kommt man in wenigen Stunden Fahrt direkt in den bekanntesten Nationalpark Norwegens: Jotunheimen (1440 Quadratkilometer).

Natur pur

Der Galdhoppigen ist mit seinen 2464 Metern auch im Winter ein beliebtes Ziel für Skifahrer.
Der Galdhoppigen ist mit seinen 2464 Metern auch im Winter ein beliebtes Ziel für Skifahrer.(Foto: Mosler/Edition Panorama aus dem Bildband "Norway")

Im Jotunheimen, dem "Heim der Riesen", liegen die höchsten Berge des Landes: Galdhoppigen (2464 Meter) und Glittertind (2452 Meter). Bei Kletterern sehr beliebt ist der Skagastolstind. (Westlich von Jotunheimen befindet sich zudem mit dem Jostedalsbreen der größte Festlandgletscher Europas.) Bergwanderer können sich auf dutzenden Wegen und Graten die Lunge aus dem Leib laufen. Der mit mehr als 30.000 Besuchern höchst frequentierte Wanderweg Norwegens, der Besseggen-Grat, befindet sich im Jotunheimen. Er führt von Gjendesheim am Gjendesee zur Memurubu-Hütte. Dort kann der müde Wanderer dann übernachten, ehe er am nächsten Morgen mit einer Fähre über den See zurückfährt.

Überhaupt sind es die norwegischen Gebirgsseen, die den Besucher des Landes zur Ruhe kommen lassen. Auf ihrer Wasseroberfläche spiegeln sich die zum Teil schneebedeckten Gipfel der umliegenden Bergketten. Man kann sich am Rande der Seen niederlassen, ein Buch lesen, den im Hintergrund leise hypnotisch läutenden Schafglocken lauschen oder den Wolkenzug auf der spiegelnden Wasseroberfläche verfolgen. Naturliebhaberherz, was willst du mehr.

Der Gjendesee: Hier findet man Ruhe.
Der Gjendesee: Hier findet man Ruhe.(Foto: Thomas Badtke)

Einzig ein immerwährendes Röhren und Prusten stört die Seelenruhe - ein beliebtes Hobby der Norweger: Rasenmähen. Via Motorsense will der Norweger, der keine Schafsherde besitzt, dem satten Grün am Fuß der Berge Herr werden. Dank der im Sommer langanhaltenden Helligkeit kann er stundenlang der knatternden Grasbekämpfung frönen (Auch hierbei hilft Ohropax!). Im Jotunheimen ist es ratsam, mehrere Tage zu verweilen, wenn man die Zeit dafür hat. Notfalls sollte man sie sich einfach nehmen, denn nirgendwo sonst kann man besser abschalten, Probleme vergessen und neue Kraft tanken als in dieser einzigartigen Natur. Selbst die bereits verwöhntesten Augen saugen die Farbenpracht der Umgebung gierig auf und weiden sich an ihr. Man kann sehr lange davon zehren.

Wenn die Akkus wieder voll sind, geht es zu einem kurzen Abstecher in die nicht mehr weit entfernte Hauptstadt: Oslo. Die Kapitale ist die größte Stadt des Landes und Sitz des Königshauses. Das Schloss samt Garten kann zeitweise besichtigt werden. Den König selbst und seine Familie bekommt man aber nur mit viel Glück zu Gesicht. Den Tausenden Touristen, die selbst am Wochenende in die Stadt einfallen, ist das egal. Bild auf Bild wird geschossen, Erinnerungsfotos geknipst. Meist ist Oslo die letzte Station, bevor es wieder zurück in die Heimat geht. Heimat heißt in diesem Fall Deutschland, genauer Thüringen. Und über Kristiansand verlässt man das Land im Norden, Norwegen. Allerdings sollte man noch über genügend Kleingeld verfügen, wenn man in Kristiansand campen will: Der Zeltplatz gehört zu den teuersten im Land. Eine Übernachtung mit Zelt kostet knapp 40 Euro und für warmes Duschwasser muss man 20 Kronen, etwa 2,50 Euro, berappen. Und das, obwohl es in Norwegen mehr als 300 Flüsse gibt und Strom billig mit Wasserkraft erzeugt werden kann. (Der Stromverbrauch pro Kopf ist mit 23.000 Kilowattstunden pro Jahr der höchste weltweit.)

Gleichzeitig gehört Norwegen zu den Ländern mit der höchsten Lebensqualität weltweit. Und das lässt sich der Staat gut bezahlen: Wer etwa in eine der größeren Städte fahren will, kommt kaum an einer Maut vorbei, die dann auch noch automatisch eingezogen wird. Lediglich ein Schild weist darauf hin, dass man gerade wieder 12, 45 oder auch 79 und mehr Kronen für die Nutzung der Straße zahlen muss. Eine falsche Abzweigung kann da kostspielig werden. Der Norweger murrt darüber nicht. Warum auch? Jeder der fast 5 Millionen Einwohner hat theoretisch umgerechnet mehr als 90.000 Euro auf der hohen Kante - dank des staatlichen Ölfonds, in den alle Einnahmen aus dem Ölgeschäft fließen. (Das in Norwegen geförderte Öl und Gas wird nicht für die eigene Energiegewinnung genutzt - es geht komplett in den Export.) Insgesamt verfügt der Fonds über ein Volumen von fast 3,5 Billionen Norwegischen Kronen oder etwa 465 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Jeder Deutsche hat eine Staatsschuld von rund 26.000 Euro.

Bilderserie

Mal ehrlich: Da wäre man doch gern ein Norweger - und das nicht nur 20 Tage im Jahr.  

Quelle: n-tv.de

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